- 01.08.1999, 08:00:07
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ORF-Journalisten wehren sich "Drohungen" der FPÖ
Redakteursrat deckt in Briefen Interventionen von FPÖ-Generalsekretär Peter Westenthaler und Kanzlersprecher Josef Kalina auf
Wien (OTS) - Nach der Aufregung um die zensurierte ZIB-1-Sendung
zur Euroteam-Affäre, geht die Debatte um politische Interventionen im
ORF weiter. Das am Montag erscheinende Nachrichtenmagazin FORMAT
zitiert in seiner jüngsten Ausgabe aus einem internen Briefwechsel
des Redakteursrat des ORF-Radio, in denen Interventionen von
FPÖ-Generalsekretär Peter Westenthaler und Kanzlersprecher Josef
Kalina angeprangert werden. In einem Schreiben des
ORF-Redakteursrates vom 20. Juli 1999 an ORF-Generalintendant Gerhard
Weis heißt es: "Kein Politiker bedrängt den ORF aufdringlicher und
uneinsichtiger mit 'Programmwünschen als FPÖ-Generalsekretär Ing.
Westenthaler". Und weiter: "Seit kurzem bringt Herr W. (Westenthaler,
Anm.) seine Begehrlichkeiten nun aber sogar in noch gesteigerter und
in für die betroffenen Kollegen endgültig unerträglicher
Unverschämtheit vor."
Auch der Ablauf von Interventionen durch Westenthaler werden in
den Schreiben an Weis geschildert: "Herr W. geht davon aus, es
bestünde ein Anspruch, daß in den Ö1- und Ö3-Journalen über jede
Bundespressekonferenz (darunter versteht er jede Pressekonferenz
jedes FPÖ-Bundespolitikers) berichtet werde. Argumente versteht er
nicht." Empört schließen die Redakteursvertreter ihr Schreiben an
Weis: "Wie Sie wissen, besteht unter den ORF-Journalisten
Übereinstimmung, Herrn Ws. gerichtlich bescheinigte 'wenig
niveauvolle Unbeherrschtheit' weitgehend zu ignorieren, seine
Selbstüberschätzungen als genauso lächerlich zu empfinden wie sie
sind. Wenn die peinliche Lächerlichkeit aber in konkrete Drohungen
umschlägt, hört sich das Auslachen auf." Generalintendant Weis bittet
die ORF-Journalisten in seinem Antwortbrief künftig jede Intervention
"schriftlich festzuhalten und mir zu geben."
Auch Josef Kalina, der Sprecher von Kanzlers Viktor Klima, ist ins
Visier des ORF-Redakteursrates geraten. Kalina hatte sich, so die
ORF-Journalisten, nach einem Radio-Interview mit Klima lautstark über
die Berichterstattung beschwert. Es ging darum, warum der SPÖ-nahe
Botschafter Wolfgang Petritsch zum Bosnien-Beauftragten gemacht
wurde, Ex-VP-Vizekanzler Erhard Busek aber als Kandidat für den
Balkankoordinator der EU durchgefallen war. Die Fragen dürften Kalina
nicht gefallen haben, denn der ORF-Redakteursrat schrieb am 30. Juni
an den Kanzlersprecher: "Wir müssen Ihnen mitteilen, daß Ihr
Verhalten am Telefon gestern früh von allen im Studio anwesenden
Kollegen als absolut inakzeptabel empfunden wurde. Völliges
Unverständnis erweckte, daß Sie auch durch mehrfache überaus höfliche
Hinweise, die Zeit zur Fertigstellung des Beitrages schmelze
dramatisch dahin, nicht davon abzubringen waren, Ihre wahrlich
entbehrlichen Ansichten geradezu gebetsmühlenartig zu wiederholen."
Kalina, auch ORF-Kurator, konterte ebenfalls schriftlich: "Ich finde
Ihren Brief doch ziemlich angerührt. Kein Satz des Bundeskanzlers
über den österreichischen Erfolg wurde zitiert oder im Originalton
gesendet. Der Klima-Originalton befaßte sich ausschließlich mit der
Rechfertigung, warum Busek nicht nominiert wurde."
Rückfragehinweis: FORMAT Klaus Zellhofer 0676 416 07 13
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