GBH präsentiert Arbeitszeitmodelle für die Holz verarbeitende Industrie

Rahmenkollektivvertrag ermöglicht auch der Skiindustrie flexible Arbeitszeitregelungen

Wien (GBH/ÖGB). "Die Gewerkschaft Bau-Holz (GBH) ist stets offensiv an die Fragen der Arbeitszeitgestaltung herangetreten. Der vorliegende Kollektivvertrag für die Holz verarbeitende Industrie Österreichs ist ein Beweis dafür, dass es uns gelungen ist, den Schutzcharakter des Arbeitszeitrechts zu erhalten und dabei den sachlichen Erfordernissen der Wirtschaft Rechnung zu tragen”, erklärte Johann Driemer, ÖGB-Vizepräsident und Bundesvorsitzender der GBH, anlässlich der Buchpräsentation über die "Arbeistzeitregelungen in der Holz verarbeitenden Industrie”.++++

Die Holz verarbeitende Industrie Österreichs, dazu gehört auch die Skiindustrie, ist mit 20.000 Arbeitern und 6.000 Angestellten, die in rund 400 Betrieben beschäftigt sind, ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Der Kollektivvertrag für die Holz verarbeitende Industrie Österreichs regelt die Arbeitsbedingungen für die Arbeiter und Lehrlinge dieser Branche.

Ein Kommentar kommt aus der Praxis für die Praxis

Mit diesem Kommentar für die Praxis von Dr. Stefan Mann, Mag. Rainer Grießl und Mag Herbert Aufner, möchte die Gewerkschaft Bau-Holz Möglichkeiten, Chancen und Risken flexibler Arbeitszeitregelungen innerhalb der Holz verarbeitenden Industrie aufzeigen und Informationen für innerbetriebliche Verhandlungen bieten. Thema dieses Kommentars ist die Neugestaltung der Arbeitszeit im Bereich der Holz verarbeitenden Industrie. In den ersten Kapiteln werden die Regelungen des Kollektivvertrages für die Holz verarbeitende Industrie, die sich mit der Arbeitszeitgestaltung befassen, vorgestellt. Soweit vorhanden, werden die einschlägige Judikatur und die Lehrmeinungen dazu aufgezeigt. Der Aufbau dieses Kommentars orientiert sich an den Bedürfnissen der Praxis. Die angeführten Beispiele sollen zur Verständlichkeit und Nachvollziehbarkeit beitragen.

Den Veränderungen der Arbeitswelt stellen

Aus Arbeitnehmersicht ist es wichtig, sich den Veränderungen in der Arbeitswelt zu stellen, ohne sich gegenseitig auszuspielen oder unter Druck setzen zu lassen. Unabhängig von der persönlichen Beurteilung dieser Veränderungen wird man sich damit auseinander zu setzen haben. Bei einer "Verdrängung” der Problematik würden die Arbeitnehmerinteressen auf jeden Fall auf der Strecke bleiben.
Der Autor und Rechtsexperte der GBH, Dr. Stefan Mann, betonte: "Lohn-und sozialrechtliche Ansprüche müssen gewahrt und Bereiche wie Gesundheit, Partnerschaft, Familie und soziales Umfeld berücksichtigt werden. Trotz geänderter Rahmenbedingungen darf die Gestaltung der Arbeitszeit nicht einseitig zum Vorteil der Arbeitgeberseite erfolgen.”
Gesellschaftliche Veränderungen bedeuten, dass es Gewinner und Verlierer gibt. Für die Arbeitnehmer geht es aber nicht nur um eine quantitative Ausweitung der Beschäftigung, sondern vor allem um die Qualität der Arbeitsplätze. Eine Flexibilisierung der Arbeitswelt darf nicht zu Lasten der Arbeitnehmer gehen. Die soziale Absicherung muss im Vordergrund stehen und darf nicht durch neue Arbeitszeitmodelle unterlaufen werden. Die von vielen Arbeitnehmern und ihren Familien gewünschte Flexibilisierung der Arbeitszeit darf nicht in eine kapazitätsorientierte Arbeitsgestaltung umfunktioniert werden.
Arbeitszeitverkürzung als Teil eines neuen Gesellschaftsvertrages ist dabei eine wichtige Forderung aus Arbeitnehmersicht. Der zweite wesentliche Punkt ist, dass Arbeit nicht krank machen darf. Stress, psychosomatische Erkrankungen, Belastungen durch übermäßige körperliche Beanspruchung müssen hintangehalten werden; die Mitbestimmung in der Arbeitswelt muss ausgebaut werden.
"Die meisten von uns verbringen einen Großteil ihres Lebens an ihrem Arbeitsplatz. Die Arbeitsbedingungen sind daher sowohl für die einzelnen Arbeitnehmer als auch für die Gewerkschaft ein wichtiges Anliegen”, hob der Sozial- und Wirtschaftspolitische Leiter der GBH, Mag. Herbert Aufner, hervor.

Neue Arbeitszeitregelungen gemeinsam mit Gewerkschaften, Arbeitnehmern, Betriebsräten und Arbeitgebern

Die Arbeitszeiten in den Betrieben müssen so festgelegt werden, dass sie den Lebensgewohnheiten der Arbeitnehmer entsprechen und eine gewisse Vorausplanbarkeit sichern; das heißt, die Arbeitgeber dürfen in ihren Betrieben die Arbeitszeiten nicht kurzfristig einseitig verändern. Zeitausgleichstunden aus flexiblen Arbeitszeitmodellen müssen mit entsprechenden Zuschlägen in Form von Geld oder in Freizeitausgleich abgegolten werden.
Der Jurist Mag. Rainer Grießl unterstreicht die Notwendigkeit des Kollektivvertrages: "Arbeitnehmer, Betriebsräte und Gewerkschaften werden immer mehr mit den Forderungen nach Arbeitszeitflexibilisierung konfrontiert. Manche Unternehmer fordern seit langem Arbeitszeitflexibilisierung auf Betriebsebene, ohne Schutz durch den Kollektivvertrag.”

Ein wesentliches Kriterium bei der Diskussion um die Arbeitszeitflexibilisierung ist für die Gewerkschaft Bau-Holz, dass die Schutzfunktion des Arbeitszeitrechts wie Arbeitsplatzsicherung, Zeitsouveränität, Bildungschancen und Freizeitgestaltung aufrecht erhalten bleibt und ein vernünftiger Interessensausgleich gefunden wird.
Driemer betonte abschliessend, "dass in engem Zusammenhang mit Fragen der Arbeitszeit und der Zukunft der Arbeitswelt auch Fragen nach der Verteilung der erwirtschafteten Gewinne und der Verteilung des Lebenseinkommens stehen. Die neue Verteilung der Arbeit muss offen und sozialpartnerschaftlich diskutiert, gerechte Lösungen müssen gefunden werden, wie wir es mit dem Fachverband der Holz verarbeitenden Industrie vorexerziert haben.”

ÖGB, 14. September 1999 Nr. 425

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