DAS ÖSTERREICHISCHE ZUCKERMUSEUM HAT EIN NEUES 'MUSEUMSQUARTIER' IN TULLN BEZOGEN UT: Museum wird am 1. Oktober 1998 eröffnet

Tulln (OTS) - Das im Jahr 1986 gegründete und ursprünglich im burgenländischen Siegendorf beheimatete Österreichische Zuckermuseum hat eine neue Heimstätte in den Räumen der Museen der Stadt Tulln gefunden: Im ehemaligen Minoritenkoster, unweit der Zuckerfabrik Tulln, öffnet sich ein Fenster zur ebenso langen wie faszinierenden Geschichte des Süßens: Der Überblick reicht von den ersten prähistorischen Spuren über die Antike bis zur Neuzeit, an deren Beginn Christoph Columbus Zuckerrohrstecklinge von den Kanarischen Inseln in die Karibik brachte und damit den Grundstein zu einer mächtigen Rohrzuckerindustrie unter Führung Kubas legte.

Vom Rohr- zum Rübenzucker

In den folgenden Jahrhunderten entstanden auch in Europa - und im Habsburgerreich - Zuckerraffinerien, in denen "Colonialzucker", Rohrzucker aus Übersee, raffiniert wurde. Die erste "Zuckerraffinierungs-Compagnie" dieser Art im alten Österreich wurde 1750 unter Maria Theresia in der adriatischen Hafenstadt Fiume (heute Rijekaü gegründet.

Als "Colonialzucker" in Europa während und im Gefolge der napoleonischen Kriege (Kontinentalsperre) immer knapper und teurer wurde, begann man sich der bodenständigen, bisher eher geringgeschätzten Runkelrübe als einer möglichen Zuckerquelle zu besinnen. Schon 1747 hatte der Berliner Chemiker Andreas Sigismund Marggraf auf die verborgenen Qualitäten der Rübe aufmerksam gemacht und sich damit in der Geschichte seinen Platz als Entdecker der süßen Seiten der Runkelrübe gesichert. Etwa ein halbes Jahrhundert später (1803) errichtete Marggrafs Schüler Franz Carl Achard im schlesischen Cunern die weltweit erste Rübenzuckerfabrik. Zucker für alle

Damit leitete er eine großangelegte Industrialisierung der Zuckergewinnung in Europa ein. Eigens für das österreichische Zuckermuseum in Originalgröße nachgebaute Maschinen aus einer Rübenzuckerfabrik um 1830 markieren diese Entwicklung. Die Nutzung des Rohstoffs Zuckerrübe in großem Stil und die damit verbundene beispiellose agrotechnische und industrielle Innovationswelle führte zu einem tiefgreifenden Wandel im Gebrauch des Genußmittels Zucker:
Das ursprünglich dem Adel und reichen Bürgern vorbehaltene "süße Gold" entwickelte sich zum immer billigeren und schließlich für alle erschwinglichen Produkt.

Diese Entwicklung wird im Österreichischen Zuckermuseum anhand von Schautafeln, vielerlei Dokumenten und liebevoll zusammengetragenen Schaustücken dokumentiert. Selbstverständlich kommen auch altösterreichische Errungenschaften wie die vom französischstämmigen Wiener Jules Robert entwickelte Diffusion (die heute als Extraktion bezeichnete Auslaugung der Rübenschnitzel) oder die Erfindung des Würfelzuckers durch den Direktor der Zuckerfabrik im böhmischen Datschitz, Jakob Christoph Rad, zu Ehren.

Rückkehr nach Osteuropa

Ausführlich werden überdies die Bedeutung und der hohe anbautechnische und industrielle Standard der österreichischen Rüben-und Zuckerwirtschaft dargestellt. Mit einer Vorstellung des Zucker-und Stärkeunternehmens AGRANA schließt sich der Kreis: Die zunehmende Ausweitung des AGRANA-Tätigkeitsgebietes nach Osteuropa erscheint -bei aller Zukunftsträchtigkeit dieser Expansion - angesichts der im österreichischen Zuckermuseum lebendig werdenden Reminiszenzen an die Donaumonarchie wie ein spätes Anknüpfen an eine glanzvolle Vergangenheit.

Österreichisches Zuckermuseum 3430 Tulln, Minoritenplatz 1
Tel.: 02272/61915

Öffnungszeiten: Mittwoch bis Freitag 15 - 18 Uhr Samstag 14 - 18 Uhr Sonn- und Feiertag 10 - 18 Uhr

Sonderführungen: Anmeldung bei AGRANA Zucker-Ges.m.b.H.
Tel.: 02272/602-230 DW

Rückfragen und Fotos: Brigitte GAMPE (AGRANA)
Tel.: 01/21137-2930 und 0664/1811776

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