OeNB - Geschäftstätigkeit der Kreditinstitute im 1. Halbjahr 1998

In der Publikationsreihe "Berichte und Studien", Heft 3/1998, erschienen

Wien (OTS) - Auslandsgeschäft der österreichischen Banken
verlor etwas an Schwung
Das Auslandsgeschäft der österreichischen Kreditinstitute entwickelte sich im ersten Halbjahr 1998 zwar weiterhin überaus dynamisch, verlor aber im Vergleich zum Vorjahr etwas an
Schwung. Zur gesamten Bilanzsummenausweitung um 4,7%
(1. Halbjahr 1997: +5,7%) trug das Auslandsgeschäft dennoch
rund 60% bei. Der Anteil der Auslandsaktiva an der Bilanzsumme
stieg weiter an und war mit 25,8% um 1,6 Prozentpunkte höher
als zum Ultimo 1997.

Die Kredite an ausländische Nichtbanken trugen die Hälfte
zur gesamten Direktkreditausweitung der österreichischen Banken bei. Ende Juni bestanden damit 21,8% aller nichttitrierten Kundenforderungen entweder gegenüber dem Ausland und/oder in Fremdwährung; zum Ultimo 1997 waren es noch 20,2% gewesen.
Rund die Hälfte der ausländischen Geschäftsausweitung erfolgte aktiv- und passivseitig im Interbankgeschäft.

Die Refinanzierung der österreichischen Banken im Ausland bediente sich verstärkt der Kapitalmärkte. Nahezu die Hälfte
des ausländischen Mittelzuflusses, rund 62 Mrd S, stammte aus
der Begebung von Emissionen auf den internationalen
Kapitalmärkten. Die ausländischen Kundeneinlagen erhöhten sich lediglich um 10 Mrd S.

Die inländischen Direktkredite wuchsen im ersten Halbjahr
1998 langsamer als in der entsprechenden Vorjahresperiode,
wobei sich die Nachfrage weiter von Schilling- zu Fremdwährungskrediten verlagerte. Vor allem die öffentlichen
und privaten Haushalte führten per saldo Schillingkredite
zurück.

Demgegenüber verzeichneten die Fremdwährungsdirektkredite
zum dritten Mal hintereinander im ersten Halbjahr eine
zweistellige Zuwachsrate. Ihr Anteil an den gesamten
aushaftenden Direktkrediten hat sich dadurch auf 9,5% erhöht,
das ist eine Verdoppelung innerhalb der letzten sechs Jahre.
Das niedrige Zinsniveau in einer Reihe von Fremdwährungen läßt derartige Finanzierungen besonders attraktiv erscheinen. Sowohl Unternehmen als auch private Haushalte weiteten ihre Fremdwährungsverbindlichkeiten - vielfach zulasten von Schillingpositionen - aus, während der öffentliche Sektor auch seine Fremdwährungskredite abbaute.

Bei den titrierten Krediten (inkl. GOMEX) wurde wieder ein markanter Anstieg registriert, was primär durch ein stärkeres Engagement der österreichischen Kreditinstitute in Schuldtiteln
des Staates bedingt war. Auch hier zeigten die Fremdwährungspapiere, die sich seit Jahresbeginn verdoppelten,
eine deutlich stärkere Dynamik als Schillingtitel.

Das Mittelaufkommen aus Schillingeinlagen war das vierte Mal
in Folge im ersten Halbjahr rückläufig; allerdings schwächte
sich der Rückgang 1998 merklich ab. Dafür war in erster Linie
der geringere Abbau bei Termineinlagen verantwortlich. Der
Staat baute seine Termineinlagenstände in deutlich geringerem Umfang als im Vergleichszeitraum des Vorjahres ab. Darüber
hinaus verminderten die öffentliche Stellen auch ihre Guthaben
auf Sichteinlagenkonten, während private Hauhalte und nichtfinanzielle Unternehmen ihre Sichteinlagenstände
aufbauten.

Die Spareinlagen waren wie in den vorangegangenen drei
Jahren im ersten Halbjahr 1998 rückläufig. Vor allem Einlagen
mit Kündigungsfristen bis zu 1 Jahr wurden merklich abgebaut, während Spareinlagen mit Laufzeiten von mehr als 5 Jahren und Sparbriefe leichte Zuwächse verzeichneten; auch Bauspareinlagen nahmen weiter zu.

Weiter beschleunigt hat sich der Zuwachs der Fremdwährungseinlagen. Ihr Anteil an den Gesamteinlagen hat
sich seit Jahresende 1997 von 7,3% auf 8,5% erhöht.

Die Nachfrage nach Einlagensubstituten war weiterhin hoch:
Zwar ging der Umlauf eigener Inlandsemissionen der
Kreditinstitute im ersten Halbjahr 1998 zurück, die Nachfrage
nach Investmentzertifikaten blieb aber ungebrochen lebhaft;
gemessen am Spareinlagenbestand betrug die Veranlagung in Investmentzertifikaten Mitte 1998 bereits 41 %, zu Jahresende
1997 waren es 35 %.

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