- 29.10.1998, 10:27:52
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- OTS0083
"Gesunde Schweiz?" 2. Teil
Statment von Dr.Christian Richner, Interdisziplinärer Berater im Gesundheitswesen, Winterthur
"Gesundheitswesen: Neue Impulse für Strukturen und Kosten"=
Das Gesundheitswesen muß auf die neuen Realititäten reagieren.
Österreich hat im Vergleich mit anderen Ländern, so auch mit der
Schweiz, eine größere Fallhäufigkeit im Krankenhaus. Sind die
Schweizer einfach gesünder oder gibt es dafür andere Ursachen?
Zuviele Krankenhausbesuche verteuern das Gesundheitswesen
Jeder vierte Österreicher ist einmal im Jahr stationär im
Krankenhaus. Vor zwanzig Jahren war es noch jeder sechste. Mit dieser
Fallhäufigkeit liegt Österreich im Ländervergleich an der Spitze.
Eine geringe Fallhäufigkeit, wie sie zum Beispiel in der Schweiz zu
beobachten ist, bedeutet nicht schon automatisch tiefe
Gesundheitskosten. Doch der Vergleich zeigt, daß in Österreich im
Gegensatz zur Schweiz viele Patienten stationär behandelt werden, die
einwandfrei und kostengünstiger ambulant diagnostiziert, therapiert
und gepflegt werden könnten. Die Fallhäufigkeit im Krankenhaus
beeinflußt die Gesamtkosten des Gesundheitswesens nachhaltig. Das
Krankenhaus ist die teuerste Option der Versorgung der Patienten. Die
Fallhäufigkeit muß dringend reduziert werden. Die 1997 eingeführte
LKF allein bricht diesen Trend nicht. Sie wirkt sich in erster Linie
auf die Verweildauer aus, mit der Österreich im Ländervergleich
günstig liegt.
Verbesserte Voraussetzung für extramurale Behandlung
Der Gesundheitspolitische Beirat der AC und der BV prüfte am
29.Oktober 1998 mit Exponenten des Gesundheitswesens Maßnahmen gegen
die Fallhäufigkeit. Dabei wurden die neueren Erfahrungen der Schweiz
vorgestellt: Bereitstellung von extramuralen Angeboten für
Nicht-Akutpatienten rund um die Uhr, rechtliche und tarifliche
Gleichbehandlung der intramuralen und extramuralen Versorgung,
Minderbezahlung oder Rückzahlungspflicht bei Hospitalisierung nicht
akuter Patienten sowie eine Kostenbeteiligung der Patienten, die
gleichermaßen für die intramurale und extramurale Behandlung gilt.
Mit diesen Maßnahmen können Eintritt und Aufenthaltsdauer besser
überwacht werden. Ferner sollten auch Lösungen geprüft werden, bei
denen sich der Patient gegen eine Beitragsvergünstigung bei allen
Beschwerden an seinen Hausarzt wendet, der auch über die
fachärztliche und stationäre Behandlung wacht. Solche Lösungen werden
in der Schweiz und in Deutschland als "managed care" erprobt.
Strukturelle Verbesserungen sind dringend notwendig
Das Ziel einer ethisch, sozial und wirtschaftlich verträglichen
Praxis für den Krankenhauseintritt könnte sein, im Krankenhaus nur
Patienten zu behandeln, die medizinisch ausschließlich hier behandelt
werden müssen. Die niedergelassenen Ärzte und andere extramurale
Dienste müßten ihr Angebot, die Krankenkassen und die
Privatversicherer ihren Versicherungsschutz entsprechend anpassen.
Die Strukturverbesserungen sind dringend notwendig. Denn es sind
nicht nur die steigenden Kosten im Gesundheitswesen, denen dadurch
beizukommen ist. Gleichzeitig wird unsere Bevölkerung immer älter,
was höhere Gesundheitskosten bedeutet. Technische Entwicklungen geben
bessere Diagnosen und Heileffekte sowie vermehrte Möglichkeiten
extramuraler Behandlungen. Auch diese Veränderungen sind laufend zu
nutzen.
Dr.Christian Richner
Dr.Christian Richner, geboren am 15.August 1940, war bis 1994 bei der
Winterthur-Versicherung in allen Geschäftsbereichen in den USA und in
der Schweiz tätig, zuletzt Verantwortung in der Geschäftsleitung,
insbesondere für Kranken-, Unfall- Vermögenshaftpflicht- und
Rechtsschutzversicherungen. Verwaltungsratsmandate, Leitung von
nationalen und inernationalen Fachgruppen in der Unfall- und
Krankenversicherung, Mit glied der Medizinaltarifkommission für
Bundessozialversicherungen, der bundesrätlichen Expertenkommission
zur Revision des Krankenversicherungsrechts, Leitung zahlreicher
Kontaktgremien der Privatassekuranz mit den Partnern im
Gesundheitsmarkt. Seit 1994 hat Richner eine eigene Firma für
Beratungen (Begleitberatungen, Supervision, Coaching) vorwiegend in
strategischer Neuausrichtung im Markt und bezüglich Kooperationen
sowie für Vermittlung von Kontakten und Suche von Führungskräften.
Mandanten international mehrheitlich im Gesundheitsmarkt und dessen
Finanzierung. Christian Richner ist u.a. Lehrbeauftragter für
Sozial-und Präventivmedizin an der Eidgenössischen Technischen
Hochschule (ETH) Zürich, an der NÖ Landesakademie sowie an der
Donau-Universität Krems und er ist u.a. Chef Eidgenössisches
Sanitätsdienstliches Koordinationsorgan.
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Tel: 211 11/3677
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