Wien-Tage in Lemberg: Chance und Risiko

Wien-Tage in Lemberg vom Mi., 9.9.- Sa.12.9.1998

Zweck der Wien Tage:

Darstellung Wiens als Partner für Wiederaufbau und Kulturaustausch

Aufnahme von persönlichen Kontakten mit Personen aus Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kunst und Kultur.

Erste Grundlagen für eine Lagebeurteilung
Spezielle Events für die Öffentlichkeit

Programm:

2 Empfänge, 1 Halbtagsworkshop, Delegationsgespräche mit Stadtverwaltung und Regionalverwaltung (Oblast), 3 Ausstellungen (Gemälde, Photos, Augartenporzellan), 2 Konzerte (Kirche, Oper), Eröffnung des "Wiener Cafés", 1 Lesung (Miguel Herz-Kestranek), Blumenniederlegung, Pressekonferenz.

Erste Beurteilung:
Chance "Vorposten"

Viele gut ausgebildete Menschen mit einer prowestlichen Hinwendung.

Ungemein freundliche und für Wien und Österreich positive Stimmung.

Billiglohnland mit vielen Personalressourcen.
Wunderschöne Stadtsubstanz.
Chance langjähriger Zusammenarbeit zum gegenseitigen Nutzen.

Risiko "Ressourcenverzettelung"

Wenig Erfahrung in demokratischer Organisation und deren Wertigkeiten.

Großer Bedarf an nahezu allem was Lebens- und Kommunalstandard betrifft.

Zusammenarbeit kann nur in kleinen Schritten, muß aber sehr konsequent erfolgen.

Wiederaufbau in allen Bereichen der Infrastruktur und Lebensgrundlagen erforderlich.

Risiko unerwarteter Reaktionen im Gegeneinanderwirken lokaler Offizieller.

Weitere Vorgangsweise:

Verstärkte Kontakte auf Ebene der Kommunalpolitik.
Durchführung einer Lageaufnahme auf Ebene der Experten. Erstellung einer Prioritätenliste gemeinsam mit
Stadtverwaltung Lemberg.

Grundlagen für die Entsendung einer Wirtschaftsmission durch
die Bundeskammer.

Erstellung eines gemeinsamen Programmes.

Einladung und Unterstützung von Lembergtagen in Wien. Zusätzlichen Lehrer für Geschichte, Geographie und Deutsch. Experten für PC-Vernetzung des Stadtmagistrates.
Spende Wiens für einen EDU-Schulknoten am akademischen ukrainisch.österreichischen Gymnasium.

Daten und Fakten über Lemberg/Lviv

Lemberg liegt in Ostgalizien, im Westen der Ukraine, unweit der Landesgrenze zu Polen.
In der Ukraine leben heute ca. 54 Mio. Einwohner auf einer
Fläche von 603.700 km2 (80 EW/km2). Neben der Hauptstadt Kiew
mit 2,6 Mio. Einwohnern sind Charkow (1,6 Mio), Dnjepropetrowsk
(1,2 Mio), Donezk und Odessa (je 1,1 Mio.), Saporoshje (0,9
Mio.) und Lemberg (0,8 Mio.) die größten Städte.
Die Ukraine ist seit dem 24.8.1991 unabhängige Republik. Seit
1994 ist Leonid D. Kutschma Staatspräsident. Die Legislative
wird vom Obersten Rat gebildet. Am 15.6.1995 wurde durch einen Verfassungsvertrag ein Grundsatzstreit zwischen Oberstem Rat und Staatspräsidenten beendet. Ende 1996 wurde (als letzem Mitglied
der GUS) die erste eigene Verfassung mit großer Mehrheit im Parlament angenommen.
Am 29. 3. 1998 wählte die Bevölkerung der Ukraine zum zweiten
Mal seit der Unabhängigkeit den Obersten Rat. Dabei
verzeichneten die Kommunisten große Stimmengewinne. Der Lebensstandard in der Ukraine liegt weit unter dem Rußlands,
und die Enttäuschung der Bürger darüber, daß die bisherigen Reformversuche ihnen lediglich Armut und Entbehrung brachten,
trug sicher maßgeblich zu diesem deutlicher Protest gegen die Kiewer Führung bei. Innenpolitisch wird es damit auch in Zukunft immer wieder zu Friktionen zwischen reformfreudig eingestelltem Präsidenten und eher bremsendem Parlament kommen.
Die größte Herausforderung bleibt die wirtschaftliche
Entwicklung. Wirtschaftsreformen gehen nur schleppend vor sich,
als wichtigste Punkte wären Steuerpolitik, Lohnauszahlungen, Deregulierung, Privatisierung, Landwirtschaft, Energie und
nukleare Sicherheit zu nennen. Die Ukraine strebt eine EU-Assozierung, langfristig eine Mitgliedschaft an. Für die EU ist
die Ukraine ein strategischer Partner, ihre politische
Stabilität und wirtschaftliche Prosperität sind wesentliche Elemente der gesamteuropäischen Sicherheit.

Allgemeines über Lemberg:
Gesamtbevölkerung (1993) 835.000; Fläche: 165 km2 Bevölkerungsdichte: 5.064 EW/km2
Natürliches Wachstum: +5.336 (= +6,5%) (1988)

Ethnische Struktur der Lemberger Bevölkerung:

1931 1989
Ukrainer: 16,3% 80,0%
Russen: 1,0% 16,0%
Juden: 31,9% 1,6%
Polen: 50,0% 0,8%
Andere: 0,8% 1,6%

Geschichte Lembergs:
1250 von Slawen gegründet (Königreich Galizien und Lodomerien), 1340-1772 von polnischen Königen regiert, dann bis 1918 unter österreichischer Herrschaft. Im fin de siecle das "Klein-Wien" genannt, eine polnisch-ukrainisch-deutsch-sprachige
Vielvölkerstadt mit 160.000 Einwohnern. 1918-1939 mit ganz
Galizien Teil des wiedererstandene Polen. 1944 von sowjetischen Truppen erobert, Ostgalizien fällt an die Ukraine und damit an
die UdSSR.

Wirtschaft:
Städtische Industrie (1992):
136 Industriebetriebe mit 192.900 Beschäftigten
Ges.m.b.H. (1992): 3.019 Betriebe mit 37.483 Mitarbeitern Kooperativen: 3 Betriebe mit 8.816 Mitarbeitern Dienstleistungsbetriebe: 935 Betriebe mit 7.470 Mitarbeitern Hotels: 25 Betriebe mit 5.748 Betten

Kommunalwirtschaft:
Wasserleitungen: 603,2 km
Kanalnetz: 265,7 km
Gasleitungen: 943,1 km

Verkehr: Öffentliche Verkehrsmittel:
84 Autobuslinien (465 Busse, 90,7 Mio. Fahrgäste p.a.)
8 Straßenbahnlinien (226 Wagons, 81,7 Mio. Fahrgäste p.a.)
14 Trolleybuslinien (216 Stück, 56,5 Mio. Fahrgäste p.a.)
537 Taxis und 57 Taxibusse (3 Mio. Fahrgäste p.a.)
561,7 km Straßen und Brücken

Gesundheitssystem: 33 Krankenhäuser, 40 Polikliniken

Bildungssystem:
179 Kindergärten/Volksschulen (24.760 Kinder)
106 Allgemeinbildende Schulen (97.897 Schüler)
68 Berufsbildende Schulen (19.063 Schüler)
28 Mittel- und Fachschulanstalten (26.561 Schüler)
10 Höhere Anstalten (49.791 Studenten)

Kultur:
10 Museen mit 12 Filialen
119 Bibliotheken
22 Kinos (9.258 Plätze), 6 Theater (3.380 Plätze)
48 Paläste, Kulturgebäude und Klubs (23.779 Plätze)

Sport:
23 Stadien, 38 Sporthallen, 17 Schwimmbäder

Rückfragen & Kontakt:

Pressestelle
Tel.: (01) 4000/81915ÖVP-Klub der Bundeshauptstadt Wien

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