FERRERO-WALDNER anläßlich der Eröffnung der Deutschen Residenz in Wien

(Wien-OTS) Ich freue mich vor allem deshalb, weil die Einweihung der neuen Residenz an einem wahrhaft historischen Tag stattfindet. Ich gebrauche hier absichtlich das Wort "historisch", obwohl es
mir bewußt ist, daß es leider viel zu oft mißbraucht oder falsch gebraucht wird. Heute macht es jedoch Sinn, das Wort "historisch"
zu gebrauchen, denn dieses Gebäude hat eine wahrhaftig historische Bedeutung.

Es handelt sich nämlich um die frühere Botschaft der DDR, die heute als offizielle Residenz des wiedervereinten Deutschland in Österreich dient. Die offizielle Residenz ist mit Sicherheit ein steinernes Denkmal der enormen Veränderungen in Europa seit dem Jahr 1989.
Mit dem Fall des Eisernen Vorhangs hat sich nämlich die gesamte politische Situation Europas geändert - zum Besseren verändert.

Historisch und symbolhaft scheint mir aber auch die Tatsache zu sein, daß die Eröffnungszeremonie heute, am 10. Dezember 1998 und damit am 50. Jahrestag der Allgemeinen Erklärung der
Menschenrechte stattfindet. Unser aller Blick richtet sich damit zurück auf die vielfachen Menschenrechtsverletzungen in diesem Jahrhundert, die nicht zuletzt auch durch die untergegangenen kommunistischen Unrechtregime begangen wurden. Unser aller Blick aber richtet sich am heutigen Tag natürlich auch auf die Beziehungen unserer beider Länder: Aber kann man diese Beziehungen überhaupt mit den üblichen Maßstäben messen?

Es handelt sich bei Deutschland und Österreich ja nicht um zwei fremde Staaten, die langsam formelle und informelle Beziehungen aufbauen, sondern ? - aber das ist schwer zu beschreiben; sagen
wir einfach: zwei Staaten, die sehr viel gemeinsame Geschichte haben, zwei Völker, die schon viel gemeinsame Geschichte hatten, bevor die Staaten ihre jetzige Form erhielten. Aber Geschichte und Kultur, Verwandtschaft und Sympathien, bestimmen nicht alleine die politische Entwicklung.

Jetzt, seit 1989, können wir unsere Beziehungen auch vor einem bestimmten Hintergrund entwickeln, in einem vorgegebenen Rahmen gestalten. Es geht in unseren Beziehungen nicht so sehr darum, den Österreichern Deutschland näherzubringen, und umgekehrt - dieser Prozeß ist, wie ich schon angedeutet habe, seit Jahrhunderten im Gange.

Seit dem 1. Jänner 1995 aber hat sich der Prozeß des gegenseitigen Näherbringens wesentlich verstärkt. Seit dem österreichischen EU-Beitritt nämlich arbeiten wir Seite an Seite für eine gemeinsame Sache, Seite an Seite für ein gemeinsames Europa. Diese enge Zusammenarbeit hat sich im letzten Halbjahr des heurigen Jahres noch weiter verstärkt und wird sich auch im kommenden Halbjahr fortsetzen. In ein paar Wochen nämlich, am 31. Dezember wird Österreich die Präsidentschaft der Europäischen Union an Deutschland weitergeben. Auf der Tagesordnung werden dann die Beschäftigung ebenso wie die Agenda 2000 und die
Osterweiterung stehen.

Ab 1. Jänner wird Österreich aber auch in der Troika gemeinsam mit Deutschland und Finnland zusammen arbeiten. Und dabei werden Sie, Frau Botschafter, eine ganz besondere Rolle spielen. Denn das kommende Halbjahr wird eine sehr hohe Anforderung an die deutsche Diplomatie stellen und das verlangt von Ihnen persönlich viel Arbeit und Flexibilität.

Die deutsche Residenz wird für das kommende Halbjahr daher richtungsweisend sein. Dank Ihrem Einsatz Frau Botschafter, wurde sie noch rechtzeitig vor dem Beginn der deutschen Präsidentschaft fertiggestellt. Ich wünsche Ihnen daher schon jetzt viel Freude
mit der neuen Residenz, die sicherlich zum Mittelpunkt des außenpolitischen Lebens Wiens im ersten Halbjahr 1999 werden wird. Ich wünsche aber auch dem kommenden Ratsvorsitzenden Außenminister Joschka Fischer viel Erfolg bei der Fortführung und Vorantreibung der unter österreichischem Vorsitz begonnen EU-Arbeiten. (Schluß)

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