ORF-Journalisten wehren sich "Drohungen" der FPÖ

Redakteursrat deckt in Briefen Interventionen von FPÖ-Generalsekretär Peter Westenthaler und Kanzlersprecher Josef Kalina auf

Wien (OTS) - Nach der Aufregung um die zensurierte ZIB-1-Sendung
zur Euroteam-Affäre, geht die Debatte um politische Interventionen im ORF weiter. Das am Montag erscheinende Nachrichtenmagazin FORMAT zitiert in seiner jüngsten Ausgabe aus einem internen Briefwechsel des Redakteursrat des ORF-Radio, in denen Interventionen von FPÖ-Generalsekretär Peter Westenthaler und Kanzlersprecher Josef Kalina angeprangert werden. In einem Schreiben des ORF-Redakteursrates vom 20. Juli 1999 an ORF-Generalintendant Gerhard Weis heißt es: "Kein Politiker bedrängt den ORF aufdringlicher und uneinsichtiger mit 'Programmwünschen als FPÖ-Generalsekretär Ing. Westenthaler". Und weiter: "Seit kurzem bringt Herr W. (Westenthaler, Anm.) seine Begehrlichkeiten nun aber sogar in noch gesteigerter und in für die betroffenen Kollegen endgültig unerträglicher Unverschämtheit vor."

Auch der Ablauf von Interventionen durch Westenthaler werden in den Schreiben an Weis geschildert: "Herr W. geht davon aus, es bestünde ein Anspruch, daß in den Ö1- und Ö3-Journalen über jede Bundespressekonferenz (darunter versteht er jede Pressekonferenz jedes FPÖ-Bundespolitikers) berichtet werde. Argumente versteht er nicht." Empört schließen die Redakteursvertreter ihr Schreiben an Weis: "Wie Sie wissen, besteht unter den ORF-Journalisten Übereinstimmung, Herrn Ws. gerichtlich bescheinigte 'wenig niveauvolle Unbeherrschtheit' weitgehend zu ignorieren, seine Selbstüberschätzungen als genauso lächerlich zu empfinden wie sie sind. Wenn die peinliche Lächerlichkeit aber in konkrete Drohungen umschlägt, hört sich das Auslachen auf." Generalintendant Weis bittet die ORF-Journalisten in seinem Antwortbrief künftig jede Intervention "schriftlich festzuhalten und mir zu geben."

Auch Josef Kalina, der Sprecher von Kanzlers Viktor Klima, ist ins Visier des ORF-Redakteursrates geraten. Kalina hatte sich, so die ORF-Journalisten, nach einem Radio-Interview mit Klima lautstark über die Berichterstattung beschwert. Es ging darum, warum der SPÖ-nahe Botschafter Wolfgang Petritsch zum Bosnien-Beauftragten gemacht wurde, Ex-VP-Vizekanzler Erhard Busek aber als Kandidat für den Balkankoordinator der EU durchgefallen war. Die Fragen dürften Kalina nicht gefallen haben, denn der ORF-Redakteursrat schrieb am 30. Juni an den Kanzlersprecher: "Wir müssen Ihnen mitteilen, daß Ihr Verhalten am Telefon gestern früh von allen im Studio anwesenden Kollegen als absolut inakzeptabel empfunden wurde. Völliges Unverständnis erweckte, daß Sie auch durch mehrfache überaus höfliche Hinweise, die Zeit zur Fertigstellung des Beitrages schmelze dramatisch dahin, nicht davon abzubringen waren, Ihre wahrlich entbehrlichen Ansichten geradezu gebetsmühlenartig zu wiederholen." Kalina, auch ORF-Kurator, konterte ebenfalls schriftlich: "Ich finde Ihren Brief doch ziemlich angerührt. Kein Satz des Bundeskanzlers über den österreichischen Erfolg wurde zitiert oder im Originalton gesendet. Der Klima-Originalton befaßte sich ausschließlich mit der Rechfertigung, warum Busek nicht nominiert wurde."

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