Verbund-Halbjahresbilanz 1998:

Ergebnis im Zeichen von Vorzieheffekten für liberalisierten Strommarkt

Wien (OTS) - Vorstandssprecher des Verbund, Dipl.-Ing. Hans Haider, zum Elektrizitätswirtschafts- und -organisationsgesetz: "Jetzt gilt
es, das Beste aus den vorgegebenen Rahmenbedingungen zu machen"
- Finanzvorstand Dr. Michael Pistauer: "Operatives Ergebnis
nach IAS aufgrund von Vorzieheffekten im Personalbereich im
Vorfeld der Liberalisierung um 35,7% gesunken" - Dipl.-Ing. Dr.Herbert Schröfelbauer, stellvertretender Sprecher des Vorstandes: "Planmäßige Reduktion der Betriebs- und Erhaltungskosten. Weitere Kostenreduktion notwendig" -
Dr.Johann Sereinig, für das Stromgeschäft zuständiges Vorstandsmitglied: "Wir werden die Marktbearbeitung im In- und Ausland weiter intensivieren".****

Die Entwicklung im Verbund stand im ersten
Halbjahr 1998 im Zeichen der Diskussion der Entwürfe zum Elektrizitätswirtschafts- und -organisationsgesetz (ElWOG)
sowie der umfassenden Vorbereitungen auf den liberalisiereten Strommarkt. Wie der Sprecher des Vorstandes, Dipl.-Ing. Hans Haider, zum ElWOG erklärte, liege nun nach Beschluß durch den Nationalrat eine verbindliche Arbeitsgrundlage vor, die eine
lange Zeit der Umsicherheit über die künftige Ausgestaltung des Strommarktes beendet. "Jetzt gilt es", so Haider, "das Beste
aus den vorgegebenen Rahmenbedingungen zu machen".

Der Verbund steht jedoch weiterhin kritisch zu einigen Bestimmungen im ElWOG. Dazu gehört der ungleiche
Marktöffungsgrad für die einzelnen Elektrizitätsunternehmen,
der den Verbund stärker als andere in- und ausländische EVU in
den Wettbewerb stellt, sowie der unzureichende Schutz der Wasserkraft. Positv beurteilte Haider hingegen die Regelung des Netzzuganges: "Das ursprünglich diskutierte Single-Buyer-Modell
ist durch ein wettbewerbsfreundlicheres Regulated-Third-Party-Access-System ersetzt worden".

Vergangene Woche hat der Wirtschaftsminister Gutachten über
die Abgeltung der Stranded Costs und die Gestaltung der
Netztarife vorgelegt. Haider beurteilte die Gutachten zurückhaltend. Im Herbst wird die Europäische Union eine Grundsatzentscheidung über die Form der Abgeltung der Stranded Costs treffen. Die endgültige Regelung der Netztarife wird per Verordnung festgelegt.

Zufrieden verwies Haider auf den anhaltend hohen Kurs der Verbund-Aktie und das All-Time-High von ATS 2.220.- am 28. Juli 1998: "Für mich ist das ein Zeichen dafür, daß die Verbund-
Aktie auch in Zeiten weitreichender Umstrukturierungen unserer Branche das Vertrauen der Investoren genießt und sich als attraktiver Wert erweist".

Wirtschaftliche Ergebnisse nach IAS

Umfassende Rationalisierungen

Die Entwicklung im ersten Halbjahr 1998 sei, so Finanzvorstand
Dr. Michael Pistauer, durch folgende Einflüsse charakterisiert:

geringfügig gesunkene Umsatzerlöse im Vorfeld der
Liberalisierung

erhöhte Strombezugskosten infolge geringerer Hydraulizität (Hydraulizitätskoeffizient 0,85 versus 0,98)

ein stark verbessertes Finanzergebnis

und einen vorübergehend deutlich gestiegenen Personalaufwand infolge von Vorzieheffekten durch rigorose
Personalabbaumaßnahmen

Das Umsatzniveau konnte im wesentlichen gehalten werden. Die Stromerlöse verringerten sich im ersten Halbjahr 1998 gegenüber dem Vergleichszeitraum 1997 um 0,5% auf 9.780,7 Mio. ATS. Die anhaltende Trockenheit im Berichtszeitraum und damit die
geringere Erzeugung aus Wasserkraft machte erhöhte Strombezüge notwendig. Sie stiegen um 8,7% auf 2.535,2 Mio. ATS. Die kontinuierlich verringerte Eigenerzeugung in den thermischen Kraftwerken führte zu einer Verringerung des
Brennstoffeinsatzes um 47,6 Mio. ATS.

Aufwand für Löhne und Gehälter gesunken

Der Aufwand für Löhne und Gehälter einschließlich sozialer Nebenkosten konnte um 3,3% auf 1.928 Mio. ATS gesenkt werden.
Diese Kostenreduktion gelang trotz einer 2,1prozentigen Kollektivvertragserhöhung.

Die Personalabbaumaßnahmen haben allerdings zu einer vorübergehenden Belastung beim Abfertigungs- und
Pensionsaufwand geführt. Das Plus von 606,4 Mio. ATS ist
weitgehend auf die Ausweitung des Vorruhestandsmodells zurückzuführen. Mittelfristig wird dies jedoch zu einer nachhaltigen Aufwandsentlastung führen.

Abschreibungen erhöht

Die Abschreibungen erhöhten sich gegenüber dem
Vergleichswert des Vorjahres um 5,6%. Im ersten Halbjahr waren außerplanmäßige Abschreibungen (Nachlaufkosten für bereits wertberichtigte Projekte) in der Höhe von 84 Mio. ATS
vorzunehmen.

Operatives Ergebnis verringert

Das operative Ergebnis hat sich im Berichtszeitraum
gegenüber dem ersten Halbjahr 1997 deutlich verringert. Es sank
um 35,7% auf 792,6 Mio. ATS. Der Rückgang ist - wie bereits erwähnt - zum überwiegenden Teil auf temporär gestiegene Personalkosten aufgrund von Vorzieheffekten zurückzuführen.

Der Gewinn vor Ertragsteuern stieg um 49,9%. "Die
Verringerung des operativen Ergebnisses", meinte Pistauer,
"wurde durch ein stark verbessertes Finanzergebnis in Folge
nicht realisierter Fremdwährungs-Kursgewinne überkompensiert.
Dies führte zu dem deutlichen Anstieg des Gewinns vor Ertragsteuern". Aufgrund einer erhöhten Steuerbelastung (plus
263,3 Mio. ATS) stieg der Gewinn nach Ertragsteuern allerdings
nicht ganz so stark an. Er lag bei 494,1 Mio. ATS (plus von
32,3%).

Nach HGB ergibt sich ein deutlich negatives Jahresergebnis
im Ausmaß von -637,5 Mio. ATS. Im Unterschied zu IAS mußte nach HGB eine Minderdotierung der Pensionsrückstellung im Zuge der Pensionsabfindungsaktion aufgeholt werden. Mit der
Neueinführung der Rechnungslegung nach IAS im Jahr 1996 wurde dieses Erfordernis im internationalen Abschluß bereits
vollständig erfüllt.

Ein weiterer Unterschied besteht im Ausweis des
Finanzergebnisses. Während nach HGB im Zuge der Einführung des Euro aus kaufmännischer Vorsicht die Fremdwährungs-Kursgewinne nicht ausgewiesen wurden, ist diese Vorgangsweise nach IAS (Stichtagsprinzip) nicht zulässig.

Kostenoptimierung weiter vorantreiben

Aufgrund des konsequent umgesetzten Kostensenkungsprogrammes konnte der Aufwand für Betrieb und Erhaltung im
Berichtszeitraum planmäßig um mehr als 16% reduziert werden.
Für 1999 wird eine weitere Reduktion angepeilt.

Als Maßnahme im Sinne der Kostenoptimierung bezeichnete Vorstandsdirektor Dipl.-Ing. Dr. Herbert Schröfelbauer auch
den Einbau einer Feuerung mit neuer Verbrennungstechnik im Dampfkraftwerk Voitsberg. "Damit", so Schröfelbauer, "erspart
sich der Verbund langfristig die zur Stickoxid-Filterung eingebauten, sehr verschleißanfälligen Katalysatoren".

Leitungsbau schreitet planmäßig voran

Der Bau der 380 kV-Leitung vom Umspannwerk Wien-Südost in
das Südburgenland liegt im Zeitplan. Das Betriebsgebäude des Umspannwerkes in der Gemeinde Rotenturm steht bereits, an der Freiluft-Schaltanlage wird gearbeitet. Zur Zeit werden die
Maste montiert. Sie sollen bis Ende dieses Jahres fertig
aufgestellt sein.

Erfolgreiche Forschung und Entwicklung

Die Forschungs- und Entwicklungsarbeit der Verbund-Tochter Draukraft hat kürzlich internationale Anerkennung erfahren. Für die Biomasse-Verstromung im Kraftwerk St. Andrä im Lavanttal
und im Kraftwerk Zeltweg erhielt das Unternehmen den
internationalen POWER GEN-Preis zuerkannt. Schröfelbauer sieht
gute Chancen, das Know How aus der Forschungs- und Entwicklungsarbeit zu vermarkten. Stromexperten aus Deutschland besuchten Zeltweg, um das Know How von Verbund und Draukraft
für ein Biomasseprojekt in Baden-Württemberg zu nutzen.

Dammsanierung geht gut voran

Die Sanierungsarbeiten am Damm des größten Draukraftwerks Annabrücke gehen zügig voran. Problematische geologische Verhältnisse haben im Oberwasserbereich eine undichten Stelle verursacht. "Der Damm wird auf einer Länge von rund 1 km mit Dichtwänden aus Beton, die 45 bis 63 m in den Boden reichen, saniert", meinte Schröfelbauer. Die Arbeiten liegen im Plan,
der Damm wird bis Ende 1999 abgedichtet sein.

Kunde im Mittelpunkt der Bemühungen

Trotz der schlechten Wasserführung und der atypisch milden Witterung ist es gelungen, die Stromerlöse im ersten Halbjahr
zu halten, erklärte der für das Stromgeschäft zuständige Vorstand Dr. Johann Sereinig. Sereinig betonte in diesem Zusammenhang die Kundenbindungsprogramme des Verbund. "Unsere Bemühungen, langjährige Partnerschaften auch unter Wettbewerbsbedingungen fortzusetzen, haben erste Erfolge
gebracht. Wir werden diese Anstrengungen mit Hochdruck
fortsetzen."

Beim Auslandsgeschäft hob Sereinig die neuerlich
verbesserten Handelsspannen hervor. "Der Stromhandel leistet
einen wichtigen Beitrag zur Optimierung unseres Produktmix.
Davon profitieren in erster Linie unsere Kunden."

Stromhandelsgesellschaft gegründet

Neben der Sicherung der bestehenden Inlandskunden und der Intensivierung der Marktbearbeitung im Ausland nannte Sereinig
den Ausbau der Stromhandelsaktivitäten als wichtigen Eckpunkt
der Verbund-Marktbearbeitungsstrategie. "Mit der Gründung der Austrian Power Trading GmbH (APT) haben wir eine
Weichenstellung vorgenommen, um an den Chancen des Wettbewerbs
zu partizipieren," führte Sereinig aus und wies darauf hin, daß der Verbund schon heute einer der aktivsten Stromhändler an den europäischen Spotmärkten ist. Die APT soll helfen, diese
Position weiter auszubauen.

Heimmarkt bleibt Nummer 1

Zunächst gelte es aber bestehende Kundenbeziehungen zu vertiefen, betonte der Stromgeschäfts-Vorstand: "Der Heimmarkt
wird auch in Zukunft unser wichtigstes Tätigkeitsfeld bleiben."
Um diesen abzusichern, entwickelt der Verbund neue Modelle der Partnerschaft. Gleichzeitig zeige der Marktauftritt in
Deutschland, daß der Verbund gute Chancen hat, auch außerhalb Österreichs Grenzen erfolgreich zu agieren. Die Internationalisierung sei daher ein wesentlicher Aspekt der Marktbearbeitungsstrategie des Verbund.

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