Knotzer: Ein Turm für den "Landesfürsten"

Selbstverständnis des Landeshauptmannes treibt seltsame Blüten

St. Pölten, (SPI) - Niederösterreich bekommt einen eigenen Turm, der "Landeshauptmann Erwin Pröll" heißt. Er steht nicht im Landhausviertel in St. Pölten, obwohl wir dort auch einen Turm haben. Nein - dieses Monument der Größe (Höhe) wird am Semmering errichtet, zu Ehren des Landesfürsten. Dieser Begriff ist nicht zufällig gewählt - war es doch in mittelalterlichen Zeiten üblich, daß sich der Monarch schon zu Lebzeiten Denkmäler errichten ließ. In unseren Tagen hatte sich dieses Brauchtum in Staaten gehalten, mit denen unser Landesfürst in früherer Zeit nicht allzu viel Freude hatte. Doch auch diese Monumente sind gefallen, meist zeitgleich mit den entsprechenden Fürsten.****

"Haben wir in Niederösterreich nicht genug "auszeichnungswürdige" Persönlichkeiten, für die die Namensgebung eines Bauwerkes eine wirkliche Auszeichnung der Gesellschaft bedeuten würde. Menschen, die gesellschaftlich, sozial oder künstlerisch uns vieles gegeben haben. Müssen wir diese Persönlichkeiten in Niederösterreich missen, daß keiner greifbar wäre, seinen Namen einem Turm zu schenken", fragt sich heute SP-Landtagsabgeordneter Fritz Knotzer. Brauchen wir wirklich einen Erwin-Pröll-Turm, den sich der Landeshauptmann noch dazu teilweise aus Landesmitteln selbst finanziert. Die Antwort muß sich jeder selbst geben. Wir brauchen in Niederösterreich auch eine Selbstdarstellungs- und Parteibelangsendung "Forum Niederösterreich", wir brauchen auch auf allen "Amtlichen Nachrichten" der Landesregierung ein Foto des Landeshauptmannes und wir brauchen in jeder schriftlichen Publikation der Landesregierung ein Vorwort von Erwin Pröll - dem Landesfürsten.

"Die Geisteshaltung, ein Land wie ein Lehnsgut zu verwalten und "regieren” zu können, treibt manchmal seltsame Blüten. LH Erwin Pröll kann in Zukunft auf seinem eigenen Holzturm stehen, die Baustelle der Semmering-Schnellstraße beobachten und weiß sich im Einklang mit der Natur. Denn auf dieser Baustelle werden 600.000 Quadratmeter Wald geschlägert, vielleicht steht er gerade dann auf Brettern, die der Straße weichen mußten. Ein anderes Bauwerk wird er nicht sehen, denn dieses ist tief unten im Berg und weit weg hinter der Landesgrenze seines Reiches, das es zu verteidigen gilt", so Knotzer. Glückliches Niederösterreich, wir haben als einziges Bundesland einen Landeshauptmannturm. Wenn uns da nicht andere nachziehen - dann müssen wir vielleicht bald eine Erwin Pröll-Autobahn, einen Erwin Pröll Flughafen oder vielleicht doch nur eine "Erwin Pröll Müllverbrennung" bauen. Das könnte teuer werden!
(Schluß) fa

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