Überlebenskünstler im Tümpel - Die Urzeitkrebse vom Seewinkel am Neusiedler See

Wien (OTS) - Man muß nicht Tiefseetauchen, um Bekanntschaft mit "lebenden Fossilien" zu machen. Im Seewinkel am Neusiedler See genügt ein kleiner Käscher, um eine Zeitreise in eine ferne Epoche zu unternehmen. Eine Ausstellung über Urzeitkrebse im Nationalparkinformationszentrum bietet bis November Einblick in das Leben dieser bedrohten Zeugen der Evolution. Die ersten Urzeitkrebse sind bereits aus dem Kambrium (v. 500 Mio. Jahren) bekannt. Ursprünglich im Meer lebend, wurden sie im Devon von Fischen verdrängt. Heute findet man sie u.a. in den 60 kurzfristig wasserführenden Tümpel (Lacken) im Seewinkel. In diesen - teilweise sodahältigen - Biotopen, überlebten die Fossilien - in Aussehen weitgehend unverändert - bis heute.

Urzeitkrebse werden in drei Ordnungen unterteilt: Die schalenlosen Feenkrebse, die seit 200 Mio. Jahren existieren, filtieren mit ihren Beinen Plankton aus dem Wasser. Die Rückenschaler treten seit 330 Mio. Jahren unverändert auf. Sie suchen ihre Nahrung im Boden, wobei sie aufgrund ihrer Größe von bis zu 11 cm auch größere Nahrungspartikel zu sich nehmen. Muschelschaler besitzen eine zweiklappige Schale. Sie sind die seltenste Gruppe: Fossilien aus dem Silur (v. 435 Mio. Jahren) sind äußerlich kaum von den heute lebenden Arten zu unterscheiden.

Während die Urzeitkrebse äußerlich seit hunderten Millionen Jahren kaum verändert sind, erforderte die Besiedlung ihrer Extrembiotope besondere Anpassung. Trockenperioden werden durch die Produktion von Dauereiern gemeistert, die jahrzehnte, möglicherweise jahrhundertelange überdauern. Untersuchungen belegen, daß selbst vier Jahre unter Sauerstoffentzug gehaltene Eier schlupffähig blieben. Zu den Feinden der Urzeitkrebse gehören Vögel, Amphibien und räuberische Wasserinsekten. Deshalb hat sich die Natur auch einen Trick für das Überleben der Krebse einfallen lassen: Werden reife Krebsweibchen gefressen, so überstehen deren Eier die Darmpassagen der Räuber unbeschadet. Bei einer Überschwemmung schlüpfen die 0,2 mm kleinen Larven innerhalb von zwei Tagen. Die Entwicklung von der geschlüpften Larve bis zum geschlechtsreifen Krebs erfolgt sehr rasch und kann in den bis zu 50 Grad Celsius warmen Lacken innerhalb von 8 Tagen abgeschlossen sein.

*** OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER

VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS ***

Rückfragen & Kontakt:

Nationalpark Neusiedler See ,
Tel: ++43 (02175/3442) ,
E-Mail: neusiedlersee.np@netway.at,
Umfassender Text u. weitere Fotos: http://www.pressetext.at (pte
990510005 vom 10. 4.1999)

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NEF/OTS