Görg: Wiener Geschäftsstraßen konnten ihre Umsätze halten

Wien, (OTS) Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz von Vizebürgermeister Dr. Bernhard Görg und dem Präsident der Wiener Wirtschaftskammer, Walter Nettig, wurde am Montag die Studie "Kaufkraftströme Wien 1998" präsentiert.

Die Wiener Geschäftsstraßen konnten ihren Umsatz im Zeitraum zwischen 1990 und 1998 insgesamt halten, freute sich Vizebürgermeister Görg. Insgesamt betrug die einzelhandels-relevante Kaufkraft der Wiener Bevölkerung im Jahr 1998 rund 129 Mrd. Schilling, wovon 107 Mrd. Schilling in Wien gebunden wurden,
so Vizebürgermeister Görg. Erfreulich ist auch, daß die Kaufkraftbilanz mit Niederösterreich ausgeglichen ist, und 70 Prozent des niederösterreichischen Kaufkraftzuflusses direkt aus dem Wiener Umland kommt, so der Vizebürgermeister. Positiv sei auch, so Görg, daß die Wiener Geschäftsstraßen besonders im Bekleidungsbereich punkten konnten.

Trotz dieser erfreulichen Ergebnisse sei aber Engagement und Teamarbeit gefordert, sagte Vizebürgermeister Görg. Die Studie zeige auch, daß besonders in der Bedarfsgruppe Wohnungseinrichtung die Kaufkraftzuwächse Wiens in den letzten Jahren in immer stärkerem Ausmaß von den Fachmärkten in den Streulagen absorbiert werden. Um den Kaufkraft-Abfluß in das Wiener Umland und nach Niederösterreich künftig einzudämmen oder auch langfristig gesehen zu verringern, so Görg, müsse die Kooperation in der Ostregion verstärkt werden. Der Vizebürgermeister könne sich beispielsweise einen restriktiveren Umgang bei der Planung von neuen Einkaufs-
und Fachmarktzentren vorstellen. Weiters sagte Görg, daß Neu-Ansiedlungen künftig hauptsächlich in den niederösterreichischen Entwicklungsschwerpunkten, und keinesfalls in den immer
bedeutender werdenden gemeinsamen Erholungsräumen in Wien/Umland vorgenommen werden sollten. Eine Überprüfung der Widmungsreserven sei notwendig, so der Vizebürgermeister und zuständige Planungsstadtrat.

Laut Görg gebe es bereits erste positive Ansätze im niederösterreichischen Entwurf zu einer Raumordnungsnovelle, in
der eine neue Flächenwidmungskategorie "Betriebsgebiet bzw. Kerngebiet" mit der Zusatzbezeichnung "Einkaufszentren oder Fachmarktzentren" zu finden ist und eine quadratmetermäßige Beschränkung gefordert wird.

Die Rahmenbedingungen für die Wiener Geschäftsstraßen werden aber auch durch weitere Gestaltungsaktivitäten im öffentlichen Raum verbessert, erklärte der Vizebürgermeister. Dies beinhalte Maßnahmen wie die Entflechtung von Verkehrsströmen, die Schaffung von mehr Raum für Fußgänger, die Gewährleistung einer ausreichenden Anzahl von Stellplätzen in Geschäftsstraßen und die Verbesserung von Anbindungen des öffentlichen Verkehrs. All diese Maßnahmen, gebündelt mit den Aktivitäten der Wiener Wirtschaftskammer, werden eine weitere Attraktivierung der Wiener Geschäftsstraßen erreichen, sagte Vizebürgermeister Görg abschließend.

Hintergrundinformation zur Studie Kaufkraftströme Wien 1998

Zentrale Fragestellung der Studie waren die Verteilung der Wiener Kaufkraft und die Zuflüsse aus dem Wiener Umland. Dazu wurden im Oktober 1998 rund 4000 Wiener sowie 1000 niederösterreichische Haushalte telefonisch befragt. Inhalt der Interviews waren Fragen nach den bevorzugten Geschäftstypen, dem üblichen Einkaufsort und anderen wichtigen Zielen für den Kauf von 16 verschiedenen Warengruppen.

Da in einer Untersuchung der Wirtschaftskammer NÖ 1997 der Kaufkraftabfluß aus Niederösterreich insgesamt geschätzt worden war, wurde in der vorliegenden Studie auch die räumliche
Verteilung der Kaufkraft des Wiener Umlandes innerhalb Wiens
genauer untersucht.

Die Entwicklung der Kaufströme von 1990 bis 1998

Die einzelhandelsrelevante Kaufkraft der Wiener erreichte im Jahr 1998 eine Größenordnung von insgesamt 129 Milliarden Schilling. Davon wurden 107 Mrd. Schilling (rund 83%) in Wien gebunden, rund 22 Mrd. Schilling (ca.17%) flossen aus Wien ab. 2,2 Mrd. Schilling gingen 1998 ins Ausland und ca. 4,4 Mrd. in andere Vertriebsformen (Versand, Internet, Direktvertrieb etc....).

Die Wiener Kaufkraft hat im Vergleich zu 1990, dem Zeitpunkt der zuletzt durchgeführten Kaufkraftströme-Untersuchung, um 27% zugenommen. Real entspricht das einem Zuwachs von 9%, der jedoch
zu einem wesentlichen Teil auf die Bevölkerungszuwächse zurückzuführen ist.

Der Zuwachs des Umsatzes aus Wiener Kaufkraft im gesamten Wiener Einzelhandel wird für den Zeitraum 1990 bis 1998 auf 25% geschätzt. Der Kaufkraftabfluß aus Wien hat sich infolge der starken angebotsseitigen Entwicklungen im Wiener Umland, aber auch infolge einer Zunahme der Einkäufe im benachbarten Ausland nach
dem EU-Beitritt und der Ostöffnung, mit 35% deutlich dynamischer entwickelt.

Die Kaufkraftbilanz zwischen Wien und Niederösterreich ist
mit rund 14 Mrd. Schilling Kaufkraftabfluß aus Wien und einem Kaufkraftzufluß nach Wien in einer Größenordnung von 12 - 14 Mrd. Schilling relativ ausgewogen. Rund 70% dieses Kaufkraftzuflusses (circa 9,5 Mrd. Schilling) kommt aus dem Wiener Umland. Der Grund dafür: rund 27 % der Haushalte des Wiener Umlandes dürften durch Beruf, Ausbildung oder Wohnsitz einen stärkeren Bezug zu Wien haben.

Der höchste Zufluß wird in der Bedarfsgruppe Bekleidung erzielt. Rund 62% des Zuflusses an Umlandkaufkraft werden in den Geschäftsstraßen lukriert. Etwas über ein Drittel fließt in Streulagen (vor allem Einkaufsmöglichkeiten in Nebengeschäftsstraßen und an "isolierten Standorten") und Fachmarktzentren. Gemessen am Gesamtumsatz der Wiener Geschäftsstraßen stellt die Umland-Kaufkraft einen Anteil von rund 12 % dar.

Wesentliche Anteile der Umland-Kaufkraft werden in den überregionalen Zentren wie in der Wiener City (1,2 Mrd. Schilling) und in der Mariahilfer Straße (1 Mrd. Schilling) gebunden. Weitere wichtige Ziele sind die Zentren Favoriten, Floridsdorf, DZ und SCN Brünner Straße. In den Zentren des Nordostens dürfte damit rund ein Fünftel des Umsatzes aus dem Umland stammen.

Die Situation der Wiener Geschäftsstraßen 1998

32,3% der gesamten Wiener Kaufkraft flossen im vergangenen
Jahr in die Hauptgeschäftsstraßen, weitere 4,3% in nicht integrierte Zentren, 46% in Nahbereich und Streulagen. 17,4 % der Kaufkraft flossen aus Wien ab.

Damit sind die Hauptgeschäftsstraßen auch 1998 die stärkste Zielkategorie im Wiener Einzelhandel. Sie weisen insbesondere eine sehr starke Bekleidungskompetenz auf: Sie binden 60% der Wiener Kaufkraft für Bekleidung.

Die Wiener Hauptgeschäftsstraßen erzielten seit 1990 einen geringen realen Zuwachs. 1998 verzeichneten die Hauptgeschäftsstraßen insgesamt einen Umsatz von 41,6 Mrd. Schilling. Die beiden überregionalen Zentren Innere Stadt und Mariahilfer Straße/Neubaugasse erreichten einen Umsatz in der Größenordnung von jeweils über 6 Mrd. Schilling. Zusammen entspricht das 10% der gesamten Wiener Kaufkraft. Zwischen 2 und 4 Mrd. Schilling wurden in den regionalen Zentren Favoriten, Donaustadt, Meidling, Floridsdorf und der Landstraßer Hauptstraße umgesetzt. Dies sind zusammen 12% der Wiener Kaufkraft.
Vier Zentren in Wien haben sich besonders deutlich positiv entwickelt: Dazu gehören die Innere Mariahilfer Straße / Neubaugasse, Donauzentrum, Zentrum Meidling und Äußere Mariahilfer Straße.

Zu den Geschäftsstraßen/zentren mit leicht überdurchschnittlicher Umsatzentwicklung sind das Zentrum Floridsdorf, die Landstraßer Hauptstraße und die Alser Straße zu zählen. Geschäftsstraßen/zentren mit geringen Umsatzsteigerungen waren Innere Stadt, Zentrum Hietzing, Simmeringer Hauptstraße, Döblinger Hauptstraße, Praterstraße, Wiedner Hauptstraße und Josefstädter Straße. Eine weniger günstige Entwicklung als in den Jahren zuvor machten die Thaliastraße, die Hütteldorferstraße und die Hernalser Hauptstraße.

Zusammenfassend läßt sich sagen, daß die Gewinner der Entwicklung eher unter den größeren Geschäftsstraßen zu finden sind. Die kleinen Geschäftsstraßen mit lokaler Bedeutung haben im Durchschnitt eine nachteilige Entwicklung erlebt. Positive Entwicklungen fanden v.a. im Nordosten Wiens statt, in dem die Bevölkerung und die Kaufkraft die stärksten Zunahmen aufwiesen. Die empfindlichsten Einbußen im Geschäftsstraßensystem mußte der Stadtteil Wien-West hinnehmen. (Schluß) kru

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