Reisebüros: Bemühen um neue Märkte wird gebremst

Kadanka: "Incoming-Reiseunternehmen werden bürokratische Prügel vor die Füße geworfen" - Incoming-Erhebung 1997

pwk - "Die österreichischen Reiseunternehmen bemühen sich intensiv um neue Märkte. Die Arbeit wird allerdings durch die Bürokratie oft unnötigerweise erschwert, was den von der Öffentlichkeit oft weniger registrierten Incoming-Bereich in letzter Zeit hart getroffen hat", erklärte der Vorsteher des Fachverbandes der Reisebüros, Komm.Rat Rudolf Kadanka, Dienstag in einem Pressegespräch anläßlich der Präsentation der neuen Incoming-Erhebung 1997. ****

Wegen der Generalverpflichtungserklärung, die gegenüber Staatsangehörigen der GUS-Staaten, Chinas und ehemaliger Oststaaten verlangt wird, mußten sich manche Incoming-Reiseunternehmen bereits aus diesem Geschäftsbereich zurückziehen, da sie die daraus resultierende geforderte umfassende Haftung nicht mehr übernehmen können oder wollen. Die Generalverpflichtungserklärung gilt nunmehr für den gesamten Schengen-Raum, also auch außerhalb der Einflußsphäre der österreichischen Incoming-Büros. Wiederholte Bemühungen, mit dem Innenministerium in dieser Frage auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen, blieben leider seit über einem Jahr vergeblich, bedauert Kadanka: "Deshalb müssen jetzt Initiativen zu Gunsten dieser Unternehmen ergriffen werden, damit das volkswirtschaftlich wichtige Incoming nicht hinter den anderen Bereichen des Tourismus zurückbleibt." Weitere Faktoren, die in den vergangenen Jahren zu einem Rückgang des Incoming beigetragen haben, sind die Auswirkungen der Sparpakete, der Wirtschaftskrisen und Geldentwertungen in den diversen Herkunftsländern, z.B. Japan, "Tigerstaaten", GUS, sowie das daraus resultierende Urlaubsverhalten.

Die vom Fachverband der Reisebüros seit einigen Jahren jeweils im Zwei-Jahres-Rhythmus durchgeführte Incoming-Erhebung unterstreicht die große Bedeutung der Incoming-Büros für die heimische Volkswirtschaft. Nunmehr liegen die Zahlen für 1997 vor, wobei sich gegenüber der Erhebung 1995 in praktisch allen Bereichen Rückgänge ergeben haben. Die Zahl der sich an der Erhebnung beteiligenden Betriebe ist von 145 (1995) auf 97 zurückgegangen, die ihrer Mitarbeiter von 1.166 auf 913. Die Nächtigungszahlen sanken von 19,243.410 (1995) auf 19,180.800, der Umsatz von 8 auf 6,7 Milliarden Schilling.

"Mit diesem nach wie vor hohen Nächtigungs- und Umsatzniveau dokumentieren die Reisebüros, daß der Tourismus keine Einbahn ist und sie erhebliche Leistungen für die Volkswirtschaft erbringen. Seitens der Büros werden jedenfalls gewaltige Aufwendungen und Vorleistungen erbracht", stellt Kadanka fest.

Die Zahl der Gäste aus Deutschland, Großbritannien, Italien, Frankreich, Spanien und USA läßt im laufenden Jahr einen Zuwachs von ca. 20 Prozent bei den Nächtigungen erwarten. Der Umsatz der Incoming-Reisebüros wird sich bei ca. 9 Mrd Schilling bewegen. Berücksichtigt man die Zusatzausgaben der Gäste, dann ist mit einer Umwegrentabilität von nochmals ca. 9 Mrd Schilling zu rechnen. Trotz dieser erfreulichen Prognose darf nicht übersehen werden, daß privatwirtschaftlich geführte Reisebüros einem ungesunden Wettbewerb durch mit öffentlichen Mitteln geführte Tourismusverbände ausgesetzt sind. Reisebüros müssen ihre Infrastruktur aus dem Cash flow finanzieren und Verkaufserlöse in Verkaufsförderungsmaßnahmen investieren. Dieser Situation sind Tourismusverbände nicht ausgesetzt, sie machen aber ihren eigenen Mitgliedern Konkurrenz, erklärt Kadanka.

Der Jahresumsatz der österreichischen Reisebürobranche betrug 1997 rund 27 Mrd Schilling. Davon entfallen zehn Mrd auf den Bereich Flug (Outgoing), weitere zehn Mrd auf den touristischen Umsatz (Hotellerie u.a.m.) und rund sieben Mrd auf das Incoming. Der Outgoing-Tourismus stagniert. Auswirkungen auf den Outgoing-Umsatz 1998 sind zu erwarten.

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