Holender kritisiert Philharmoniker-Forderungen "Beschäftigen weit mehr Musiker, als wir benötigen"

Wien (OTS) - Der Konflikt um die Gage der Wiener Philharmoniker in ihrer Eigenschaft als Staatsopernorchester verschärft sich. In der morgen erscheinenden Ausgabe des Nachrichtenmagazins NEWS übt Operndirektor Holender deutliche Kritik an den Forderungen.

Der Hintergrund: Nach der Bundestheater-Ausgliederung werden neu eintretende Orchestermitglieder weit weniger Pension beziehen als bisher. Zum Ausgleich fordert das Orchester, weltweit einzigartiger Qualitätsgarant für das Haus, eine Gagenerhöhung von 40 Millionen Schilling jährlich. Soviel, wie weniger Musiker an der Deutschen Oper Berlin verdienen.

Zuletzt hatte Orchestervorstand Clemens Hellsberg zur Diskussion gestellt, die Philharmoniker würden nur noch 100 statt 300 Abende an der Staatsoper bestreiten. Dazu Holender in NEWS: "Das ist indiskutabel, unadministrierbar und künstlerisch nicht zu verantworten."

Der Vergleich mit der Deutschen Oper Berlin sei unzutreffend. "Einerseits sind die Philharmoniker unvergleichlich besser. Andererseits aber spielen und proben sie pro Person weit weniger als andere Opernorchester. Auch wir müssen nämlich für sie Kompromisse machen. Deshalb beschäftigen wir weit mehr Musiker, als wir benötigen, damit das Orchester auf Tournee gehen kann und den Mitgliedern Zeit für private Auftritte bleibt. Aber die Zeiten ändern sich", fährt Holender in NEWS mit deutlicher Kritik fort. "Zum Beispiel arbeiten große Dirigenten heute besonders am Orchesterklang. Und hat nicht Simon Rattle gesagt, er dirigiere nicht an der Staatsoper, weil in ein und derselben Aufführungsserie ständig andere Musiker an den Pulten sitzen?"

Holender weiter in NEWS: "Wir sollten uns alle darüber klar werden, daß es um zweierlei geht: um den Weiterbestand des Staatsopernorchesters als Symbiose mit den Philharmonikern aber auch um den Weiterbestand der Philharmoniker in ihrer derzeitigen Form. Daß sie als Verein ohne feste Anstellung in der bisherigen Weise lebensfähig sind, höre ich zwar immer. Der Beweis muß allerdings noch erbracht werden."

Ein anderes Orchester an der Wiener Staatsoper? Holender: "Damit wäre weder die Qualität noch der Repertoirebetrieb aufrecht zu erhalten. Aber diese Situation wäre ähnlich wie jetzt in Jugoslawien:
schlecht für alle Beteiligten."

Staatssekretär Wittmann räumte via NEWS dem Verbleib des Orchesters an der Staatsoper höchste Priorität ein und plant eine Pensionskassa.

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