Vranitzky tadelt den bisherigen Wahlkampf der Regierungsparteien "wechselseitige Kritik überzogen." - Rat für Kurswechsel: "Mehr auf Zukunftsthemen eingehen, die

auch gemeinsam erledigbar sind." - Scharfe Absage an Prinzhorn "Chimäre. Nicht Politik." Vorausmeldung NEWS 36/9.9.1999

Wien (OTS) - In einem in der morgigen Ausgabe von NEWS veröffentlichten Interview übt Ex-Kanzler Franz Vranitzky Kritik am bisherigen Wahlkampf der beiden Regierungsparteien "Einerseits betonen alle, man wolle sich auf keine Koalitionsspekulationen einlassen und ausschließlich um ein gutes Wahlergebnis für sich selbst kämpfen. Andererseits lassen sie sich immer wieder dazu verleiten, von inhaltlichen Themen abzugehen und doch auf Koalitionsspekulationen einzugehen. Als jemand, dessen Herz der Sozialdemokratie und dessen Sympathie der Regierung gilt, würde ich bei allem Verständnis für einen wahlkampfmäßig nötigen Wetteifer dazu raten, mit diesem gegenseitigen Aufeinandereinschlagen aufzuhören und einen Sockel überzulassen, um nach den Wahlen wieder zusammenarbeiten zu können."

Die beiden Regierungsparteien hätten "die wechselseitige Kritik überzogen, auch aus dem Blickpunkt eines scharfen Wahlkampfes heraus. Vor allem haben es beide Regierungsparteien verabsäumt, ihre durchaus herzeigbare Bilanz positiv zu erkaufen und auf die Zukunftsthemen einzugehen, die bei allen Unterschieden auch gemeinsam erledigbar sind."

Das bedeute keineswegs, daß er die Warnung vor einer schwarz-blauen Regierung für prinzipiell falsch halte: "Überhaupt nicht, aber man sollte auch mit eigenen Themen punkten. Natürlich ist seit meiner Amtszeit der mögliche Schaden nicht kleiner geworden, den eine freiheitliche Regierungsbeteiligung hervorrufen würde. Ich gebe meiner Partei voll Recht, die das einheitlich so sieht. Ich sehe aber auch genug in der ÖVP, die Haider genauso einschätzen."

Auch Parteichef Schüssel gehöre dazu: "Er hat sich zumindest mit Sympathiebezeugungen für die FPÖ zurückgehalten, zum Unterschied von anderen in seiner Partei.

Vranitzky über die FPÖ: "Haider ist notorisch bekannt dafür, auch in Österreich besonders wesentlichen Fragen seine Position dauernd und opportunistisch zu wechseln. Beispiel EU-Frage, Euro, Verstaatlichte Industrie: Früher hat er dort dauernd fürs Zusperren plädiert, jetzt rennt er herum und bezichtigt uns der sozialen Demontage. Dazu halte ich etwa die jetzigen FPÖ-Plakate in Wien, die neuerlich mit den Ängsten vieler vor einer ohnehin geregelten Zuwanderung spielen, für besonders unmoralisch." International wäre der Stellenwert Österreichs in der EU und in der ganzen Welt schlagartig verändert. Diese Kritik betreffe auch den neuen FPÖ-Spitzenkandidaten Prinzhorn: "Der ist für Haider eine absolute Verlegenheitslösung und hat seine politische Substanz schon demonstriert: Rein in die ÖVP, raus aus der ÖVP, rein in die FPÖ, raus aus der FPÖ, jetzt mit einem Schlag Spitzenkandidat. Das ist Chimäre, nicht Politik. Prinzhorn liebt offenbar nicht nur alle Frauen, wie er einmal gesagt hat."

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