- 07.04.1999, 13:20:00
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Aus Protest gegen NATO-Schläge- Handke gibt den Büchner-Preis zurück und tritt aus der Kirche aus
Berichtigte Wiederholung OTS 135/7.4.1999
Wien (OTS) - Der SchriftsLeller Peter Handke, eben von einer Reise
ins bombardierte Serbien zurückgekehrt, gibt aus Protest gegen die
NATO-Schläge den Büchner-Preis (die höchste deutschsprachige
Auszeichnung für Autoren) zurück und verläßt die römisch-katholische
Kirche. Das erklärt Handke in einem Brief, den er dem Wochenmagazin
NEWS für die morgen erscheinende Ausgabe zukommen ließ. Grund des
Kirchenaustritts: das Schweigen des Papstes und die Ermunterung
führender klerikaler Kreise für das NATO-Eingreifen.
Der in NEWS zu gänze abgedruckte Brief im Wortlaut:
"Der Papst verurteilt in seiner Osterbotschaft am 12. Tag des Krieges
gegen Jugoslawien den "Bruderkrieg", aber nicht den Allrohrüberfall
der NATO gegen ein kleines Land. Und auf der 1. Seite von "Le Monde"
vom Ostersonntag, dem 4. April 1999, nach der Riesenschlagzeile DIE
NATO SCHLÄGT ZU IM HERZEN VON BELGRAD, beginnt ein langer Kommentar
des "erzbischofs von Cambrai" und "Präsidenten der Kommission
GERECHTIGKEIT UND FRIEDEN des französischen Episkopats", worin der
NATO-Krieg gegen Jugosla%wien folgend gutgeheißen wird.
Zitat: "Heute sind Löschhubschrauber nötig, um den Brand zu
ersticken, gestern hätte ein Eimer Wasser genügt." Der Erzbischof
spricht weiter von den "Christen und allen Menschen guten Willens",
für die "die Waffen natürlich nie eine Lösung sind - doch für den
Moment ist es dringlich, den Angreifer zu entwaffnen." Nie. Doch für
den Moment... Und der Präsident für episkopale Gerechtigkeit kommt zu
dem Schluß, Zitat: "Im vorliegenden Fall gab es allein die Wahl
zwischen einem rechtlich unkorrekten Nicht-Agieren und einem ethisch
notwendigen Agieren." Krieg, ahoi, Christ und (!) Mensch guten
Willens. - ich aber, der Schriftsteller Peter Handke, getaufter und,
nach Möglichkeit, praktizierender Katholik, erkläre dementsprechend
meinen Austritt aus dieser momentanen katholischen Kirche. Gegen
jedwede Ethik-Kommission: Es lebe das Recht.
Andere Kleinigkeit: Das Preisgeld für den mir 1973 gegebenen
Bücherpreis gebe ich an die Deutsche Akademie zurück (zum Glück
waren's damals nur 10.000 DM): "symbolisch", so wie es laut den
westlichen Medien das Zuschlagen der NATO im Herzen Belgrads ist,
"unvermeidlich", wie, laut fast aller Welt, der Krieg der "Welt"
gegen Jugoslawien; um meine "Glaubwürdigkeit nicht zu verlieren".
Einem jeden seine Glaubwürdigkeit.
P. H., 6. April 1999"
Rückfragehinweis: NEWS Chefredaktion
Tel.: 01/213 12/101
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