• 24.02.1999, 14:50:33
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  • OTS0216

Helmut Schüller im ausführlichen NEWS-Interwiew: * "Habe stets alles mit dem Kardinal abgesprochen" * "Schönborn hat mich ausdrücklich seiner Wertschätzung bestätigt

für meine Stellungnahmen zum Dialog für Österreich, zu Bischof Krenn
und zur Abtreibungsfrage"
* "Hätte mir gewünscht, daß nach so unruhigen Zeiten nicht neue
Unruhe in unsere Kirche gebracht worden wäre"
Vorausmeldung zu NEWS 8/99 =

Wien (OTS) - Im ersten ausführlichen Interview nach seiner
Absetzung als Generalvikar der Erzdiözese Wien hat Helmut Schüller
NEWS gegenüber indirekt auch Kritik an Kardinal Christoph Schönborn
geübt, gleichzeitig aber betont, die katholische Kirche solle durch
seine Kündigung kein Schaden erwachsen. Im folgenden Auszüge aus dem
Gespräch:

NEWS: Was empfinden Sie derzeit am Abend nach der offiziellen
Ankündigung Ihrer bevorstehenden Abberufung?

Schüller: In erster Linie noch immer völlige Überraschung. Dann
Wehmut darüber wie stets, wenn man eine Aufgabe beenden muß, die
einem Freude gemacht hat. Sicher auch Sorge über begonnene Projekte.
Und zunehmend auch die Erkenntnis, daß es besser ist, wenn
rechtzeitig klar gemacht wird, daß es eben doch offenbar
tiefergehende Differenzen gegeben hat, als ich vermutet hätte.

NEWS: Differenzen worüber?

Schüller: Nicht inhaltliche Differenzen über den Kirchenkurs, das
hat Kardinal Schönborn sowohl mir gegenüber als auch öffentlich
bestätigt. Im Gegenteil: Er hat mich ausdrücklich seiner
Wertschätzung bestätigt für meine Stellungsnahme zum Dialog für
Österreich, zu Bischof Krenn, zur Abtreibungsfrage oder in diesem
Zusammenhang auch zu Weihbischof Laun. Ich war doch nicht so naiv,
mich zu Wort zu melden, ohne all diese Dinge mit ihm abgesprochen zu
haben. Alles war mit ihm abgesprochen.

NEWS: Dennoch muß es Differenzen gegeben haben.

Schüller: Offenbar. Wir hatten einmal in einer Personalfrage im
Herbst eine Differenz, ich habe geglaubt, das wäre damals ausgeräumt
gewesen.

NEWS: Wie haben Sie eigentlcih von Ihrer Kündigung erfahren?

Schüller: Montag durch einen Brief des Kardinals.

NEWS: Wann hatten Sie zuletzt davor Kontakt zu ihm?

Schüller: Einige Tage zuvor. Wir hatten stets zweimal wöchentlich
einen jour fixe, so auch vergangene Woche.

NEWS: Und da hatte zuletzt Schönborn keine Kritik geübt, keine
Differenz angesprochen?

Schüller: Nein.

NEWS: Der Kardinal spricht von "unterschiedlichen Auffassungen
über das Leitungskonzept der Diözese" und davon, daß er nun
"verstärkt Akzente in Richtung spirituelle Erneuerung" setzen möchte.
Verstehen Sie diese seine Interpretation?

Schüller: Ehrlich gesagt nein. Ich habe gedacht, daß auch in
meinen Leitungskonzepten die spirituelle Orientierung klar gewesen
wäre. Und auch die organisatorischen Projekte sind stets abgesprochen
gewesen.

NEWS: Welche Tätigkeit werden Sie nun ab Ostern ausüben?

Schüller: Das, was ich seit Dezember 1997 tue, nur
ausschließlicher: Als Pfarrer in Probstdorf wirken. Ich bitte um
zentrale Feststellung: Mir geht es ungleich besser als anderen
Gekündigten. Ich wirke in meinem zentralen Grundberuf als Priester
weiter, ich muß mir auch keine finanziellen Sorgen um eine Familie
machen. Der Kirche soll aus meiner Ablöse kein Schaden entstehen.

Rückfragehinweis: News, Chefredaktion
Tel.: (01) 213 12/101

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