Gerichtakt zum Bergwerksunglück in Lassing belastet Beschuldigte schwer - Selbst Abbauflächen, die von der Berghauptmannschaft bescheidmäßig

Wien (OTS) - genehmigt waren, reichten zu nahe an die Erdkruste, sagt der Gerichtsgutachter
- Unglücksursache: "Sicherheitsfeste wurde nicht eingehalten"
- "Fachleute hätten drohende Gefahr erkennen müssen" -Vorausmeldung zu NEWS Nr. 51, 17. Dezember 1998 =

Der Gerichtakt zum Bergwerksunglück in Lassing am
17. Juli 1998 enthält schwere Belastungsmomente gegen jene neun Beschuldigten - unter ihnen Berghauptmann Wolfgang Wedrac und Beamte des Wirtschaftsministeriums-, gegen die von der Staatsanwaltschaft Leoben gerichtliche Vorerhebungen wegen des Verdachts der fahrlässigen Gemeingefährdung eingeleitet wurden. Wie das Nachrichtenmagazin NEWS in seiner jüngsten Ausgabe berichtet, gehen Gerichtsgutachter und Ermittler der Gendarmerie in ihren Berichten an die Staatsanwaltschaft davon aus, daß auch jene Abbauflächen, die bescheidmäßig von der Berghauptmannschaft genehmigt waren, zu nahe an die Erdkruste heranreichten und aus fachlicher Sicht nicht zu rechtfertigen waren.

Als geklärt kann auch die Ursache für den Einsturz des Bergwerkes betrachtet werden. Der Sachverständige Friedrich Hollmann gibt im Gerichtakt zu Protokoll: "Nach dem Stand der Technik muß man gegen offene Gewässer oder Grundwasser eine Sicherheitsfeste von 50 bis 100 Meter im standfesten Fels belassen. Diese wurde im vorliegenden Fall weit unterschritten. Dies ist eine Komponente der Einsturzursache."

Der Gutachter legt sich im Gerichtakt auch klar fest, ob das drohende Unglück nach dem ersten Schlammeinbruch, bei dem der Bergmann Georg Hainzl verschüttet wurde, für die vorort anwesenden Experten - und Beschuldigten - erkennbar gewesen wäre oder nicht:
"Aufgrund der deutlich erkennbaren Veränderungen, die nach dem ersten Einbruch im Grubengebäude über- und untertag eingetreten sind - etwa Ansteigen des Wasserspiegels in der Pinge oder Schrägstellung der angrenzenden Häuser -, hätten Fachleute die Gefahr erkennen müssen, daß ein weiterer Einbruch erfolgen kann, wie er tatsächlich passiert ist".

Ob, gegen wen und weswegen Strafanträge gestellt werden, soll sich zu Ostern 1999 entscheiden.

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