• 04.06.1999, 09:35:13
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  • OTS0046

Utl.: Vorträge von Wifo-Leiter Helmut Kramer, Gerhard Majce und Franz Kolland=

Wien (OTS) - Innerhalb des Umlageverfahrens beim österreichischen
Pensionssystem gäbe es ausreichend Anpassungsspielräume, die seine
Überstrapazierung vermeiden könnten. Dies meinte Dr. Helmut Kramer,
Leiter des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung
(Wifo) beim Symposium "Die ,altersbunte' Gesellschaft - Alt und Jung
auf dem Weg in den Konflikt?", das vom Institut für Wirtschaft und
Politik und der Österreichischen Forschungsgemeinschaft veranstaltet
wurde.

Helmut Kramer forderte hier eine breite, sachlich fundierte
Diskussion. Er vertrat die Meinung, daß bei der zu erwartenden
Verschiebung in der demografischen Struktur Österreichs der
Generationenvertrag nicht halten könne: sei es, daß die Belastung der
aktiven Generation zu hoch, sei es, daß die Einbußen an
Alterversorgung für die Pensionistengeneration zu groß wären. Er
zeigte sich jedoch überzeugt, daß es innerhalb des Umlageverfahrens
noch ausreichend Anpassungsspielräume gäbe, die das Pensionssystem
vor der Unfinanzierbarkeit bewahren. Einem kompletten Systemwechsel
vom Umlage- zum Kapitaldeckungsverfahren steht Kramer skeptisch
gegenüber. Neben der Problematik des Überganges selbst, bei dem eine
Generation doppelt belastet werden müßte, gehe auch aus der Theorie
eine volkswirtschaftliche Überlegenheit des Kapitladeckungsverfahrens
nicht hervor. Zudem sei das Umlageverfahren allgemein krisensicherer.
Trotz seiner argumentativen Unterstützung des Umlageverfahrens, so
der Leiter des Wifo, sei in Österreich die Art der Durchführung zu
verbessern und eine effizientere Gestaltung anzustreben. Allerdings
unterstrich Kramer die Bedeutung der privaten Vorsorge durch
individuelle Sparformen und durch Beiträge an Pensionskassen.

Prof. Dr. Gerhard Kolland vom Institut für Soziologie an der
Universität Wien und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Ludwig
Boltzmann Institut für Sozialgerontologie und Lebenslaufforschung,
widmete sich der Eigenvorsorge aus soziologischer Sicht. Ein Leitbild
des kompetenten älteren Menschen sei entstanden, der vermehrtes
Interesse an der Selbststeuerung auch der eigenen Vorsorge bekunde.
Er ortete eine Verschiebung des Risikos vom Staat zurück zum
Individuum.

Mit empirischen Befunden zum Generationenverhältnis wartete Prof. Dr.
Gerhard Majce vom Institut für Soziologie an der Universität Wien und
ebenfalls wissenschaftlicher Mitarbeiter am Ludwig Boltzmann Institut
für Sozialgerontologie und Lebenslaufforschung auf. Einer
repräsentativen Befragung zufolge werde das generelle Verhältnis
zwischen Alt und Jung eher negativ beschrieben, die eigene Beziehung
zur anderen Generation jedoch als positiv empfunden. Circa 98 Prozent
derjenigen, die Unterstützung im weitesten Sinne brauchen, erhalten
diese durch die Kernfamilie, in erster Linie durch die Mutter. Der
Optimismus in bezug auf intergenerationale Netzwerke sei
bemerkenswert, so Majce, dürfe aber nicht als Entwarnungssignal an
die Politik verstanden werden. Eine Problematisierung in der
Entwicklung des Verhältnisses zwischen den Generationen sei durchaus
in Tendenzen ersichtlich.

Rückfragehinweis: Institut für Wirtschft und Politik

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