• 17.05.1999, 16:18:17
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  • OTS0201

Überlebenskünstler im Tümpel - Die Urzeitkrebse vom Seewinkel am Neusiedler See

Wien (OTS) - Man muß nicht Tiefseetauchen, um Bekanntschaft mit
"lebenden Fossilien" zu machen. Im Seewinkel am Neusiedler See genügt
ein kleiner Käscher, um eine Zeitreise in eine ferne Epoche zu
unternehmen. Eine Ausstellung über Urzeitkrebse im
Nationalparkinformationszentrum bietet bis November Einblick in das
Leben dieser bedrohten Zeugen der Evolution. Die ersten Urzeitkrebse
sind bereits aus dem Kambrium (v. 500 Mio. Jahren) bekannt.
Ursprünglich im Meer lebend, wurden sie im Devon von Fischen
verdrängt. Heute findet man sie u.a. in den 60 kurzfristig
wasserführenden Tümpel (Lacken) im Seewinkel. In diesen - teilweise
sodahältigen - Biotopen, überlebten die Fossilien - in Aussehen
weitgehend unverändert - bis heute.

Urzeitkrebse werden in drei Ordnungen unterteilt: Die schalenlosen
Feenkrebse, die seit 200 Mio. Jahren existieren, filtieren mit ihren
Beinen Plankton aus dem Wasser. Die Rückenschaler treten seit 330
Mio. Jahren unverändert auf. Sie suchen ihre Nahrung im Boden, wobei
sie aufgrund ihrer Größe von bis zu 11 cm auch größere
Nahrungspartikel zu sich nehmen. Muschelschaler besitzen eine
zweiklappige Schale. Sie sind die seltenste Gruppe: Fossilien aus dem
Silur (v. 435 Mio. Jahren) sind äußerlich kaum von den heute lebenden
Arten zu unterscheiden.

Während die Urzeitkrebse äußerlich seit hunderten Millionen Jahren
kaum verändert sind, erforderte die Besiedlung ihrer Extrembiotope
besondere Anpassung. Trockenperioden werden durch die Produktion von
Dauereiern gemeistert, die jahrzehnte, möglicherweise
jahrhundertelange überdauern. Untersuchungen belegen, daß selbst vier
Jahre unter Sauerstoffentzug gehaltene Eier schlupffähig blieben. Zu
den Feinden der Urzeitkrebse gehören Vögel, Amphibien und räuberische
Wasserinsekten. Deshalb hat sich die Natur auch einen Trick für das
Überleben der Krebse einfallen lassen: Werden reife Krebsweibchen
gefressen, so überstehen deren Eier die Darmpassagen der Räuber
unbeschadet. Bei einer Überschwemmung schlüpfen die 0,2 mm kleinen
Larven innerhalb von zwei Tagen. Die Entwicklung von der geschlüpften
Larve bis zum geschlechtsreifen Krebs erfolgt sehr rasch und kann in
den bis zu 50 Grad Celsius warmen Lacken innerhalb von 8 Tagen
abgeschlossen sein.

Rückfragehinweis: Nationalpark Neusiedler See ,
Tel: ++43 (02175/3442) ,
E-Mail: [email protected],
Umfassender Text u. weitere Fotos: http://www.pressetext.at (pte
990510005 vom 10. 4.1999)

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