Jungstein-, Bronze- und Römerzeit

Archäologische Funde von europäischem Rang in St.Pölten

St.Pölten (NLK) - Seit 1981 werden im Gebiet der Landeshauptstadt umfangreiche archäologische Ausgrabungen im Zusammenhang mit der schrittweisen Aufschließung des Industrie- und Gewerbegebietes durchgeführt. Bei einer Pressekonferenz heute in Unterradlberg präsentierten Bürgermeister Willi Gruber und Univ.Prof. Dr. Johannes-Wolfgang Neugebauer vom Bundesdenkmalamt die bei den heurigen Grabungen zu Tage getretenen sensationellen Funde.

In Ratzersdorf wurde in unmittelbarer Nähe einer der bereits beim Bau der Schnellstraße 33 entdeckten Steinzeitsiedlung der zugehörige Friedhof entdeckt. Bei den 12 Grabschächten mit Hockergräbern des 6. Jahrtausend v.Chr. handelt es sich um die ältesten Beisetzungen, die jemals im Zentralraum Niederösterreichs entdeckt wurden, "Ratzi" ist damit auch bedeutend älter "Ötzi". Unter den Beigaben der Jungsteinzeit stechen vor allem aus Stachelaustern, Meeresschnecken und Kalkröhrchen erzeugte Schmuckgegenstände hervor.

In Unterradelberg wiederum konnten Grundrisse von Wohngebäuden aus der Mitte der Jungsteinzeit (4000 v.Chr.) und der Frühbronzezeit (ca. 2000 v.Chr.) freigelegt werden. Dabei fanden sich Getreidereste, vollständig erhaltene Tassen, Krüge, Töpfe, Schalen und Vorratsgefäße aus Ton sowie Werkzeuge aus Knochen und Stein. Im Siedlungsbereich kamen im weiteren in zwei Gruben auch Schatzfunde, bestehend aus Kupferringbarren, zutage. Sie belegen, daß die bäuerliche Bevölkerung dieser Zeit auch am Metallhandel beteiligt war. Bei einem im Bereich der Firma Egger entdeckten Dörfchen der Spätantike wurden bislang 119 Gräber mit Schmuckausstattungen freigelegt.

Die Größe der Flächen, die 1998 erforscht wurden, beläuft sich in Unterradlberg auf 30.000 Quadratmeter und in Ratzersdorf auf 14.000 Quadratmeter. Die Finanzierung der Ausgrabungen tragen das Magistrat der Landeshauptstadt und das Bundesdenkmalamt. Die Grabungen werden im nächsten Jahr, akkordiert mit der Aufschließung des Betriebsgebietes, weiter fortgesetzt. Die sensationellen Funde von europäischer Bedeutung werden ab 1999 im Stadtmuseum St.Pölten zu sehen sein. Eine erste Präsentation bedeutender Einzelobjekte erfolgt am 25. und 26. Oktober im Urzeitmuseum in Nußdorf ob der Traisen.

Dort werden auch jene zwei Meilensteine aus der Römerzeit zu sehen sein, die am westlichen Ortsausgang von Gemeinlebarn bei Traismauer im Zuge von Rettungsgrabungen des Bundesdenkmalamtes zwischen 16. und 18. September gefunden wurden. Die auf der größeren, 2,8 Meter hohen Säule angeführte Distanzangabe von 16 römischen Meilen entspricht 24 Kilometern und beschreibt den Weg über das Kastell Traismauer nach der seinerzeitigen wie heutigen Hauptstadt Aelium Cetium/St.Pölten.

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