Utl.: Vorträge von Wifo-Leiter Helmut Kramer, Gerhard Majce und Franz Kolland

Wien (OTS) - Innerhalb des Umlageverfahrens beim österreichischen Pensionssystem gäbe es ausreichend Anpassungsspielräume, die seine Überstrapazierung vermeiden könnten. Dies meinte Dr. Helmut Kramer, Leiter des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung (Wifo) beim Symposium "Die ,altersbunte' Gesellschaft - Alt und Jung auf dem Weg in den Konflikt?", das vom Institut für Wirtschaft und Politik und der Österreichischen Forschungsgemeinschaft veranstaltet wurde.

Helmut Kramer forderte hier eine breite, sachlich fundierte Diskussion. Er vertrat die Meinung, daß bei der zu erwartenden Verschiebung in der demografischen Struktur Österreichs der Generationenvertrag nicht halten könne: sei es, daß die Belastung der aktiven Generation zu hoch, sei es, daß die Einbußen an Alterversorgung für die Pensionistengeneration zu groß wären. Er zeigte sich jedoch überzeugt, daß es innerhalb des Umlageverfahrens noch ausreichend Anpassungsspielräume gäbe, die das Pensionssystem vor der Unfinanzierbarkeit bewahren. Einem kompletten Systemwechsel vom Umlage- zum Kapitaldeckungsverfahren steht Kramer skeptisch gegenüber. Neben der Problematik des Überganges selbst, bei dem eine Generation doppelt belastet werden müßte, gehe auch aus der Theorie eine volkswirtschaftliche Überlegenheit des Kapitladeckungsverfahrens nicht hervor. Zudem sei das Umlageverfahren allgemein krisensicherer. Trotz seiner argumentativen Unterstützung des Umlageverfahrens, so der Leiter des Wifo, sei in Österreich die Art der Durchführung zu verbessern und eine effizientere Gestaltung anzustreben. Allerdings unterstrich Kramer die Bedeutung der privaten Vorsorge durch individuelle Sparformen und durch Beiträge an Pensionskassen.

Prof. Dr. Gerhard Kolland vom Institut für Soziologie an der Universität Wien und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Ludwig Boltzmann Institut für Sozialgerontologie und Lebenslaufforschung, widmete sich der Eigenvorsorge aus soziologischer Sicht. Ein Leitbild des kompetenten älteren Menschen sei entstanden, der vermehrtes Interesse an der Selbststeuerung auch der eigenen Vorsorge bekunde. Er ortete eine Verschiebung des Risikos vom Staat zurück zum Individuum.

Mit empirischen Befunden zum Generationenverhältnis wartete Prof. Dr. Gerhard Majce vom Institut für Soziologie an der Universität Wien und ebenfalls wissenschaftlicher Mitarbeiter am Ludwig Boltzmann Institut für Sozialgerontologie und Lebenslaufforschung auf. Einer repräsentativen Befragung zufolge werde das generelle Verhältnis zwischen Alt und Jung eher negativ beschrieben, die eigene Beziehung zur anderen Generation jedoch als positiv empfunden. Circa 98 Prozent derjenigen, die Unterstützung im weitesten Sinne brauchen, erhalten diese durch die Kernfamilie, in erster Linie durch die Mutter. Der Optimismus in bezug auf intergenerationale Netzwerke sei bemerkenswert, so Majce, dürfe aber nicht als Entwarnungssignal an die Politik verstanden werden. Eine Problematisierung in der Entwicklung des Verhältnisses zwischen den Generationen sei durchaus in Tendenzen ersichtlich.

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