- 07.02.1999, 10:01:25
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Red Bull: Überwachung durch Detektive soll Mitbewerbern die Flügerl stutzen
Energydrink-Hersteller Red Bull geht mit sehr rüden Methoden gegen heimische Wirte vor
WIEN (OTS) - Die Herren kommen im Morgengrauen und sie bleiben nie
lange. Sie sehen aus wie normale Lokalbesucher, sie benehmen sich wie
normale Lokalbesucher doch der Schein trügt. Leger an die Bar
gelehnt, ordern sie ihre Drinks: einen doppelten Wodka und ein
Wodka-Red Bull. Mit letzterem entschwinden sie auf die Toilette, um
unbeobachtet Proben zu ziehen. Und wehe, der Saft stammt nicht aus
der Salzburger Energydrink-Brauerei. Dann verfolgt der Auftraggaber
der diskreten Herren, Red Bull-Chef Dieter Mateschitz, die Übeltäter
mit fast alttestamentarischer Härte.
Prozessflut gegen Wirte
Über 30 Verfahren gegen österreichische Wirte hat Mateschitz auf
diese Weise bereits angestrengt. Und wöchentlich werden es mehr. Das
Argument: Wird ein Wodka-Red Bull verlangt, muß auch Red Bull drinnen
sein und kein x-beliebiger Energiespender. Auszug aus der Klage gegen
die Betreiber des Grazer Lokales Bergwerk: "Die Beklagte nimmt
Bestellungen für Red Bull entgegen, läßt aber tatsächlich ein Getränk
verabreichen, welches nicht Red Bull, sondern namentlich für Kunden
nicht näher bezeichnete Containerware ist." Zudem ließ sich
Mateschitz vor zwei Jahren auch den Begriff "Flügerl" schützen die
Mixtur aus rotem Wodka und Energydrink.
Nun hat er sich zum Ziel gesetzt, seinen Mitbewerbern kräftig die
"Flügerl" zu stutzen, indem er verlangt, daß unter diesem inzwischen
gebräuchlichen Namen georderte Getränke ausschließlich mit Red Bull
zubereitet werden dürfen. Viele Wirte sind sauer. Bergwerk-Betreiber
Gerwin Kürzl spart nicht mit Kritik an den Erhebungsmethoden: "Die
beiden Detektive konnten sich bei der Einvernahme nicht einmal mehr
erinnern, ob sie eine Rechnung verlangt haben, ob sie an einer
anderen Bar in unserem Lokal noch etwas getrunken haben und ob sie
noch andere Testkäufe an diesem Abend abgewickelt haben." Gemeinsam
mit einigen anderen Lokalbetreibern, etwa der österreichweit aktiven
"Nachtschicht"-Kette, hat Kürzl der Red Bull GmbH deshalb den Rücken
zugedreht: "Nicht zuletzt deshalb, weil Red Bull nicht als
Containerware, sondern nur in Dosen erhältlich ist. Und diese eignen
sich nicht für Mixgetränke."
Die Gastronomen beharren auch darauf, daß es den Begriff
"Flügerl", ähnlich wie das "Rüscherl" aus Cola und Weinbrand, schon
länger gibt als Red Bull. Die dortige Rechtsabteilung erklärt
hingegen, Umfragen haben gezeigt, daß das Flügerl vom Konsumenten
klar mit Red Bull assoziiert werde. Daß Red Bull die Wirte auf die
Hörner nimmt, sei überhaupt im Sinne der Konsumenten, betont
Verkaufsleiter Manfred Hückel: "Bei uns häufen sich schon die
Beschwerden über mangelnde Qualität. Dagegen mußten wir vorgehen."
Milliardenschwerer Bulle
Die Einbußen durch die Abkehr erboster Wirte betragen über 300.000
Dosen und Flaschen jährlich - eine Menge, die der milliardenschwere
Unternehmer Mateschitz kaum spürt. 1998 erzielte Red Bull weltweit
mit 350 Millionen Dosen und Flaschen 3,5 Milliarden Schilling Umsatz,
nicht einmal mehr ein Fünftel davon in Österreich. Für Gastronom
Kürzl ist trotzdem klar, daß der Bulle zu biegen ist: "Viele Kollegen
lassen sich durch die Klagssummen von einer halben Million Schilling
einschüchtern und schließen einen Vergleich. Wir haben uns gewehrt
und bekamen plötzlich via Anwalt angeboten, die Sache ruhen zu
lassen."
(Schluß)
Rückfragehinweis: Format, Michael Nikbakhsh
Tel.: 0664 301 46 16
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