• 23.12.1998, 11:41:56
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  • OTS0078

Grüner Tee - kein Universalheilmittel!

Wien (OTS) - Grüntee ist eines der ältesten Kulturgetränke. In den
Ländern Asiens, in denen grüner Tee eine 5000-jährige Tradition hat,
gilt er geradezu als Heilmittel. Ihm werden ein Vielzahl
gesundheitsfördernder Eigenschaften zugeschrieben. Grüntee soll das
Krebsrisiko verringern, hohen Blutdruck und den
Blutcholesterinspiegel senken, vor Herzinfarkt und Arteriosklerose
schützen, dem Zahnkaries, Blasen- Gallen- und Nierensteinen vorbeugen
sowie die Immunabwehr stärken und Heilungsvorgänge beschleunigen. Im
Handel wird grüner Tee auch als Heilmittel gegen Müdigkeit, geistige
Erschöpfung, Haarausfall, Mundgeruch und Erkrankungen des Magen- und
Darmtrakts angepriesen.

Diese Wirkungen sind jedoch trotz zahlreicher pharmakologischer
Untersuchungen wissenschaftlich nicht ausreichend belegt. Auch weisen
Studienergebnisse daraufhin, daß medizinische Effekte erst ab einer
Mindestdosis von vier bis sieben Tassen á 150 ml zu erzielen sind.
Grüner Tee ist also, wenn er in den üblichen Mengen getrunken wird,
in erster Linie als Genuß- und nicht als Heilmittel zu betrachten.

Heilwirkungen werden vor allem dem naturbelassenen Grüntee
zugesprochen, während sein schwarzes Pendant meist nur aufgrund
seiner anregenden bzw. entspannenden Wirkung erwähnt wird. In neueren
wissenschaftlichen Untersuchungen erzielte aber auch der schwarze Tee
ähnliche Wirkungen. Prinzipiell stammt der grüne Tee von derselben
Pflanze wie der Schwarztee, dem Teestrauch Camellia sinensis. Im
Unterschied zum schwarzen Tee wird er jedoch nicht in Gärkammern
fermentiert. Die Teeblätter werden nach dem Welken mit Wasserdampf
behandelt oder in flachen eisernen Pfannen getrocknet und erhitzt.
Die Hitzeeinwirkung bewirkt die Zerstörung der pflanzeneigenen Enzyme
und verhindert so Fermentationsprozesse.

Durch dieses Herstellungsverfahren werden die Catechine als größte
Gruppe der Polyphenole oder Tannine (sogenannte Gerbstoffe) weitaus
weniger verändert als bei der Schwarzteeherstellung. Da grüner Tee
damit mehr koffeinbindende Gerbstoffe enthält als schwarzer, wirkt er
ähnlich anregend wie Schwarztee, ist aber sanfter und verträglicher.
Der Koffeingehalt des grünen Tees ist abhängig von der Sorte und
schwankt zwischen 13 mg und 36 mg pro 100 ml. Den Koffeingehalt
bekommt man auch durch die Zubereitung in den Griff. Zieht der Tee
vier bis sechs Minuten binden sich die Gerbstoffe fester an die
Koffeinmoleküle und verzögern dadurch Ihre Wirkung.

Sowohl schwarzer als auch grüner Tee haben eine hohe antioxidative
Kapazität. Antioxidantien wird ein günstiger Einfluß auf das
Herz-Kreislaufsystem zugeschrieben. Bei Messungen der antioxidativen
Kapazität verschiedener Teesorten wurden im grünen Tee die höchsten
antioxidativen Potentiale nachgewiesen. Während
oxidationsempfindliche Verbindungen, wie beispielsweise Vitamin C,
bei der schonenderen Grünteeherstellung weitgehend erhalten bleiben,
werden diese bei der Herstellung des Schwarztees zerstört. Grüner Tee
enthält je nach Sorte pro 100 g ungefähr 13 - 29 mg Carotin und 60 -
250 mg Vitamin C. Zudem wirken die im Grüntee enthaltenen Catechine
ca. zwanzigmal antioxidativer als Vitamin E. Grüner Tee ist aber auch
wegen seines hohen Fluoridgehalts gegen Karies wirksam. Zur
Kariesprophylaxe reichen dabei schon zwei Tassen pro Tag.

Studienergebnisse bescheinigen dem grünen Tee möglicherweise eine
anticancerogene Wirkung. Wie diese Wirkung zustande kommt, ist bisher
noch nicht geklärt. Neuere Untersuchungen stellen fest, daß das im
grünen Tee enthaltene Catechin "Epigallo-catechin-3-gallat" (EGCG)
das Enzym Urokinase blockiert. Urokinase liegt in Krebszellen in
hohen Konzentrationen vor und scheint den Erkrankungsprozess
voranzutreiben. Die Blockierung dieses Enzyms kann möglicherweise die
Entstehung von Krebs verhindern. Seit kurzem weiß man auch, daß EGCG
die Ausbreitung von Kariesbakterien verhindert und auch die Wirkung
des Hormons Angiotensin I unterdrückt, das zu den Hauptauslösern von
Bluthochdruck gehört. Eine Tasse grüner Tee enthält bis zu 150 mg
EGCG. Wissenschafter gehen von einer Mindestdosis von ungefähr 500 mg
EGCG täglich aus.

Interessant für den Verbraucher ist auch, daß viele Grüntees leider
nicht frei von Schadstoffen sind. In Japan und China werden von den
Teeanbauern verbreitet Pflanzenschutzmittel eingesetzt, die in Europa
verboten sind. Beim Kauf sollte daher darauf geachtet werden aus
welchem Anbau der Tee stammt.

Die Autorin ist die Ernährungswissenschafterin Frau Mag. Alexandra
Gruber

Rückfragehinweis: ÖGE, Zaunergasse l-3, 1030 Wien,
Tel:+43/1/714 71 93, Fax: +43/1/718 61 46

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