- 08.09.1999, 14:08:20
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Vranitzky tadelt den bisherigen Wahlkampf der Regierungsparteien "wechselseitige Kritik überzogen." - Rat für Kurswechsel: "Mehr auf Zukunftsthemen eingehen, die
auch gemeinsam erledigbar sind." - Scharfe Absage an Prinzhorn "Chimäre. Nicht Politik." Vorausmeldung NEWS 36/9.9.1999
Wien (OTS) - In einem in der morgigen Ausgabe von NEWS
veröffentlichten Interview übt Ex-Kanzler Franz Vranitzky Kritik am
bisherigen Wahlkampf der beiden Regierungsparteien "Einerseits
betonen alle, man wolle sich auf keine Koalitionsspekulationen
einlassen und ausschließlich um ein gutes Wahlergebnis für sich
selbst kämpfen. Andererseits lassen sie sich immer wieder dazu
verleiten, von inhaltlichen Themen abzugehen und doch auf
Koalitionsspekulationen einzugehen. Als jemand, dessen Herz der
Sozialdemokratie und dessen Sympathie der Regierung gilt, würde ich
bei allem Verständnis für einen wahlkampfmäßig nötigen Wetteifer dazu
raten, mit diesem gegenseitigen Aufeinandereinschlagen aufzuhören und
einen Sockel überzulassen, um nach den Wahlen wieder zusammenarbeiten
zu können."
Die beiden Regierungsparteien hätten "die wechselseitige Kritik
überzogen, auch aus dem Blickpunkt eines scharfen Wahlkampfes heraus.
Vor allem haben es beide Regierungsparteien verabsäumt, ihre durchaus
herzeigbare Bilanz positiv zu erkaufen und auf die Zukunftsthemen
einzugehen, die bei allen Unterschieden auch gemeinsam erledigbar
sind."
Das bedeute keineswegs, daß er die Warnung vor einer
schwarz-blauen Regierung für prinzipiell falsch halte: "Überhaupt
nicht, aber man sollte auch mit eigenen Themen punkten. Natürlich ist
seit meiner Amtszeit der mögliche Schaden nicht kleiner geworden, den
eine freiheitliche Regierungsbeteiligung hervorrufen würde. Ich gebe
meiner Partei voll Recht, die das einheitlich so sieht. Ich sehe aber
auch genug in der ÖVP, die Haider genauso einschätzen."
Auch Parteichef Schüssel gehöre dazu: "Er hat sich zumindest mit
Sympathiebezeugungen für die FPÖ zurückgehalten, zum Unterschied von
anderen in seiner Partei.
Vranitzky über die FPÖ: "Haider ist notorisch bekannt dafür, auch
in Österreich besonders wesentlichen Fragen seine Position dauernd
und opportunistisch zu wechseln. Beispiel EU-Frage, Euro,
Verstaatlichte Industrie: Früher hat er dort dauernd fürs Zusperren
plädiert, jetzt rennt er herum und bezichtigt uns der sozialen
Demontage. Dazu halte ich etwa die jetzigen FPÖ-Plakate in Wien, die
neuerlich mit den Ängsten vieler vor einer ohnehin geregelten
Zuwanderung spielen, für besonders unmoralisch." International wäre
der Stellenwert Österreichs in der EU und in der ganzen Welt
schlagartig verändert. Diese Kritik betreffe auch den neuen
FPÖ-Spitzenkandidaten Prinzhorn: "Der ist für Haider eine absolute
Verlegenheitslösung und hat seine politische Substanz schon
demonstriert: Rein in die ÖVP, raus aus der ÖVP, rein in die FPÖ,
raus aus der FPÖ, jetzt mit einem Schlag Spitzenkandidat. Das ist
Chimäre, nicht Politik. Prinzhorn liebt offenbar nicht nur alle
Frauen, wie er einmal gesagt hat."
Rückfragehinweis: Sekretariat NEWS Chefredaktion
Tel.: 01/213 12/103
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