• 14.06.1999, 10:32:44
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  • OTS0343

Görg: Wiener Geschäftsstraßen konnten ihre Umsätze halten=

Wien, (OTS) Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz von
Vizebürgermeister Dr. Bernhard Görg und dem Präsident der Wiener
Wirtschaftskammer, Walter Nettig, wurde am Montag die Studie
"Kaufkraftströme Wien 1998" präsentiert.

Die Wiener Geschäftsstraßen konnten ihren Umsatz im Zeitraum
zwischen 1990 und 1998 insgesamt halten, freute sich
Vizebürgermeister Görg. Insgesamt betrug die einzelhandels-
relevante Kaufkraft der Wiener Bevölkerung im Jahr 1998 rund 129
Mrd. Schilling, wovon 107 Mrd. Schilling in Wien gebunden wurden,
so Vizebürgermeister Görg. Erfreulich ist auch, daß die
Kaufkraftbilanz mit Niederösterreich ausgeglichen ist, und 70
Prozent des niederösterreichischen Kaufkraftzuflusses direkt aus
dem Wiener Umland kommt, so der Vizebürgermeister. Positiv sei
auch, so Görg, daß die Wiener Geschäftsstraßen besonders im
Bekleidungsbereich punkten konnten.

Trotz dieser erfreulichen Ergebnisse sei aber Engagement und
Teamarbeit gefordert, sagte Vizebürgermeister Görg. Die Studie
zeige auch, daß besonders in der Bedarfsgruppe Wohnungseinrichtung
die Kaufkraftzuwächse Wiens in den letzten Jahren in immer
stärkerem Ausmaß von den Fachmärkten in den Streulagen absorbiert
werden. Um den Kaufkraft-Abfluß in das Wiener Umland und nach
Niederösterreich künftig einzudämmen oder auch langfristig gesehen
zu verringern, so Görg, müsse die Kooperation in der Ostregion
verstärkt werden. Der Vizebürgermeister könne sich beispielsweise
einen restriktiveren Umgang bei der Planung von neuen Einkaufs-
und Fachmarktzentren vorstellen. Weiters sagte Görg, daß Neu-
Ansiedlungen künftig hauptsächlich in den niederösterreichischen
Entwicklungsschwerpunkten, und keinesfalls in den immer
bedeutender werdenden gemeinsamen Erholungsräumen in Wien/Umland
vorgenommen werden sollten. Eine Überprüfung der Widmungsreserven
sei notwendig, so der Vizebürgermeister und zuständige
Planungsstadtrat.

Laut Görg gebe es bereits erste positive Ansätze im
niederösterreichischen Entwurf zu einer Raumordnungsnovelle, in
der eine neue Flächenwidmungskategorie "Betriebsgebiet bzw.
Kerngebiet" mit der Zusatzbezeichnung "Einkaufszentren oder
Fachmarktzentren" zu finden ist und eine quadratmetermäßige
Beschränkung gefordert wird.

Die Rahmenbedingungen für die Wiener Geschäftsstraßen werden
aber auch durch weitere Gestaltungsaktivitäten im öffentlichen
Raum verbessert, erklärte der Vizebürgermeister. Dies beinhalte
Maßnahmen wie die Entflechtung von Verkehrsströmen, die Schaffung
von mehr Raum für Fußgänger, die Gewährleistung einer
ausreichenden Anzahl von Stellplätzen in Geschäftsstraßen und die
Verbesserung von Anbindungen des öffentlichen Verkehrs. All diese
Maßnahmen, gebündelt mit den Aktivitäten der Wiener
Wirtschaftskammer, werden eine weitere Attraktivierung der Wiener
Geschäftsstraßen erreichen, sagte Vizebürgermeister Görg
abschließend.

Hintergrundinformation zur Studie Kaufkraftströme Wien 1998

Zentrale Fragestellung der Studie waren die Verteilung der
Wiener Kaufkraft und die Zuflüsse aus dem Wiener Umland. Dazu
wurden im Oktober 1998 rund 4000 Wiener sowie 1000
niederösterreichische Haushalte telefonisch befragt. Inhalt der
Interviews waren Fragen nach den bevorzugten Geschäftstypen, dem
üblichen Einkaufsort und anderen wichtigen Zielen für den Kauf von
16 verschiedenen Warengruppen.

Da in einer Untersuchung der Wirtschaftskammer NÖ 1997 der
Kaufkraftabfluß aus Niederösterreich insgesamt geschätzt worden
war, wurde in der vorliegenden Studie auch die räumliche
Verteilung der Kaufkraft des Wiener Umlandes innerhalb Wiens
genauer untersucht.

Die Entwicklung der Kaufströme von 1990 bis 1998

Die einzelhandelsrelevante Kaufkraft der Wiener erreichte im
Jahr 1998 eine Größenordnung von insgesamt 129 Milliarden
Schilling. Davon wurden 107 Mrd. Schilling (rund 83%) in Wien
gebunden, rund 22 Mrd. Schilling (ca.17%) flossen aus Wien ab. 2,2
Mrd. Schilling gingen 1998 ins Ausland und ca. 4,4 Mrd. in andere
Vertriebsformen (Versand, Internet, Direktvertrieb etc....).

Die Wiener Kaufkraft hat im Vergleich zu 1990, dem Zeitpunkt
der zuletzt durchgeführten Kaufkraftströme-Untersuchung, um 27%
zugenommen. Real entspricht das einem Zuwachs von 9%, der jedoch
zu einem wesentlichen Teil auf die Bevölkerungszuwächse
zurückzuführen ist.

Der Zuwachs des Umsatzes aus Wiener Kaufkraft im gesamten
Wiener Einzelhandel wird für den Zeitraum 1990 bis 1998 auf 25%
geschätzt. Der Kaufkraftabfluß aus Wien hat sich infolge der
starken angebotsseitigen Entwicklungen im Wiener Umland, aber auch
infolge einer Zunahme der Einkäufe im benachbarten Ausland nach
dem EU-Beitritt und der Ostöffnung, mit 35% deutlich dynamischer
entwickelt.

Die Kaufkraftbilanz zwischen Wien und Niederösterreich ist
mit rund 14 Mrd. Schilling Kaufkraftabfluß aus Wien und einem
Kaufkraftzufluß nach Wien in einer Größenordnung von 12 - 14 Mrd.
Schilling relativ ausgewogen. Rund 70% dieses Kaufkraftzuflusses
(circa 9,5 Mrd. Schilling) kommt aus dem Wiener Umland. Der Grund
dafür: rund 27 % der Haushalte des Wiener Umlandes dürften durch
Beruf, Ausbildung oder Wohnsitz einen stärkeren Bezug zu Wien
haben.

Der höchste Zufluß wird in der Bedarfsgruppe Bekleidung
erzielt. Rund 62% des Zuflusses an Umlandkaufkraft werden in den
Geschäftsstraßen lukriert. Etwas über ein Drittel fließt in
Streulagen (vor allem Einkaufsmöglichkeiten in
Nebengeschäftsstraßen und an "isolierten Standorten") und
Fachmarktzentren. Gemessen am Gesamtumsatz der Wiener
Geschäftsstraßen stellt die Umland-Kaufkraft einen Anteil von rund
12 % dar.

Wesentliche Anteile der Umland-Kaufkraft werden in den
überregionalen Zentren wie in der Wiener City (1,2 Mrd. Schilling)
und in der Mariahilfer Straße (1 Mrd. Schilling) gebunden. Weitere
wichtige Ziele sind die Zentren Favoriten, Floridsdorf, DZ und SCN
Brünner Straße. In den Zentren des Nordostens dürfte damit rund
ein Fünftel des Umsatzes aus dem Umland stammen.

Die Situation der Wiener Geschäftsstraßen 1998

32,3% der gesamten Wiener Kaufkraft flossen im vergangenen
Jahr in die Hauptgeschäftsstraßen, weitere 4,3% in nicht
integrierte Zentren, 46% in Nahbereich und Streulagen. 17,4 % der
Kaufkraft flossen aus Wien ab.

Damit sind die Hauptgeschäftsstraßen auch 1998 die stärkste
Zielkategorie im Wiener Einzelhandel. Sie weisen insbesondere eine
sehr starke Bekleidungskompetenz auf: Sie binden 60% der Wiener
Kaufkraft für Bekleidung.

Die Wiener Hauptgeschäftsstraßen erzielten seit 1990 einen
geringen realen Zuwachs. 1998 verzeichneten die
Hauptgeschäftsstraßen insgesamt einen Umsatz von 41,6 Mrd.
Schilling. Die beiden überregionalen Zentren Innere Stadt und
Mariahilfer Straße/Neubaugasse erreichten einen Umsatz in der
Größenordnung von jeweils über 6 Mrd. Schilling. Zusammen
entspricht das 10% der gesamten Wiener Kaufkraft. Zwischen 2 und 4
Mrd. Schilling wurden in den regionalen Zentren Favoriten,
Donaustadt, Meidling, Floridsdorf und der Landstraßer Hauptstraße
umgesetzt. Dies sind zusammen 12% der Wiener Kaufkraft.
Vier Zentren in Wien haben sich besonders deutlich positiv
entwickelt: Dazu gehören die Innere Mariahilfer Straße /
Neubaugasse, Donauzentrum, Zentrum Meidling und Äußere Mariahilfer
Straße.

Zu den Geschäftsstraßen/zentren mit leicht
überdurchschnittlicher Umsatzentwicklung sind das Zentrum
Floridsdorf, die Landstraßer Hauptstraße und die Alser Straße zu
zählen. Geschäftsstraßen/zentren mit geringen Umsatzsteigerungen
waren Innere Stadt, Zentrum Hietzing, Simmeringer Hauptstraße,
Döblinger Hauptstraße, Praterstraße, Wiedner Hauptstraße und
Josefstädter Straße. Eine weniger günstige Entwicklung als in den
Jahren zuvor machten die Thaliastraße, die Hütteldorferstraße und
die Hernalser Hauptstraße.

Zusammenfassend läßt sich sagen, daß die Gewinner der
Entwicklung eher unter den größeren Geschäftsstraßen zu finden
sind. Die kleinen Geschäftsstraßen mit lokaler Bedeutung haben im
Durchschnitt eine nachteilige Entwicklung erlebt. Positive
Entwicklungen fanden v.a. im Nordosten Wiens statt, in dem die
Bevölkerung und die Kaufkraft die stärksten Zunahmen aufwiesen.
Die empfindlichsten Einbußen im Geschäftsstraßensystem mußte der
Stadtteil Wien-West hinnehmen. (Schluß) kru

Rückfragehinweis: PID-Rathauskorrespondenz: www.wien.gv.at/vtx/vtx-rk-xlink/

Mag. Katharina Krusche
Tel.: 4000/81 418
e-mail: [email protected]

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