- 03.03.1999, 09:39:19
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Anläßlich der Wiederaufnahme der umstrittenen Inszenierung "Trainspotting", Regie Harald Posch für das Theater der Jugend in Wien, hat Regisseur Harald Posch folgenden "Standpunkt" in der

Wochenzeitung "City" zu der "freien und etablierten" Szene
vertreten =
Wien (OTS) - "Sie müssen ja nicht immer provozieren, Herr Posch."
Kaum ein Theatermacher der Freien Szene findet seinen Weg an eine
etablierte Wiener Bühne, so er nicht rechtzeitig seinen Weg ins
Ausland gesucht hat. Sind es also immer noch die Propheten, die im
eigenen Land nichts gelten!?
Intendanten beglücken...
Zunächst ist es sicher richtig, daß Österreich die Nachwuchspflege
am Theater stark auf Schauspiel und Autoren richtet. Aus diesen
Bereichen kommen Kapazitäten, die ohne weiteres ihren Platz an große
Bühnen finden.
Bei jungen, heimischen Theaterregisseuren scheint es einen
gläsernen Plafond zu geben. Erst wenn ein Nachwuchstalent bewiesen
hat, daß er/sie im Stande ist, Bestehendes fortzuführen, also
inhaltlich und künstlerisch kein "Risikofaktor" mehr ist, erteilt man
ihm/ihr die höheren Weihen einer Arbeit an Volkstheater oder
Josefstadt, aber auch Schauspielhaus und Burg.
Dort aber zeigen uns diese Talente dann nicht selten, wie sie in
Dankbarkeit frönend, bestehende Stile so recht und schlecht kopieren,
um ihre Intendanten zu beglücken. Der künstlerische oder gar
inhaltliche Konflikt mit den Altvordern wird meist peinlichst
vermieden.
"Reclam-Hefterl-Theater"
Dieser Opportunismus beginnt schon bei den Jurys der
Subventionsvergabestellen, wo das Erarbeiten eines
konfliktorientierten Konzeptes geringe Chancen hat gefördert zu
werden.
Doch der Grund liegt nicht nur darin, daß diese Jurys oft mit
gescheiterten Theatermachern vergangener Tage besetzt sind, sondern
auch in dem hartnäckigen Glauben an das "Genie", der sich seit
Erfindung des deutschen Regietheaters auch unter den "freien"
Theatermachern etabliert hat, und deren gelehrige Nachahmer sie
werden möchten.
Der freie Theatermacher in Wien zieht sich gerne, bewaffnet mit
ein paar Reclamausgaben großer Klassiker, ein paar hunderttausend
Schilling und dem Segen diverser Förderungsgremien in seinen
"Schrebergarten" (Zitat eines Jurymitgliedes des Kulturamtes d. Stadt
Wien) zurück, wo er fern ernstzunehmender Kritik, ein wenig "üben"
und seinen hehren Vorbildern huldigen darf. So wird "frei" als die
Freiheit, sich nicht mit bestehenden, etablierten Strömungen messen
zu müssen, kräftig mißverstanden.
Antifaschistische Intendanten ...
Aber auch die Direktionen der sg. "etablierten" Bühnen taten im
letzten Jahrzehnt wenig für die Förderung neuer Strömungen aus dem
eigenen Land.
Emmy Werner verstrickt sich in ihre hausbackene Definition von
Volk-am-Theater, die Josefstadt blieb das unbemannte Raumschiff einer
Theaterästhetik aus anderen Galaxien und sogar der von mir sehr
geschätzte Claus Peymann war so sehr mit dem Aufbau des letzten
antifaschistischen Bollwerkes genannt Burgtheater beschäftigt, daß er
neue, tatsächlich polarisierende und provokative Theateransätze in
diesem Land nicht wahrnehmen konnte oder wollte.
Und so mußten die wenigen Ausnahmen unter den freien Machern, wie
etwa Kurt Palm mit seinem Sparverein ...., Robert Quitta mit dem
Österr. Theater oder die von Thomas Gratzer und mir gegründete
Company Habsburg Recycling, allesamt nach anfänglichen Erfolgen von
den Subventionslisten gestrichen, ihre Arbeit beenden, ohne ihre
Ansätze je auf größeren Bühnen weiterentwickelt zu haben.
Ein Sprung, der deutschen Kollegen als selbstverständlich gilt,
und ohne den wir heute in Wien auch keinen Kniefall vor Regisseuren
wie Marthaler oder Castorf machen könnten. Aber dort gehört es
schließlich bereits zum Alltag 35-jährigen die Leitung ganzer
Theater zu übertragen.
Mediensperre ...
Der diesbezüglich als Ausnahme zu bezeichnende Direktor, Dr.
Reinhard Urbach vom Theater der Jugend, der das Projekt
"Trainspotting" trotz aller Proteste - in seinen Spielplan aufnahm,
durchbricht schon seit Jahren immer wieder diese Grenze zwischen Off-
und etabliertem Theater, blieb aber bisher medial völlig unbedankt,
da sich die Auffassung, Jugendtheater sei vernachlässigbar,
hartnäckig gehalten hat.
Nun droht die Gefahr, daß sein Beispiel eine Ausnahme bleibt. Auch
ihm gingen unbemerkt von der Öffentlichkeit Regisseure etwa nach
Berlin verloren. Daß solch ein Direktor keine Unterstützung braucht,
könnte sich als fataler Irrtum erweisen, wenn ich an meine letzte
Begegnung mit unserem neuen Kulturstadtrat Marboe denke, der mir mit
den folgenden Worten wohlwollend auf die Schulter klopfte: "Sie
müssen ja nicht immer provozieren, Herr Posch."
Harald Posch
Trainspotting
von Irvine Welsh/Harry Gibson
Musik: Andreas Schreiber
Regie: Harald Posch
Mit Pilar Aguilera, Maria Hengge, Dorothea Reinhold, Reinhold
Georg Moritz, Andreas Erstling, Walter Mathes, Karl Wozek und Klaus
Rott. Musiker Johannes Specht
Wiederaufnahme: 8. März - 10. März, 19.30 Uhr
Theater im Zentrum, 1010 Wien, Liliengasse 3
Karten: 521 10/230
Siehe auch APA/OTS-Bild!
Rückfragehinweis: Theater der Jugend
Herbert Kronsteiner
Tel.: 0664/216 45 60
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