- 07.10.1999, 09:19:33
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Risiko am Bau fast dreimal höher als in anderen Branchen
Zeitdruck und mangelnde Planung zählen zu Hauptursachen
Wien (OTS) - Während in anderen Branchen rund 40 von 1000
ArbeitnehmerInnen Arbeitsunfällen zum Opfer fallen, sind es in der
Bauwirtschaft 101 Verunfallte. Dies geht aus einer Studie der
Gewerkschaft Bau-Holz hervor. Deren Bundessekretär, Anton Korntheuer,
untermauerte bei dem derzeit in der Wiener Hofburg tagenden Kongress
der Internationalen Vereinigung für Sicherheit und Gesundheit (IVSS)
die Notwendigkeit zu verstärkter Planung und Koordination am Bau.
"Unser Motto muss sein: Zahlen wir nicht für das abgebrannte Haus,
zahlen wir lieber den Feuerlöscher", hob Korntheuer die Wichtigkeit
von Prävention hervor.
Dass sich Zähigkeit in der Präventionsarbeit auszahlt,
untermauerte Korntheuer mit einem Beispiel: Gab es vor wenigen Jahren
noch 50 Kilogramm schwere Zementsäcke, so seien heute am
österreichischen Markt nur mehr 25-Kilo-Säcke zu finden, was sich
langfristig positiv für den Bewegungsapparat der Bauarbeiter
auswirke. Auch in der Bauchemie - zum Beispiel bei Lösungsmitteln in
Fliesenklebern - seien ständig neue Prophylaxemaßnahmen erforderlich,
erklärte Korntheuer.
Auch der Leiter der Bundesinnung des Baugewerbes, Dipl.-Ing.
Reinhold Steinmaurer wartete mit gewichtigen Argumenten für mehr
Prävention am Bau auf: "60 Prozent der tödlichen Arbeitsunfälle am
Bau könnten durch Planung und Koordination vermieden werden.
Sicherheit darf kein Wettbewerbselement mehr sein!" verlangte der
Experte.
Die Erfüllung von EU-Richtlinien, die die Sicherheitskoordination
bei Bauprojekten vorsehen, ist Gegenstand der Erfahrungsberichte aus
verschiedenen europäischen, aber auch aussereuropäischen Ländern, die
bei dem von der AUVA ausgerichteten internationalen Kongress
vertreten sind.
"Arbeitskreis Sicherheitstechnik" Jubiläumstagung
"ArbeitnehmerInnenschutz gestern - heute - morgen" war der
Schwerpunkt der gleichzeitig in der Wiener Hofburg stattfindenden
100. Sitzung des "Arbeitskreises Sicherheitstechnik".
Der Schutz am Arbeitsplatz habe sich aus sehr bescheidenen
Anfängen heraus entwickelt, wie der Psychologe Paul Weingarten anhand
von Beispielen aus vielen Jahrhunderten zeigte. Lange war
Gefahrenbewusstsein kaum vorhanden, Sicherheit galt als überflüssiger
Luxus. Heute sind nicht nur technische und gesetzliche
Voraussetzungen besser, sondern auch die psychologische
Unfallverhütung nimmt eine andere Stellung ein. "Ich wage zu
behaupten, dass sich seit damals auch einiges in unseren Köpfen
verändert hat" meinte Weingarten.
ArbeitnehmerInnenschutz heute stellt an alle Fachleute, an
Arbeitgeber und Arbeitnehmer hohe Anforderungen, ist aber nur im Team
möglich: darüber waren sich die Teilnehmer einer Expertenrunde einig:
Auch die gesetzlich vorgesehen Betreuung der Kleinstbetriebe bis zum
Jahr 2000 bringe eine völlig neue Dimension der Sicherheit in
Österreich. Vertreter der Ärzte, der Techniker, der AUVA und der
Behörde skizzierten gemeinsam ihre Vorstellungen für umfassenden
Schutz und Gesundheitsförderung am Arbeitsplatz.
ArbeitnehmerInnenschutz morgen müsse über das Erreichte
hinausgehen. Neue Arbeitsstoffe und neue Produktionsweisen verlangten
neue Schutzmassnahmen. Auch Stress, Zeitdruck, Überlastung und
Unsicherheit stellen Gesundheitsgefahren dar. Dazu kommen neue
Organisationsformen der Arbeit: Menschen in neuen
Arbeitsverhältnissen wie etwa Teleworker werden von traditionellen
Massnahmen des Arbeitnehmerschutzes kaum mehr erreicht.
Vor diesem Hintergrund müssten neue, unternehmensübergreifende
Präventionsdienstleistungen gefunden werden, bestand weitgehend
Übereinstimmung bei den Experten.
"Risk-management als integrativen Lösungsansatz" empfahl Dipl.
Ing. Klaus Woltron.
Sicherheit ist Chefsache und Managementaufgabe: Gemeinsame
Zielformulierung und Planung, Erarbeitung von Krisenszenarien und
Bewältigungsstrategien machen Führungskräfte und Mitarbeiter gleicher
Maßen sicher. Auch müssen die erreichten Ziele immer wieder an den
Vorgaben gemessen werden - nur so kann ein hoher Sicherheitsstandard
garantiert werden. (Forts.)
Rückfragehinweis: AUVA Öffentlichkeitsarbeit,
Tel. (01) 33111/305, Kongressinformationen auf
der AUVA Homepage www.auva.or.at.
Während der Kongresswoche (bis einschliesslich 8.10.1999) steht
den Medienvertretern unser AUVA-Pressebüro in der Hofburg, 1.
Stock/Rittersaal, Heldenplatz, 1010 Wien,(Tel.(01)53 644/311
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