- 01.04.1999, 15:01:40
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- OTS0203
Stadt Wien bereitet sich selbstverständlich auf 2000 vor=
Wien, (OTS) Die Stadt Wien bereitet sich selbstverständlich,
und zwar schon seit längerem, auf die Jahr-2000-Problematik vor:
Sie beschäftigt sich seit über einem Jahr mit diesem Problem - um
sicherzustellen, daß auch mit und nach dem Silvester 1999 auf 2000
die Stromversorgung Wiens aufrecht bleibt, die Medizintechnik in
den Spitälern funktioniert, der Transport des Hochquellwassers
aufrecht ist, die Ampeln funktionieren, die Aufzüge o.k. sind usw.
usf. In der Baudirektion wurde dazu eine entsprechende
Arbeitsgruppe installiert, in jeder Magistratsabteilung gibt es
einen oder mehrere Jahr-2000-Beauftragte.
Im Bereich der Stadt Wien müssen natürlich alle in Frage
kommenden Systeme, Anlagensteuerungen und Geräte, von der
Medizintechnik und Einrichtungen des Krankenanstaltenverbundes bis
zur Stromversorgung, vom Verkehr bis zur Müllverbrennung, von
Aufzügen bis hin zu Telefonanlagen und Faxgeräten, überprüft
werden. Im Herbst 1999 soll außerdem in einem worst case-Szenario
- also in einem Test, der vom schlimmsten möglichen Y2K-Problem
ausgeht - durchgespielt werden, ob die wichtigsten (am besten
alle) Problemstellen erkannt und beseitigt wurden. Eine endgültige
Garantie auf das Funktionieren aller Systeme, Anlagen usw. kann
vor allem durch die internationale Vernetzung - etwa gerade beim
Strom - nicht abgegeben werden.
Die Kosten für die gesamte Überprüfung sind allerdings
derzeit schwer zu beziffern. Am Beispiel der Ampeln und der
Verkehrsleitzentrale der MA 46: die Verkehrslichtsignalanlagen
Wiens werden zweimal jährlich überprüft, Problemchips wurden dabei
gleich ausgetauscht. Aber auch die Computeranlage in der
Verkehrsleitzentrale der MA 46 war aus Altersgründen nicht 2000-
tauglich; sie hätte allerdings ohnehin um 4 Millionen Schilling
ausgetauscht werden müssen. Diese vier Millionen wären also
unabhängig vom 2000-Sprung fällig geworden.
Zusätzlich versichert sich die Stadt Wien auch bei ihren
Lieferanten und Geschäftspartnern durch schriftliche Erklärungen,
daß auch deren Logistik und Erzeugnisse 2000-fähig sind, und
versucht in Gesprächen, auch hier Problembewußtsein zu schaffen.
So halten z.B. ExpertInnen der WIENSTROM Vorträge zur Jahr-2000-
Problematik bei Großkunden.****
Das Jahr-2000-Problem (auch Y2K für Year Two Kilo = Jahr Zwei
Tausend genannt) wird durch Chips - die für die Steuerung eines
Computers und die darauf vorhandene Software verantwortlichen
Bauteile - verursacht. Um Speicherplatz zu sparen, wurde in
Softwareprodukten der 60er und 70er Jahre bei der
Datumsverarbeitung die Jahresangabe nicht vierstellig (1999),
sondern zweistellig (99) programmiert. Viele heute noch im Einsatz
befindliche Produkte werden beim Datumssprung auf den 1.1. 2000
die Jahresangabe "00" automatisch als 1900 interpretieren, was zu
Problemen führen kann.
Betroffen sind grundsätzlich u.a. Produkte und Systeme der
Informationstechnologie, der Prozeßautomatisierung oder Systeme in
der Gebäudetechnik. Leider bleibt das Y2K-Problem aber nicht auf
Anlagen oder Geräte aus den 60ern und 70ern beschränkt. Es kann
auch "jüngere" Produkte betreffen, auch wenn sie erst einige Jahre
alt sind: auch sie können teilweise noch alte
Softwarebestandteile, alte Chips, beinhalten.
Eine weitere Fehlerquelle kann darin liegen, daß das Jahr
2000 - abweichend von der üblichen Formel, nach der durch 100
teilbare Jahre keine Schaltjahre sind (die durch 400 teilbaren
sinds nämlich doch) ein Schaltjahr ist und manche Computer dann
nach dem 28. Februar 2000 falsche Berechnungen der Wochentage
haben.
Vom Jahr-2000-Problem kann alles betroffen sein, was von
einem Computer oder Mikroprozessor gesteuert wird: nicht nur die
landläufigen Computer allein, von der Computersoftware samt
Datenbanken oder Kommunikationsprogrammen über Großrechner, Server
bis zu PC’s, Schnittstellen, usw., sondern auch "Embedded
Systems", informationstechnische Steuerungssysteme in Anlagen und
Geräten. Betroffen können z.B. sein:
o Kraftwerke
o Fernheizwerke
o Hauptkläranlagen
o und alle weiteren Versorgungseinrichtungen, die irgendwo einen
Chip sitzen haben.
o Medizintechnologie und medizinische Geräte
o Verkehrssysteme, von Verkehrsmitteln über Verkehrsleitsysteme,
Ampeln bis zum Ticketautomaten in der Parkgarage
o Gebäudesysteme, von Lichtanlagen über Alarmsysteme bis zu den
Aufzügen, von Kontroll- und Schließsystemen bis zu Klimaanlagen,
von Brandschutzsystemen bis zu Generatoren,
Videoüberwachungsanlagen oder Tresoren
o Bürosysteme wie Telefonanlagen, Mobilfunk, Faxgeräte
o Telefonzentralen, Telefon-Netzwerke
o Zutrittskontrollsysteme
o Audio-und Videosysteme
o Rolltreppen
o Türen, Torantriebe
o Satellitensysteme
o Meßgeräte aller Art, auch in Labors
o Videokameras
o automatisierte Produktionsanlagen
o Kreditkartensysteme
usw. usf.
Die Möglichkeiten, was durch Chips passieren kann, die das
Jahr 2000 nicht als solches (sondern als 00, und diese Zahl ist
kleiner als das 99 aus 1999 und für den Computer daher nicht das
aktuelle Jahr 2000, sondern weite Vergangenheit) erkennen, sind
vielfältig: Berechnungen oder Programme können beendet werden, der
Computer hängt sich in einer Endlosschleife auf, das System stürzt
ab,...
Selbstverständlich ist die Stadt Wien ebenso wie alle anderen
Gebietskörperschaften, Organisationen, Banken, Versicherungen,
Industriebetriebe, Handelsketten, Kommunen und Privatpersonen
daran interessiert, die möglichen Fehlerquellen durch alte
Chips/Anlagen zu erkennen und zu beheben. Diese Überprüfung ist
bereits seit längerer Zeit im Gang. Die entsprechenden Systeme und
jede elektronische Datenverarbeitung müssen auf Jahr-2000-
Festigkeit untersucht und, falls diese nicht gegeben ist,
entsprechend geändert werden.
Für Privatpersonen ist es etwas schwieriger, zu erkennen,
welche Geräte oder Systeme ain 2000-Problem hervorrufen können,
weil außer dem Hersteller oder Lieferanten niemand sagen kann, wo
überall ein Chip mit Datumsfunktion, welche ja auch "unsichtbar"
sein kann, enthalten ist. Beim PC läßt es sich noch relativ
einfach feststellen, ober er 2000-tauglich ist, indem man jetzt
schon den Jahreswechsel simuliert (Software, Daten vorher
unbedingt sichern!).
Im Haushalt kann man nur alle einschlägigen Geräte
systematisch durchgehen und sozusagen in "Risikoklassen"
einteilen: in der höchsten Risikoklasse jene Geräte, durch deren
Ausfall theoretisch Gesundheit, Leben, Gut gefährdet sein könnte (
z.B. theoretisch ein Herzschrittmacher, wobei die Industrie
versichert, daß es hier nicht zu Problemen kommen dürfte) und
weiter absteigend jene Systeme oder Geräte, deren Ausfall man für
wenige Stunden oder länger akzeptieren könnte. Beginnend mit den
Erzeugnissen in der "höchsten Risikoklasse" kann man dann nur
versuchen, vom Hersteller möglichst schriftlich zu erfahren, ob
das Produkt (die Systemsteuerung usw) 2000-tauglich ist bzw.
welche Maßnahmen empfohlen werden. (Schluß) hrs
Rückfragehinweis: PID-Rathauskorrespondenz: www.magwien.gv.at/vtx/vtx-rk-xlink/
Helga Ruzicka-Stanzel
Tel.: 4000/81 856
e-mail: [email protected]
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