3.400 Arbeitsplätze durch Zerschlagung der OMV bedroht

Betriebsrat und Gewerkschaften kündigen Proteste und Kampfmaßnahmen an

Wien (Gewerkschaft Metall-Bergbau-Energie, Gewerkschaft der Privatangestellten, Gewerkschaft der Chemiearbeiter/ÖGB). Die geplante Umstrukturierung der OMV AG, insbesondere im Gasbereich, ruft heftige Reaktionen der Belegschaftsvertreter und zuständigen Gewerkschaften hervor. Leopold Abraham, Vorsitzender des Zentralbetriebsrats der OMV AG, befürchtet die Zerschlagung des gesamten Unternehmens innerhalb der nächsten Jahre. ++++

"Wie werden diesen Kampf bis zum bitteren Ende durchziehen", bekräftigte Abraham in einer Versammlung der OMV-Betriebsräte heute, Donnerstag vormittag in Gänserndorf. Die geplante Auslagerung des Gasbereichs aus der OMV AG stößt auf heftigen Widerstand sowie größte Befürchtungen seitens der mehr als 3.000 Beschäftigten. Der bisher immer gewinnbringende Gasbereich der OMV AG - 1998 lag der Betriebserfolg bei über einer Milliarde Schilling - soll angesichts der Liberalisierung des Gasmarkts in Österreich ausgelagert werden. "Das Gasgeschäft der OMV AG macht den Großteil der für Investitionen notwendigen Gewinne aus. Wenn dieses Geld nicht mehr zur Verfügung steht, weil der Gasbereich
als Holding privatisiert werden soll, bedeutet das durch die
nötige Aufnahme von ausländischem Kapital das Ende eines großen österreichischen Unternehmens", sagt Abraham. Abraham befürchtet nicht nur die Gefährdung der OMV, sondern auch den Verlust von Tausenden Arbeitsplätzen in den nächsten Jahren.

Grund für den aktuellen Konflikt sind nach Ansicht der Betriebsräte und Gewerkschaften die unkoordinierte Vorgangsweise
im Vorstand und der Druck, der offensichtlich von ausländischen Eigentümern, vor allem den Ölscheichs in Abu Dhabi, gemacht wird. In diesem Zusammenhang sind die österreichische Politik und insbesondere die Bundesregierung gefordert, die nach wie vor 35 Prozent der Eigentümeranteile an der OMV AG vertritt.

Angesichts des vor kurzem veröffentlichten beachtlichen
Ergebnisses der OMV AG verlangen Belegschaftsvertreter und Gewerkschaften, dass die Entscheidungen, die in der Aufsichtsratssitzung am kommenden Montag getroffen werden, nicht
zum Nachteil der österreichischen Beschäftigten ausfallen. "Wir haben diesen Konflikt nicht gewollt", sagt Abraham. "Wenn aber am Montag im Aufsichtsrat Entscheidungen gegen die Belegschaft
fallen, werden wir uns nicht scheuen, entsprechende Gegenmaßnahmen zu setzen."
Für kommende Woche sind Betriebsversammlungen zur Information der Belegschaft sowie Protestveranstaltungen geplant.

Die Betriebsräte haben die volle Unterstützung der betroffenen Gewerkschaften. Auch die Gewerkschaften treten für die
Beibehaltung der bestehenden Strukturen ein und verlangen gleichzeitig die volle Information der Arbeitnehmervertreter über alle geplanten Maßnahmen. (Bac-)

ÖGB, 15. April 1999 Nr. 169

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