Ex-Salinen-Manager erhebt im FORMAT-Interview schwere Vorwürfe gegen Hannes Androsch

Androsch kündigt Kreditschädigungsklage an

Wien (OTS) - Der im Februar 1999 suspendierte und anschließend entlassene Finanzvorstand der Österreichischen Salinen AG (ÖSAG), Hermann Pomberger, erhebt im FORMAT-Interview schwere Vorwürfe gegen seinen ehemaligen Arbeitgeber und Großaktionär Hannes Androsch. Dies berichtet das Nachrichtenmagazin FORMAT in seiner am Montag erscheinenden Ausgabe.

Pomberger hat, wie FORMAT bereits in der Vorwoche berichtete, Androsch in einer Selbstanzeige an die Finanzbehörden schwer belastet. Zitat aus dem FORMAT vorliegenden Dokument: "Ich habe als Vorstand der Österreichischen Salinen AG - folgende Vorgänge festgestellt: Rechnungslegung über vermutlich nicht, oder nicht in dem Umfang erbrachte Leistungen seitens der AIC-Androsch International Consulting."

Androsch, so Pombergers Vorwurf, soll nach der Übernahme der Salinen im April 1997 zusammen mit seinem Partner, Raiffeisen Landesbank Oberösterreich-Chef Ludwig Scharinger, systematisch Geld aus der Salinen-Gruppe abgezweigt haben. Pomberger gegenüber FORMAT:
"Ich habe die Anzeige erst nach Rücksprache mit zwei renommierten Wirtschaftsprüfern und auf deren Empfehlung hin erstattet. Die Finanz ist ja nicht dumm. Früher oder später wäre die Sache ohnehin aufgeflogen. Dann wäre ich selbst strafrechtlich dran gewesen. Ich habe eigentlich eh viel zu spät reagiert. Ich hätte das schon viel früher machen sollen."

Demnach seien unter anderem Gelder für Beratungsleistungen verrechnet worden, die in dieser Form niemals erbracht worden seien. Zudem soll die RLB Oberösterreich Kreditzinsen verrechnet haben, die nicht den Marktsätzen entsprochen hätten.

In Summe sollen etwa 50 Millionen an der Finanz vorbeigemogelt worden sein, so das Magazin. Die Betroffenen Androsch und Scharinger - sie kontrollieren über die SBG-Holding zusammen 97,5 Prozent der ÖSAG - reagieren entsetzt. Androsch: "Dr. Pomberger hat psychische Probleme und einen Hang zur Selbstzerstörung." Sämtliche Beratungsleistungen, die seine AIC für den Salinen-Konzern erbracht habe, seien genauestens dokumentiert. Androsch: "Da ist alles korrekt abgelaufen."

Banker Scharinger pocht laut FORMAT darauf, daß der Salinen-Konzern zu keinem Zeitpunkt zu hohe Zinsen bezahlt habe. Scharinger: "Wir haben den Salinen 5,7 Prozent verrechnet. Ein zum damaliger Zeitpunkt marktkonformer Satz." Ein Teil des Obligos sei später sogar auf Schweizer Franken umgeschuldet worden, um günstiger zu finanzieren.

Pomberger, weist seinerseits den Verdacht psychischer Probleme von sich: "Mein einziges wirkliches Problem ist, daß ich mich 1997 mit diesen Herren in ein Boot gesetzt habe. Ich habe 14 Jahre hindurch nachweislich gute Arbeit geleistet, das haben sowohl der Rechnungshof als auch die Abschlußprüfer wiederholt festgestellt."

Pomberger beruft sich im Interview darauf, mit Androsch ursprünglich ein "sehr korrektes Verhältnis" gehabt zu haben. Zitat:
"Im Spätherbst des vergangenen Jahres hat er meine Leistungen vor versammelter Belegschaft noch gewürdigt. Seinen Sinneswandel kann ich mir nur so erklären, daß er nicht akzeptieren wollte, daß ich für nicht erbrachte Leistungen keine Rechnungen begleichen wollte."

Bereits am 4. Oktober werden sich die Kontrahenten laut FORMAT vor dem Kadi gegenüberstehen. In einer arbeitsrechtlichen Auseinandersetzung soll geklärt werden, ob die Suspendierung und Entlassung Pombergers im Frühjahr 1999 tatsächlich rechtens war. Pomberger fordert laut FORMAT insgesamt 182 Millionen Schilling -hauptsächlich Gehalts-, Abfertigungs- und Pensionsansprüche sowie einen zumindest fünfprozentigen Anteil an der ÖSAG.

Die Gegenseite fährt vorsorglich schwere Geschütze auf. Zitat aus einer FORMAT vorliegenden Klagebeantwortung der Linzer Advokatur Wildmoser&Wildmoser vom 20. Juli im Namen von Androsch und Scharinger: "Herr Dr. Pomberger war aufgrund seiner ungelösten familiären Probleme, die im übrigen auch Gegenstand der öffentlichen Diskussion in der Region waren, nicht mehr in der Lage, seine Pflichten und Verantwortungen - wahrzunehmen."

Dem Industriellen Androsch ist das laut FORMAT nicht genug. Gestützt auf ein Gutachten der Wirtschaftsprüfungskanzlei GRT Price Waterhouse soll Pomberger für 1998 entstandene Verluste aus "verbotenen" Termingeschäften in der Höhe von 8,2 Millionen Schilling belangt werden. Androsch: "Das Geld wollen wir zurück." Zudem will der ehemalige Finanzminister Pomberger für seine Aussaggen zur Rechenschaft ziehen. Androsch: "Für die haltlosen Unterstellungen hänge ich dem Pomberger eine saftige Kreditschädigungsklage an."

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