Chemische Industrie bekennt sich zu "Responsible Care"

In Sachen Umwelt und Sicherheit setzt man in Österreich auf Eigeninitiative

Wien (FCIÖ) - Mit dem freiwilligen Programm "Responsible Care" zeigt Österreichs chemische Industrie, daß ihr Verantwortung für Mensch und Umwelt am Herzen liegt. Hinter diesen beiden Worten verbirgt sich eine weltweite Initiative chemischer Betriebe, die sich zum Zweck einer Verbesserung der Gesundheits-, Sicherheits- und Umweltsituation strenge Selbstkontrolle auferlegt haben. Das Besondere am Programm Responsible Care sind dabei die spezifische Ausrichtung auf die chemische Industrie, die Beurteilung durch einen externen Gutachter und eine auf den Zeitraum von drei Jahren limitierte Verleihung. ****

Die Idee zu diesem Projekt stammt aus Kanada, wo 1984 vom kanadischen Chemieverband die Leitsätze für "Responsible Care", zu deutsch "verantwortungsvolles Handeln", erarbeitet wurden. Wenig später übernahm sie der europäische Chemie- Dachverband (CEFIC) mit der Zielsetzung, das Programm in allen nationalen Verbänden Europas zu implementieren. Die konkrete Umsetzung ist dabei Angelegenheit des jeweiligen Landes.

Musterschüler Österreich

In Österreich entschloß sich der Fachverband der chemischen Industrie sehr früh zur Einführung einer eingehenden Betriebsprüfung:
Obwohl im Vergleich zu anderen europäischen Staaten die gesetzlichen Auflagen und Vorschriften für Betriebe als streng bezeichnet werden können, müssen im Rahmen des "Responsible Care"-Programmes eine Reihe von darüber hinausgehenden Maßnahmen erfüllt werden.

"Österreich war das erste Land, in dem ein externer, unabhängiger Prüfer die Beurteilung des Betriebes vornimmt", erklärt Dr. Franz Latzko, Responsible Care-Verantwortlicher des Fachverbandes, nicht ohne Stolz. "Damit wollen wir deutlich machen, daß es sich um eine ernstgemeinte Selbstverpflichtung der chemischen Industrie handelt, ihre Verantwortung gegenüber Mensch und Umwelt wahrzunehmen."

Schritt für Schritt zum Zertifikat

Plant ein Unternehmen, sich der Responsible Care Prüfung zu unterziehen, meldet es sein Interesse beim Fachverband der chemischen Industrie an und wird zu Beginn mit allen erforderlichen Unterlagen und Checklisten versorgt, die einer ersten Selbstprüfung dienen sollen. In weiterer Folge übernimmt der Fachverband die Anmeldung zur Prüfung, ersucht um Nominierung eines unabhängigen WIFI-Gutachters und berät den Betrieb bei den Vorbereitungen. Anschließend wird der Bericht des Gutachters einer formalen Überprüfung unterzogen.

Die Überprüfung nimmt je nach Betriebsgröße ein bis zwei Prüfer einen vollen Tag in Anspruch. Schließlich müssen rund 200 Fragen in den Bereichen Energie, Entsorgung, Lagerung, Arbeitnehmerschutz, Störfallvorsorge und Umweltorganisation - um nur einige zu nennen -nach einem Punktesystem bewertet werden. Dabei kann mit der Erfüllung aller gesetzlichen Auflagen lediglich die Hälfte der Punkte erreicht werden, für das Bestehen der Prüfung sind jedoch 80 Prozent erforderlich. Besitzt ein Unternehmen mehrere Standorte, muß es sich auch mehreren Überprüfungen stellen, da jeder Standort einzeln bewertet wird.

Hat ein Betrieb alle Schritte erfolgreich abgeschlossen, erhält er vom Fachverband der chemischen Industrie das auf drei Jahre befristete Zertifikat "Responsible Care" verliehen. Der Gebrauch dieses Zeichens ist jedoch auf Firmenwerbung beschränkt und darf nicht für Produktwerbung verwendet werden, um die Konsumenten durch die Vielfalt der unterschiedlichen Zertifizierungen nicht zu verwirren. Nach Ablauf der drei Jahre muß sich der Betrieb einer Kontrollüberprüfung unterziehen, um die Bezeichung "Responsible Care" weiterführen zu dürfen.

Abgrenzung zu EMAS und ISO

Verwirrung herrscht indessen mancherorts über den wachsenden Markt der diversen Zertifizierungen, deren Unterschiede für Laien nur mehr schwer zu überblicken sind. Neben den Normen der International Organization of Standardization (ISO 9.000 für die allgemeine Vereinheitlichung betrieblicher Abläufe und ISO 14.000 für alle betrieblichen Abläufe, die die natürliche Umwelt betreffen) entwickelte die EU 1995 zusätzlich die sogenannte EMAS-Verordnung.

Diese Verordnung, in Österreich als "Öko-Audit" bezeichnet, soll ebenfalls von den EU-Mitgliedsstaaten auf nationaler Ebene umgesetzt werden und basiert wie Responsible Care auf Freiwilligkeit und Selbstverantwortung. Zielsetzung und Vorgangsweise haben große Ähnlichkeit mit Responsible Care, aber es gibt doch Unterschiede:
"Der Vorteil von Responsible Care liegt in der speziellen Abstimmung auf die Besonderheiten einer Branche, in diesem Fall die Produktionsbetriebe der chemischen Industrie", erklärt Experte Dr. Latzko.

Ein weiterer Unterschied besteht darin, daß Responsible Care auch die Bereiche Sicherheit und Arbeitnehmerschutz einschließt und somit über den von der EMAS-Verordnung abgedeckten Umweltbereich hinausgeht. "Generell kann man allerdings sagen, daß sich die Systeme in ihren Anforderungen aufeinander zu entwickeln", vermutet Dr. Latzko eine baldige Vereinfachung der Zertifizierungsthematik.

Derzeit sind in Österreich 32 Standorte Responsible Care geprüft, auf die rund 50 Prozent der gesamten Produktion und etwa ein Drittel der Mitarbeiter der österreichischen chemischen Industrie entfallen. Bereits in Planung ist eine Ausweitung auf Betriebe des Chemikalienhandels und der Mineralölindustrie in entsprechend adaptierter Form.

Siehe auch APA/OTS-Bild www.ots.apa.at/file-service/4019.htm

*** OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER

VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS ***

Rückfragen & Kontakt:

Dr. Franz Latzko
LatzkoF@fcio.wk.or.at
Telefon (01) 50105-3367
http://www.wk.or.at/fcio/
oder
PR-Büro Halik
Mag. Doris Kornitzer
Telefon (01) ) 59664211
prhalik@inode.at

Fachverband der chemischen Industrie

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | HAG/FCIÖ