Grüner Tee - kein Universalheilmittel!

Wien (OTS) - Grüntee ist eines der ältesten Kulturgetränke. In den Ländern Asiens, in denen grüner Tee eine 5000-jährige Tradition hat, gilt er geradezu als Heilmittel. Ihm werden ein Vielzahl gesundheitsfördernder Eigenschaften zugeschrieben. Grüntee soll das Krebsrisiko verringern, hohen Blutdruck und den Blutcholesterinspiegel senken, vor Herzinfarkt und Arteriosklerose schützen, dem Zahnkaries, Blasen- Gallen- und Nierensteinen vorbeugen sowie die Immunabwehr stärken und Heilungsvorgänge beschleunigen. Im Handel wird grüner Tee auch als Heilmittel gegen Müdigkeit, geistige Erschöpfung, Haarausfall, Mundgeruch und Erkrankungen des Magen- und Darmtrakts angepriesen.

Diese Wirkungen sind jedoch trotz zahlreicher pharmakologischer Untersuchungen wissenschaftlich nicht ausreichend belegt. Auch weisen Studienergebnisse daraufhin, daß medizinische Effekte erst ab einer Mindestdosis von vier bis sieben Tassen á 150 ml zu erzielen sind. Grüner Tee ist also, wenn er in den üblichen Mengen getrunken wird, in erster Linie als Genuß- und nicht als Heilmittel zu betrachten.

Heilwirkungen werden vor allem dem naturbelassenen Grüntee zugesprochen, während sein schwarzes Pendant meist nur aufgrund seiner anregenden bzw. entspannenden Wirkung erwähnt wird. In neueren wissenschaftlichen Untersuchungen erzielte aber auch der schwarze Tee ähnliche Wirkungen. Prinzipiell stammt der grüne Tee von derselben Pflanze wie der Schwarztee, dem Teestrauch Camellia sinensis. Im Unterschied zum schwarzen Tee wird er jedoch nicht in Gärkammern fermentiert. Die Teeblätter werden nach dem Welken mit Wasserdampf behandelt oder in flachen eisernen Pfannen getrocknet und erhitzt. Die Hitzeeinwirkung bewirkt die Zerstörung der pflanzeneigenen Enzyme und verhindert so Fermentationsprozesse.

Durch dieses Herstellungsverfahren werden die Catechine als größte Gruppe der Polyphenole oder Tannine (sogenannte Gerbstoffe) weitaus weniger verändert als bei der Schwarzteeherstellung. Da grüner Tee damit mehr koffeinbindende Gerbstoffe enthält als schwarzer, wirkt er ähnlich anregend wie Schwarztee, ist aber sanfter und verträglicher. Der Koffeingehalt des grünen Tees ist abhängig von der Sorte und schwankt zwischen 13 mg und 36 mg pro 100 ml. Den Koffeingehalt bekommt man auch durch die Zubereitung in den Griff. Zieht der Tee vier bis sechs Minuten binden sich die Gerbstoffe fester an die Koffeinmoleküle und verzögern dadurch Ihre Wirkung.

Sowohl schwarzer als auch grüner Tee haben eine hohe antioxidative Kapazität. Antioxidantien wird ein günstiger Einfluß auf das Herz-Kreislaufsystem zugeschrieben. Bei Messungen der antioxidativen Kapazität verschiedener Teesorten wurden im grünen Tee die höchsten antioxidativen Potentiale nachgewiesen. Während oxidationsempfindliche Verbindungen, wie beispielsweise Vitamin C, bei der schonenderen Grünteeherstellung weitgehend erhalten bleiben, werden diese bei der Herstellung des Schwarztees zerstört. Grüner Tee enthält je nach Sorte pro 100 g ungefähr 13 - 29 mg Carotin und 60 -250 mg Vitamin C. Zudem wirken die im Grüntee enthaltenen Catechine ca. zwanzigmal antioxidativer als Vitamin E. Grüner Tee ist aber auch wegen seines hohen Fluoridgehalts gegen Karies wirksam. Zur Kariesprophylaxe reichen dabei schon zwei Tassen pro Tag.

Studienergebnisse bescheinigen dem grünen Tee möglicherweise eine anticancerogene Wirkung. Wie diese Wirkung zustande kommt, ist bisher noch nicht geklärt. Neuere Untersuchungen stellen fest, daß das im grünen Tee enthaltene Catechin "Epigallo-catechin-3-gallat" (EGCG) das Enzym Urokinase blockiert. Urokinase liegt in Krebszellen in hohen Konzentrationen vor und scheint den Erkrankungsprozess voranzutreiben. Die Blockierung dieses Enzyms kann möglicherweise die Entstehung von Krebs verhindern. Seit kurzem weiß man auch, daß EGCG die Ausbreitung von Kariesbakterien verhindert und auch die Wirkung des Hormons Angiotensin I unterdrückt, das zu den Hauptauslösern von Bluthochdruck gehört. Eine Tasse grüner Tee enthält bis zu 150 mg EGCG. Wissenschafter gehen von einer Mindestdosis von ungefähr 500 mg EGCG täglich aus.

Interessant für den Verbraucher ist auch, daß viele Grüntees leider nicht frei von Schadstoffen sind. In Japan und China werden von den Teeanbauern verbreitet Pflanzenschutzmittel eingesetzt, die in Europa verboten sind. Beim Kauf sollte daher darauf geachtet werden aus welchem Anbau der Tee stammt.

Die Autorin ist die Ernährungswissenschafterin Frau Mag. Alexandra Gruber

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