Hostasch: Bundesgesetz zur Sanitäterausbildung in Begutachtung-

Modules Ausbildungssystem schafft Qualität für Helfer

Wien, 8. Oktober 1998 (BMAGS).-"Das Bild des Sanitäters war in
den letzten Jahrzehnten einer großen Wandlung unterworfen. Die rasante Entwicklung in der Notfallmedizin stellte auch an Sanitäter und Sanitäterinnen erhöhte Ansprüche, die ein neues Berufsverständnis notwendig machten", sagte heute Gesundheitsministerin Lore Hostasch. Um eine Qualitätssicherung, insbesondere im Hinblick auf das Wohl der Patienten, zu erreichen, sei daher ein neues Sanitätergesetz erstellt worden, das sich derzeit in Begutachtung befindet. Darin sei neben einer entsprechenden Erweiterung des gesetzlich normierten Tätigkeitsbereiches auch eine Verlängerung der Ausbildungsdauer vorgesehen, erläuterte Hostasch.

Modules Ausbildungssystem

Der Beruf des Sanitäters erfährt im vorliegenden
Gesetzesentwurf eine wichtige Aufwertung und wird als attraktiver Gesundheitsberuf positioniert.

Durch ein neues Ausbildungssystem soll einerseits eine größtmögliche praxis- und berufseinstiegsgerechte und andererseits auch eine für ehrenamtlich tätige Personen zugängliche Ausbildung ermöglicht werden.

Im Sinne einer optimalen Notfallversorgung und zur
Gewährleistung der Zugangsmöglichkeit für ehrenamtliche Sanitäter ist ein Ausbildungssystem in Modulen vorgesehen, welches aus vier aufeinander aufbauenden Modulen besteht. Der Ausbildungsumfang(Stunden) der einzelnen Module besteht aus:

Modul 1 Modul 2 Modul 3 Modul 4
Theorie 40 120 160 125
Praktikum 175 320 660
Gesamt 40 295 480 785

Entsprechend dem neuen Modulsystem werden drei aufeinander aufbauende Berufsbilder mit detailliert umschriebenen Tätigkeitsbereichen geschaffen:

Rettungssanitäter:

Nach erfolgreicher Absolvierung der Module 1 und 2 erlangt man die Berufsberechtigung zum Rettungssanitäter, dessen Tätigkeitsbereich von der selbständigen und eigenverantwortlichen Versorgung und Betreuung kranker, verletzter und sonstiger hilfsbedürftiger Personen, soweit es sich nicht um Notfallpatienten handelt, vor und während des Transports bis hin zur Durchführung der Defibrillation mit halbautomatischen Geräten reicht.

Notfallsanitäter:

Nach zusätzlicher Absolvierung des Moduls 3 erlangt man die Berufsberechtigung zum Notfallsanitäter, dessen Tätigkeitsbereich darüberhinaus etwa die Durchführung von lebensrettenden Sofortmaßnahmen bei Notfallpatienten bis zur Übernahme durch den Arzt und die Verabreichung erforderlicher Arzneimittel beinhaltet.

Notfallsanitäter mit Notfallkompetenz:

Nach Absolvierung des Moduls 4 und Erlangung der Berufsberechtigung zum Notfallsanitäter mit Notfallkompetenz kommen des weiteren etwa die Tätigkeiten der Punktion peripherer Venen und Infusion kristalloider Lösungen unter bestimmten Voraussetzungen hinzu. Des weiteren können Notfallsanitäter mit Notfallkompetenz unter bestimmten Voraussetzungen zur endotrachealen Intubation ohne Prämedikation und zur endotrachealen Adrenalinapplikation ermächtigt werden. Hierbei wurde speziell auf Gebiete Bedacht genommen, in denen das Notarztsystem nicht entsprechend ausgebaut ist.

Zur Qualitätssicherung, insbesondere im Hinblick auf das Wohl
der Erstzuversorgenden, ist für bestimmte Tätigkeiten (Defibrillation, Intubation) eine Rezertifizierung in bestimmten Zeitabständen verpflichtend.

Umfangreiche Übergangsbestimmungen zur Sicherung der Versorgung

Der Entwurf berücksichtigt ausdrücklich die Vielzahl der ehrenamtlich tätigen Mitarbeiter der Rettungsorganisationen und die bis dato uneinheitlich durchgeführten Ausbildungspraxen der verschiedenen Rettungsorganisationen.

So ist das Minimalerfordernis, um in den Anwendungsbereich der Übergangsbestimmungen (Erlangung der Berufsberechtigung zum Rettungssanitäter) zu fallen,
1. eine zeitlich nicht festgesetzte praktische Tätigkeit (irgendwann) und
2. eine zeitlich nicht festgesetzte theoretische Ausbildung
(§ 58 Abs. 1 Z 3 des Entwurfes).

Personen, die diese Minimalerfordernisse erfüllen, erhalten
über Antrag und nach Überprüfung der notwendigen Kenntnisse und Fertigkeiten durch die jeweilige anerkannte Rettungsorganisation eine Bestätigung, die zur Ausübung der Tätigkeiten des Rettungssanitäters nach diesem Entwurf mit Ausnahme der Defibrillation berechtigt. Um die Berufsberechtigung des "Rettungssanitäters/der Rettungssanitäterin" zu erlangen, bedarf es darüber hinaus lediglich der Absolvierung einer 15-stündigen Ausbildung im Bereich der Frühdefibrillation mit halbautomatischen Geräten.

Weiters berücksichtigt der Entwurf auch von
Rettungsorganisationen durchgeführte, über die bisher gesetzlich geforderte Ausbildung hinausgehende Ausbildungen
(z. B. die im Jahre 1997 für 485 Teilnehmer durchgeführten 27 Kurse des Roten Kreuzes zum "Notfallsanitäter"). Gemäß den Übergangsbestimmungen des Entwurfes können demnach Personen, die etwa eine derartige Ausbildung absolviert haben, nach allfälliger notwendiger Aufschulung innerhalb einer Übergangsfrist bis 2006 und der Ausbildung in Frühdefibrillation die Berufsberechtigung zum Notfallsanitäter/ zur Notfallsanitäterin erlangen.

Das Ausbildungssystem in Modulen wurde gerade im Hinblick auf
die zahlreichen ehrenamtlich Tätigen bewußt gewählt. Im Gegensatz hiezu wäre die Einrichtung eines Gesamtlehrganges und die Neuschaffung lediglich eines Berufsbildes für den Großteil der Ehrenamtlichen nicht zumutbar. "Ich bin sicher, daß der Gesetzesentwurf ein hohes Maß an Zustimmung finden wird, entspricht er doch in vielem den langjährigen Wünschen aller im Rettungswesen tätigen Frauen und Männern", so die Gesundheitsministerin abschließend.

(schluss)

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