Red Bull: Überwachung durch Detektive soll Mitbewerbern die Flügerl stutzen

Energydrink-Hersteller Red Bull geht mit sehr rüden Methoden gegen heimische Wirte vor

WIEN (OTS) - Die Herren kommen im Morgengrauen und sie bleiben nie lange. Sie sehen aus wie normale Lokalbesucher, sie benehmen sich wie normale Lokalbesucher doch der Schein trügt. Leger an die Bar gelehnt, ordern sie ihre Drinks: einen doppelten Wodka und ein Wodka-Red Bull. Mit letzterem entschwinden sie auf die Toilette, um unbeobachtet Proben zu ziehen. Und wehe, der Saft stammt nicht aus der Salzburger Energydrink-Brauerei. Dann verfolgt der Auftraggaber der diskreten Herren, Red Bull-Chef Dieter Mateschitz, die Übeltäter mit fast alttestamentarischer Härte.

Prozessflut gegen Wirte

Über 30 Verfahren gegen österreichische Wirte hat Mateschitz auf diese Weise bereits angestrengt. Und wöchentlich werden es mehr. Das Argument: Wird ein Wodka-Red Bull verlangt, muß auch Red Bull drinnen sein und kein x-beliebiger Energiespender. Auszug aus der Klage gegen die Betreiber des Grazer Lokales Bergwerk: "Die Beklagte nimmt Bestellungen für Red Bull entgegen, läßt aber tatsächlich ein Getränk verabreichen, welches nicht Red Bull, sondern namentlich für Kunden nicht näher bezeichnete Containerware ist." Zudem ließ sich Mateschitz vor zwei Jahren auch den Begriff "Flügerl" schützen die Mixtur aus rotem Wodka und Energydrink.

Nun hat er sich zum Ziel gesetzt, seinen Mitbewerbern kräftig die "Flügerl" zu stutzen, indem er verlangt, daß unter diesem inzwischen gebräuchlichen Namen georderte Getränke ausschließlich mit Red Bull zubereitet werden dürfen. Viele Wirte sind sauer. Bergwerk-Betreiber Gerwin Kürzl spart nicht mit Kritik an den Erhebungsmethoden: "Die beiden Detektive konnten sich bei der Einvernahme nicht einmal mehr erinnern, ob sie eine Rechnung verlangt haben, ob sie an einer anderen Bar in unserem Lokal noch etwas getrunken haben und ob sie noch andere Testkäufe an diesem Abend abgewickelt haben." Gemeinsam mit einigen anderen Lokalbetreibern, etwa der österreichweit aktiven "Nachtschicht"-Kette, hat Kürzl der Red Bull GmbH deshalb den Rücken zugedreht: "Nicht zuletzt deshalb, weil Red Bull nicht als Containerware, sondern nur in Dosen erhältlich ist. Und diese eignen sich nicht für Mixgetränke."

Die Gastronomen beharren auch darauf, daß es den Begriff "Flügerl", ähnlich wie das "Rüscherl" aus Cola und Weinbrand, schon länger gibt als Red Bull. Die dortige Rechtsabteilung erklärt hingegen, Umfragen haben gezeigt, daß das Flügerl vom Konsumenten klar mit Red Bull assoziiert werde. Daß Red Bull die Wirte auf die Hörner nimmt, sei überhaupt im Sinne der Konsumenten, betont Verkaufsleiter Manfred Hückel: "Bei uns häufen sich schon die Beschwerden über mangelnde Qualität. Dagegen mußten wir vorgehen."

Milliardenschwerer Bulle

Die Einbußen durch die Abkehr erboster Wirte betragen über 300.000 Dosen und Flaschen jährlich - eine Menge, die der milliardenschwere Unternehmer Mateschitz kaum spürt. 1998 erzielte Red Bull weltweit mit 350 Millionen Dosen und Flaschen 3,5 Milliarden Schilling Umsatz, nicht einmal mehr ein Fünftel davon in Österreich. Für Gastronom Kürzl ist trotzdem klar, daß der Bulle zu biegen ist: "Viele Kollegen lassen sich durch die Klagssummen von einer halben Million Schilling einschüchtern und schließen einen Vergleich. Wir haben uns gewehrt und bekamen plötzlich via Anwalt angeboten, die Sache ruhen zu lassen."

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