Anläßlich der Wiederaufnahme der umstrittenen Inszenierung "Trainspotting", Regie Harald Posch für das Theater der Jugend in Wien, hat Regisseur Harald Posch folgenden "Standpunkt" in der

Wien (OTS) - Wochenzeitung "City" zu der "freien und etablierten" Szene vertreten =

"Sie müssen ja nicht immer provozieren, Herr Posch."
Kaum ein Theatermacher der Freien Szene findet seinen Weg an eine etablierte Wiener Bühne, so er nicht rechtzeitig seinen Weg ins Ausland gesucht hat. Sind es also immer noch die Propheten, die im eigenen Land nichts gelten!?

Intendanten beglücken...
Zunächst ist es sicher richtig, daß Österreich die Nachwuchspflege am Theater stark auf Schauspiel und Autoren richtet. Aus diesen Bereichen kommen Kapazitäten, die ohne weiteres ihren Platz an große Bühnen finden.

Bei jungen, heimischen Theaterregisseuren scheint es einen gläsernen Plafond zu geben. Erst wenn ein Nachwuchstalent bewiesen hat, daß er/sie im Stande ist, Bestehendes fortzuführen, also inhaltlich und künstlerisch kein "Risikofaktor" mehr ist, erteilt man ihm/ihr die höheren Weihen einer Arbeit an Volkstheater oder Josefstadt, aber auch Schauspielhaus und Burg.

Dort aber zeigen uns diese Talente dann nicht selten, wie sie in Dankbarkeit frönend, bestehende Stile so recht und schlecht kopieren, um ihre Intendanten zu beglücken. Der künstlerische oder gar inhaltliche Konflikt mit den Altvordern wird meist peinlichst vermieden.

"Reclam-Hefterl-Theater"
Dieser Opportunismus beginnt schon bei den Jurys der Subventionsvergabestellen, wo das Erarbeiten eines konfliktorientierten Konzeptes geringe Chancen hat gefördert zu werden.

Doch der Grund liegt nicht nur darin, daß diese Jurys oft mit gescheiterten Theatermachern vergangener Tage besetzt sind, sondern auch in dem hartnäckigen Glauben an das "Genie", der sich seit Erfindung des deutschen Regietheaters auch unter den "freien" Theatermachern etabliert hat, und deren gelehrige Nachahmer sie werden möchten.

Der freie Theatermacher in Wien zieht sich gerne, bewaffnet mit ein paar Reclamausgaben großer Klassiker, ein paar hunderttausend Schilling und dem Segen diverser Förderungsgremien in seinen "Schrebergarten" (Zitat eines Jurymitgliedes des Kulturamtes d. Stadt Wien) zurück, wo er fern ernstzunehmender Kritik, ein wenig "üben" und seinen hehren Vorbildern huldigen darf. So wird "frei" als die Freiheit, sich nicht mit bestehenden, etablierten Strömungen messen zu müssen, kräftig mißverstanden.

Antifaschistische Intendanten ...
Aber auch die Direktionen der sg. "etablierten" Bühnen taten im letzten Jahrzehnt wenig für die Förderung neuer Strömungen aus dem eigenen Land.

Emmy Werner verstrickt sich in ihre hausbackene Definition von Volk-am-Theater, die Josefstadt blieb das unbemannte Raumschiff einer Theaterästhetik aus anderen Galaxien und sogar der von mir sehr geschätzte Claus Peymann war so sehr mit dem Aufbau des letzten antifaschistischen Bollwerkes genannt Burgtheater beschäftigt, daß er neue, tatsächlich polarisierende und provokative Theateransätze in diesem Land nicht wahrnehmen konnte oder wollte.

Und so mußten die wenigen Ausnahmen unter den freien Machern, wie etwa Kurt Palm mit seinem Sparverein ...., Robert Quitta mit dem Österr. Theater oder die von Thomas Gratzer und mir gegründete Company Habsburg Recycling, allesamt nach anfänglichen Erfolgen von den Subventionslisten gestrichen, ihre Arbeit beenden, ohne ihre Ansätze je auf größeren Bühnen weiterentwickelt zu haben.

Ein Sprung, der deutschen Kollegen als selbstverständlich gilt, und ohne den wir heute in Wien auch keinen Kniefall vor Regisseuren wie Marthaler oder Castorf machen könnten. Aber dort gehört es schließlich bereits zum Alltag 35-jährigen die Leitung ganzer Theater zu übertragen.

Mediensperre ...
Der diesbezüglich als Ausnahme zu bezeichnende Direktor, Dr. Reinhard Urbach vom Theater der Jugend, der das Projekt "Trainspotting" trotz aller Proteste - in seinen Spielplan aufnahm, durchbricht schon seit Jahren immer wieder diese Grenze zwischen Off-und etabliertem Theater, blieb aber bisher medial völlig unbedankt, da sich die Auffassung, Jugendtheater sei vernachlässigbar, hartnäckig gehalten hat.

Nun droht die Gefahr, daß sein Beispiel eine Ausnahme bleibt. Auch ihm gingen unbemerkt von der Öffentlichkeit Regisseure etwa nach Berlin verloren. Daß solch ein Direktor keine Unterstützung braucht, könnte sich als fataler Irrtum erweisen, wenn ich an meine letzte Begegnung mit unserem neuen Kulturstadtrat Marboe denke, der mir mit den folgenden Worten wohlwollend auf die Schulter klopfte: "Sie müssen ja nicht immer provozieren, Herr Posch."

Harald Posch
Trainspotting
von Irvine Welsh/Harry Gibson
Musik: Andreas Schreiber
Regie: Harald Posch

Mit Pilar Aguilera, Maria Hengge, Dorothea Reinhold, Reinhold Georg Moritz, Andreas Erstling, Walter Mathes, Karl Wozek und Klaus Rott. Musiker Johannes Specht

Wiederaufnahme: 8. März - 10. März, 19.30 Uhr
Theater im Zentrum, 1010 Wien, Liliengasse 3
Karten: 521 10/230

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