• 01.06.1999, 12:33:04
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  • OTS0210

Holender kritisiert Philharmoniker-Forderungen "Beschäftigen weit mehr Musiker, als wir benötigen"

Wien (OTS) - Der Konflikt um die Gage der Wiener Philharmoniker in
ihrer Eigenschaft als Staatsopernorchester verschärft sich. In der
morgen erscheinenden Ausgabe des Nachrichtenmagazins NEWS übt
Operndirektor Holender deutliche Kritik an den Forderungen.

Der Hintergrund: Nach der Bundestheater-Ausgliederung werden neu
eintretende Orchestermitglieder weit weniger Pension beziehen als
bisher. Zum Ausgleich fordert das Orchester, weltweit einzigartiger
Qualitätsgarant für das Haus, eine Gagenerhöhung von 40 Millionen
Schilling jährlich. Soviel, wie weniger Musiker an der Deutschen Oper
Berlin verdienen.

Zuletzt hatte Orchestervorstand Clemens Hellsberg zur Diskussion
gestellt, die Philharmoniker würden nur noch 100 statt 300 Abende an
der Staatsoper bestreiten. Dazu Holender in NEWS: "Das ist
indiskutabel, unadministrierbar und künstlerisch nicht zu
verantworten."

Der Vergleich mit der Deutschen Oper Berlin sei unzutreffend.
"Einerseits sind die Philharmoniker unvergleichlich besser.
Andererseits aber spielen und proben sie pro Person weit weniger als
andere Opernorchester. Auch wir müssen nämlich für sie Kompromisse
machen. Deshalb beschäftigen wir weit mehr Musiker, als wir
benötigen, damit das Orchester auf Tournee gehen kann und den
Mitgliedern Zeit für private Auftritte bleibt. Aber die Zeiten ändern
sich", fährt Holender in NEWS mit deutlicher Kritik fort. "Zum
Beispiel arbeiten große Dirigenten heute besonders am Orchesterklang.
Und hat nicht Simon Rattle gesagt, er dirigiere nicht an der
Staatsoper, weil in ein und derselben Aufführungsserie ständig andere
Musiker an den Pulten sitzen?"

Holender weiter in NEWS: "Wir sollten uns alle darüber klar
werden, daß es um zweierlei geht: um den Weiterbestand des
Staatsopernorchesters als Symbiose mit den Philharmonikern aber auch
um den Weiterbestand der Philharmoniker in ihrer derzeitigen Form.
Daß sie als Verein ohne feste Anstellung in der bisherigen Weise
lebensfähig sind, höre ich zwar immer. Der Beweis muß allerdings noch
erbracht werden."

Ein anderes Orchester an der Wiener Staatsoper? Holender: "Damit
wäre weder die Qualität noch der Repertoirebetrieb aufrecht zu
erhalten. Aber diese Situation wäre ähnlich wie jetzt in Jugoslawien:
schlecht für alle Beteiligten."

Staatssekretär Wittmann räumte via NEWS dem Verbleib des
Orchesters an der Staatsoper höchste Priorität ein und plant eine
Pensionskassa.

Rückfragehinweis: NEWS Chefredaktion
Tel.: 01/21312/103

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