Die österreichische Zahlungsbilanz im 1. Quartal 1999

Wien (OTS) - Im 1. Quartal 1999 zeigte die Leistungsbilanz
(da die monatlichen Cashbilanzen Zahlungsströme messen, ist die Summe der bereits publizierten Monate Jänner bis März 1999 nicht mit der nunmehr vorliegenden periodenrichtigen Transaktions-
bilanz für das 1. Quartal 1999 vergleichbar. Die Quartalsdaten,
die mit einer Zeitverzögerung von 3 Monaten publiziert werden, bieten die Grundlage für eine detailliertere und verbesserte Einschätzung der Zahlungsbilanzsituation Österreichs.) auf Transaktionsbasis ein Defizit von etwa 1/2 Mrd Euro (7,3 Mrd S), während sie im 1. Quartal 1998 so gut wie ausgeglichen
geschlossen hatte. Zu diesem Resultat trugen sowohl die Entwicklungen im Außenhandelsbereich als auch in der Teilbilanz Einkommen bei: Das Defizit der Gütertransaktionen erhöhte sich
um 0,83 Mrd Euro auf 2,07 Mrd Euro, jenes der Einkommen um
0,48 Mio Euro auf 0,63 Mrd Euro. Der Überschuß der Dienstleistungsbilanz erhöhte sich dagegen um 0,68 Mrd Euro auf 2,65 Mrd Euro.

Die Erhöhung des Defizits der Güter im 1. Quartal 1999 im Vergleich zum entsprechenden Vorjahresquartal resultierte aus
einem Anstieg der Güterimporte um 9 % bei einer gleichzeitigen Erhöhung der Güterexporte um knapp 4 %. Im Gegensatz zur Monatsbilanz werden in der Quartalsbilanz die Außenhandelsdaten
des Österreichischen Statistischen Zentralamts (ÖSTAT) als Ausgangspunkt für die Errechnung der Güter verwendet. Die Differenz zwischen den Gütern und Warenzahlungen wird als "Nicht aufteilbare Leistungen" unter den Dienstleistungen ausgewiesen. Gemäß internationalen Konventionen wird sowohl der Güterexport als auch der Güterimport ohne Transport- und Versicherungs-komponente dargestellt.

Der Überschuß der Dienstleistungen erhöhte sich im 1. Quartal 1999 um 0,68 Mrd Euro auf 2,65 Mrd Euro. Der stärkste positive Effekt ging von der Teilbilanz Nicht aufteilbare Leistungen aus. Dies spiegelt die Tatsache wider, daß nach derzeitigem
Wissensstand bei dem von der OeNB erhobenen Aggregat
Warenzahlungen die Verschlechterung des Defizits im Außenhandel gedämpfter ausfällt als gemäß den Daten des ÖSTAT. Hier könnten noch Effekte von sogenannten leads and lags enthalten sein.
Ebenso waren Verbesserungstendenzen bei den Finanzdienst-
leistungen sowie dem Reiseverkehr zu beobachten. Der Einnahmenüberschuß aus dem Reiseverkehr erhöhte sich um
0,09 Mrd Euro auf 1,59 Mrd Euro.

Das Defizit aus der Teilbilanz Einkommen war im 1. Quartal
1999 mit 0,63 Mrd Euro um 0,48 Mrd Euro höher als im 1. Quartal 1998. Die Verschlechterung der Einkommen spiegelt zu einem
großen Teil den erhöhten Auslandsabsatz inländischer Wertpapiere im Jahr 1998 wider. In der Quartalsbilanz werden die Erträge aus Vermögenseinkommen zum Zeitpunkt des Entstehens und nicht - wie
bei den monatlichen Cash-Zahlungsbilanzen - zum Zeitpunkt der tatsächlichen Zahlung verbucht. Zusätzlich sind die
reinvestierten Gewinne erfaßt.

Der Abgang unter dem Titel laufende Transfers betrug im
1. Quartal 1999 0,49 Mrd Euro gegenüber 0,57 Mrd Euro im
1. Vierteljahr 1998.

Die Vermögensübertragungen schlossen im Berichtsquartal mit einem Abgang von 0,06 Mrd Euro, während sie im 1. Quartal 1998 ausgeglichen geschlossen hatten.

Die Transaktionen Österreichs mit der EU sind zum Teil in den laufenden Transfers und zum Teil in den Vermögensübertragungen enthalten. Insgesamt beliefen sich die Rückflüsse aus der EU im 1. Quartal 1999 sowie im Vergleichsquartal 1998 auf
0,45 Mrd Euro, die Beiträge Österreichs auf 0,77 Mrd Euro.

Die Kapitalbilanz zeigte im 1. Quartal 1999 einen Netto-kapitalimport in Höhe von 1,10 Mrd Euro (15,1 Mrd S) gegenüber 0,67 Mrd Euro (9,2 Mrd S) in der Vergleichsperiode 1998. Die Kapitalbilanz wurde im wesentlichen durch die Entwicklung im
Bereich der Portfolioinvestitionen sowie der offiziellen Währungsreserven geprägt.

In der Berichtsperiode erwarben Österreicher mehr
ausländische Wertpapiere als Ausländer inländische Papiere, was zu einem Nettokapitalexport von 1,08 Mrd Euro führte. Im
1. Quartal 1998 war es zu einem Nettokapitalimport im Ausmaß von 0,60 Mrd Euro gekommen, da Österreich per saldo mehr inländische Wertpapiere abgesetzt hatte als es in ausländische Wertpapiere investierte.

Die Schwerpunkte der Portfolioinvestitionen im 1. Quartal
1999 zeigten folgendes: Die Käufe von ausländischen Wertpapieren durch österreichische Investoren (vor allem Investmentfonds)
waren mit 7,62 Mrd Euro die höchsten je in einem Quartal verzeichneten (1. Quartal 1998: 3,90 Mrd Euro). Es wurden um
6,11 Mrd Euro festverzinsliche Wertpapiere und um 1,51 Mrd Euro Anteilspapiere angekauft. Die festverzinslichen Wertpapiere
stammten hiebei zu 80 % aus der EU.

Ausländer kauften österreichische Wertpapiere (vor allem Emissionen des Bundes) um 6,54 Mrd Euro gegenüber 4,49 Mrd Euro.

Die Direktinvestitionen des Auslandes in Österreich beliefen sich im 1. Quartal 1999 auf netto 1,01 Mrd Euro gegenüber
0,91 Mrd Euro im entsprechenden Vergleichsquartal 1998. Die Investitionen Österreichs im Ausland nahmen netto um
0,07 Mrd Euro auf 0,69 Mrd Euro zu. Die Direktinvestitionen
gemäß Quartalsbilanz enthalten bereits erste Hochrechnungen der reinvestierten Gewinne ebenso wie die Kreditbeziehungen zwischen verbundenen Unternehmen.

Die sonstigen Investitionen schlossen im Berichtsquartal mit einem Nettokapitalimport in Höhe von insgesamt 0,18 Mrd Euro gegenüber 0,12 Mrd Euro.

Seit Jahresbeginn 1999 werden - gemäß der neuen im Eurosystem einheitlichen Abgrenzung - unter der Position "offizielle Währungsreserven" neben dem Goldbestand und der IWF-Position nur mehr jene Forderungen in Fremdwährung ausgewiesen, die die OeNB gegenüber Gebietsansässigen außerhalb des Euro-Währungsgebietes hält. Alle anderen grenzüberschreitenden Forderungen und Verpflichtungen der OeNB sind den entsprechenden Finanzierungs-instrumenten zugeordnet.

Im 1. Quartal 1999 verminderten sich die offiziellen Währungsreserven transaktionsbedingt um 1,81 Mrd Euro, während
sie sich im 1. Quartal 1998 um rd. 0,46 Mrd Euro erhöht hatten.
Die Transaktionen im Berichtsquartal enthalten die vertrags- und vereinbarungsgemäße Übertragung von Währungsreserven an die EZB. Dagegen steht eine Euroforderung im Ausmaß von 1,2 Mrd Euro
(rd. 16,2 Mrd S), die in der Position "Sonstige Investitionen" erfaßt ist.

Quartalsweise Transaktionenbilanz

1. Quartal
1998 1999
Credit Debet Netto Credit Debet Netto
in Mrd Euro

LEISTUNGSBILANZ ...... 24,72 24,72 0,01 24,21 24,74 -0,53 Güter,Dienstleistungen
und Einkommen ........ 23,92 23,34 0,58 23,43 23,48 -0,05 Güter u.Dienstleist. . 21,61 20,88 0,73 21,07 20,48 0,58

Güter ............. 13,64 14,88 -1,24 14,14 16,21 -2,07 Dienstleistungen .. 7,97 6,00 1,97 6,92 4,27 2,65 davon:
Transport ........ 0,98 0,68 0,30 0,91 0,58 0,33 Reiseverkehr ..... 3,18 1,68 1,50 3,19 1,60 1,59 Bauleistungen .... 0,17 0,10 0,08 0,09 0,05 0,05 Finanzdienstleist. 0,16 0,18 -0,02 0,23 0,11 0,13 Patente u.Lizenzen 0,02 0,22 -0,20 0,03 0,19 -0,16 Sonst.unternehmens-
bez.Dienstleist. . 1,27 0,89 0,38 1,00 0,90 0,10 Regierungsleist. . 0,14 0,04 0,11 0,10 0,02 0,08 Nicht aufteilbare
Leistungen ....... 1,69 1,80 -0,11 0,97 0,41 0,56 Einkommen ......... 2,31 2,47 -0,15 2,36 2,99 -0,63 Laufende Transfers 0,80 1,37 -0,57 0,78 1,26 -0,49 VERMÖGENSÜBERTRAGUNGEN
UND KAPITALBILANZ .... 0,66 1,04 Vermögensübertragungen 0,10 0,11 -0,01 0,09 0,16 -0,06 Kapitalbilanz ........ 0,67 1,10

Direktinvestitionen 0,29 0,32
im Ausland ...... 0,70 1,31 -0,62 0,13 0,82 -0,69
in Österreich ... 1,02 0,11 0,91 1,14 0,12 1,01 Portfolioinvest. .. 0,60 -1,08 ausl.Wertpapiere -3,90 -7,62 öst.Wertpapiere 4,49 6,54 Sonst.Investitionen 0,12 0,18 Forderungen ..... -4,83 -6,19 Verpflichtungen 4,95 6,37 Finanzderivate .... 0,11 -0,12 Forderungen ..... 0,08 -0,17 Verpflichtungen 0,04 0,04 Offiz.Währungsres 1) -0,46 1,81

Statistische Differenz -0,67 -0,50

1) Zunahme: -; Abnahme:+.
Rundungen können Rechnungsdifferenzen ergeben

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