Utl: Vorausmeldung zu NEWS Nr. 27/8.7.1999

Wie das Nachrichtenmagazin NEWS in seiner morgen erscheinenden Ausgabe meldet, ist Walter Winkler nach seiner überraschenden Entlassung bereit, sich einem Lügendetektor-Test zu unterziehen. "Damit auch die letzten Zweifel an meiner Unschuld verstimmen", so Winkler im NEWS-Exclusiv-Interview.

Der 55jährige Schlosser, der dreieinhalb Monate im Landesgericht Wr. Neustadt in U-Haft saß, war am 18. März 1999 verhaftet worden. Er stand unter Verdacht, vor 26 Jahren die elfjährige Schülerin Gabriele Karpischek mit ihrem eigenen Schulbleistift ermordet zu haben.

Walter Winkler, der in der Haft 15 Kilo abgenommen hat, spricht erstmals ausführlich über die Umstände seiner Verhaftung und sein Leben hinter Gittern. Sein Leben, so Winkler, sei nun zerstört:
"Was am schlimmsten ist: Ich habe durch die Vorverurteilung in vielen Medien mein Gesicht, mein Ansehen verloren. Bis auf meine Frau, meinen Sohn und ein paar wenige Freunde haben mich fast alle als Mörder abgestempelt. Überall, wo ich hingehe, fühle ich mich beobachtet. Finanziell muß ich mit meinen 56 Jahren jetzt noch einmal einen Neuanfang machen. Ich habe Angst, nie mehr wieder einen Job zu bekommen. Manche werden mich nämlich mein Leben lang als Mörder sehen. Ich möchte daher meinerseits allen, die an meiner Unschuld zweifeln, einen Vorschlag machen: Ich bin jederzeit bereit, mich einem Lügendetektor-Test zu stellen, wenn nötig auch vor laufender Kamera - um alle Zweifel auszuräumen." Winkler weiter: "Ich hätte mir nie gedacht, daß man in unsrem Rechtsstaat als Unschuldiger so schnell ins Gefängnis kommen kann. Die Beamten haben mich festgenommen und dann erst zu ermitteln begonnen. Ich persönlich habe nichts gegen die DNA-Methode, aber: Ich kann doch nicht einen Zuckerbäcker auf einen Rohbau schicken.

Winkler weiter zu NEWS: "Die Mithäftlinge hätten mich, den vermeintlichen Kindesmörder, am liebsten gelyncht. "Du Sau", "du Arschloch" waren da noch die harmlosesten Worte. Mit so einem Verdacht ist man in der Gcfängnishierarchie ganz unten. Ich habe keine Zukunft mehr. Ich habe keine Krankenversicherung mehr. Keinen Job. Meine Wohnung kann ich nicht mehr betreten, weil überall Journalisten lauern. Dazu kommt das Gerede der Nachbarn. Meine Frau mußte ihren Job aufgeben, weil ihr der öffentliche Druck zu groß geworden ist. Man hat einen ganz normalen Menschen aus seiner kleinen Welt gerissen. Alles zerstört und dann gesagt: "Schau, daß du weiterkommst, es war alles nur ein Irrtum."

Unterdessen fordern mehrere Politiker die Erhöhung der extrem niedrigen Haftentschädigung. SP-Justizsprecher Jarolim meint: "Die Haftentschädigung gehört erhöht, Menschen, die unschuldig in Haft sitzen, verlieren oft ihre ganze Existenz." Anwalt Michael Graff fordert im NEWS-Interview eine "Verzehnfachung" der derzeit üblichen Entschädigung. Seine Forderung: "Richter müssen die Freiheit des Menschen ernster nehmen und großzügiger urteilen."

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