Helmut Schüller im ausführlichen NEWS-Interwiew: * "Habe stets alles mit dem Kardinal abgesprochen" * "Schönborn hat mich ausdrücklich seiner Wertschätzung bestätigt

Wien (OTS) - für meine Stellungnahmen zum Dialog für Österreich, zu Bischof Krenn und zur Abtreibungsfrage"
* "Hätte mir gewünscht, daß nach so unruhigen Zeiten nicht neue Unruhe in unsere Kirche gebracht worden wäre"
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Im ersten ausführlichen Interview nach seiner
Absetzung als Generalvikar der Erzdiözese Wien hat Helmut Schüller NEWS gegenüber indirekt auch Kritik an Kardinal Christoph Schönborn geübt, gleichzeitig aber betont, die katholische Kirche solle durch seine Kündigung kein Schaden erwachsen. Im folgenden Auszüge aus dem Gespräch:

NEWS: Was empfinden Sie derzeit am Abend nach der offiziellen Ankündigung Ihrer bevorstehenden Abberufung?

Schüller: In erster Linie noch immer völlige Überraschung. Dann Wehmut darüber wie stets, wenn man eine Aufgabe beenden muß, die einem Freude gemacht hat. Sicher auch Sorge über begonnene Projekte. Und zunehmend auch die Erkenntnis, daß es besser ist, wenn rechtzeitig klar gemacht wird, daß es eben doch offenbar tiefergehende Differenzen gegeben hat, als ich vermutet hätte.

NEWS: Differenzen worüber?

Schüller: Nicht inhaltliche Differenzen über den Kirchenkurs, das hat Kardinal Schönborn sowohl mir gegenüber als auch öffentlich bestätigt. Im Gegenteil: Er hat mich ausdrücklich seiner Wertschätzung bestätigt für meine Stellungsnahme zum Dialog für Österreich, zu Bischof Krenn, zur Abtreibungsfrage oder in diesem Zusammenhang auch zu Weihbischof Laun. Ich war doch nicht so naiv, mich zu Wort zu melden, ohne all diese Dinge mit ihm abgesprochen zu haben. Alles war mit ihm abgesprochen.

NEWS: Dennoch muß es Differenzen gegeben haben.

Schüller: Offenbar. Wir hatten einmal in einer Personalfrage im Herbst eine Differenz, ich habe geglaubt, das wäre damals ausgeräumt gewesen.

NEWS: Wie haben Sie eigentlcih von Ihrer Kündigung erfahren?

Schüller: Montag durch einen Brief des Kardinals.

NEWS: Wann hatten Sie zuletzt davor Kontakt zu ihm?

Schüller: Einige Tage zuvor. Wir hatten stets zweimal wöchentlich einen jour fixe, so auch vergangene Woche.

NEWS: Und da hatte zuletzt Schönborn keine Kritik geübt, keine Differenz angesprochen?

Schüller: Nein.

NEWS: Der Kardinal spricht von "unterschiedlichen Auffassungen über das Leitungskonzept der Diözese" und davon, daß er nun "verstärkt Akzente in Richtung spirituelle Erneuerung" setzen möchte. Verstehen Sie diese seine Interpretation?

Schüller: Ehrlich gesagt nein. Ich habe gedacht, daß auch in meinen Leitungskonzepten die spirituelle Orientierung klar gewesen wäre. Und auch die organisatorischen Projekte sind stets abgesprochen gewesen.

NEWS: Welche Tätigkeit werden Sie nun ab Ostern ausüben?

Schüller: Das, was ich seit Dezember 1997 tue, nur ausschließlicher: Als Pfarrer in Probstdorf wirken. Ich bitte um zentrale Feststellung: Mir geht es ungleich besser als anderen Gekündigten. Ich wirke in meinem zentralen Grundberuf als Priester weiter, ich muß mir auch keine finanziellen Sorgen um eine Familie machen. Der Kirche soll aus meiner Ablöse kein Schaden entstehen.

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