Mitteilung des Österreichischen Presserates

Wien (OTS) - Beschwerde von Gesandtin Dubravka Zverzhanovski für die Botschaft der Bundesrepublik Jugoslawien in Österreich gegen die Artikel "Massengräber im Kosovo. Hunderte Kinder verscharrt?" vom 5.8.1998," 'Presse'-Sonderbericht: Die Massengräber von Orahovac" und "Neue Berichte über Gräber im Kosovo" vom 6.8.1998, "Österreich drängt auf Aufklärung: Experten sollen Gräber prüfen" vom 7.8.1998, alle von Erich Rathfelder in "Die Presse", gegen Ihren Artikel "Wörterbuch der Unmenschlichkeit" in "Die Presse" vom 7.8.1998 sowie gegen den Artikel "Es gibt kein Öl im Kosovo" von Thomas Chorherr in "Die Presse" vom 8.8.1998.

Der Österreichische Presserat sich in seiner heutigen Sitzung mit o.g. Beschwerde befaßt. Er hat das Verfahren gemäß § 13 (2) d.1.der Geschäftsordnung durch die einstimmige Feststellung beendet, daß durch die Veröffentlichung Berufspflichten der Presse verletzt wurden.

Begründung: Durch die Veröffentlichung des Artikels "Massengräber im Kosovo. Hunderte Kinder verscharrt?" auf Seite 1 vom 5. August 1998 in der Tageszeitung "Die Presse" über angebliche Massengräber in Orahovac wurde der Eindruck erweckt, daß es sich um abgesicherte Fakten handelt, obgleich sich der Bericht des Korrespondenten im Blattinnern korrekterweise nur auf Vermutungen und Schlußfolgerungen von Augenzeugen bezieht. Insbesondere der Vorwurf, daß mehr als 400 Kinder in Massengräbern in Orahovac gefunden worden sein sollen, hat keine Bestätigung erfahren und hätte daher in der Folge unmißverständlich korrigiert werden müssen.

Für den Spruch des Presserates war daher nicht die Jugoslawien-Berichterstattung der "Presse" insgesamt, sondern der Umgang mit einem konkreten Fehler relevant.

Der Österreichische Presserat hat auf Veröffentlichung seiner Entscheidung erkannt.

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