- 24.01.1999, 10:00:31
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Entschlüsselte Geheimdienst-Dateien enthalten Hinweise auf österreichische DDR-Agenten
Gauck-Mitarbeiter zu FORMAT: "Hinweise auf Landesverrat" - Spionagetätigkeit kann noch immer strafrechtlich verfolgt werden
Wien (OTS) - In einem Interview mit dem am Montag erscheinenden
Nachrichtenmagazin FORMAT bestätigt Helmut Müller-Enbergs,
wissenschaftlicher Mitarbeiter der Berliner Gauck-Behörde, daß in
jüngst entschlüsselten SIRA (System, Information, Recherche der
Aufklärung)-Computerdateien des ehemaligen DDR-Auslandsgeheimdienstes
HVA zahlreiche Hinweise auf österreichische Agenten enthalten sind.
Müller-Enbergs - seine Dokumentation 'Inoffizielle Mitarbeiter des
MfS' (Chr. Links Verlag) gilt als Standardwerk über die DDR-Spionage
- zu FORMAT : "Das SIRA-Material bringt mit Sicherheit Aufschluß über
Aktivitäten von Österreichern. Man wird deren Decknamen und die
Kurzfassungen ihrer Informationen finden. Man wird auch Hinweise
finden, die zumindest in die Nähe von Landesverrat führen können. Das
muß aber noch untersucht werden."
Die Gauck-Behörde verfüge bereits über die Decknamen mehrerer
bislang unbekannter österreichischer HVA-Spione: Unter anderem auf
einen heute 59jährigen Mann mit dem Decknamen "Weidemann".
"Weidemann" hatte die Aufgabe, Agenten für die DDR zu rekrutieren.
Ähnlich wie ein Verfahrenstechniker (Jahrgang 1944), der unter dem
Decknamen 'Kranich' 'Kandidaten' für die HVA ausfindig machen und
Dossiers über diese Personen verfassen sollte. Auch ein 41jähriger
Mathematiker (Deckname: Peter Klein) soll bis zum Fall der Berliner
Mauer aus Österreich für die DDR tätig gewesen sein.
Endgültigte Klarheit über die Identität der österreichischen
Stasi-Spitzel wird erst bestehen, wenn die SIRA-Dateien, in denen
über 180.000 Datensätze (Decknamen und Informationen über
Geheimdienstoperationen) gespeichert sind , mit der in CIA-Besitz
befindlichen Klarnamen-Registratur der HVA abgeglichen wurden.
Die österreichischen Sicherheitsbehörden wollen jedenfalls so schnell
wie möglich herausfinden, wer zur Zeit des Kalten Krieges für die
ehemalige DDR spioniert hat. Michael Sika, Generaldirektor für die
Öffentliche Sicherheit: "Wir sind natürlich an den Klarnamen der
Agenten interessiert."
Strafrechtlich kann die Tätigkeit für die HVA immer noch verfolgt
werden. Die Delikte 'Geheimer Nachrichtendienst zum Nachteil
Österreichs' und 'Militärischer Nachrichtendienst für einen fremden
Staat' verjähren zwar nach fünf Jahren; läßt sich jedoch
'Amtsmißbrauch' oder - wie von Müller-Enbergs angedeutet - "Verrat
von Staatsgeheimnissen" nachweisen, können die Sicherheitsbehörden
immer noch Strafanzeige erstatten.
Rückfragehinweis: Format, Andreas Weber: 06643027327
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