Gratzer zu FPÖ-NÖ-Schulden: "Haider schon im November 1997 informiert" Vorausmeldungen zu NEWS Nr.36/98 vom 3.September 1998

Wien (OTS) - In einem Interview mit dem am Donnerstag
erscheinenden Nachrichtenmagazin NEWS belastet der frühere niederösterreichische FP-Chef Bernhard Gratzer Jörg Haider und die FPÖ-Bundesspitze. Diese, so Gratzer, sei über finanzielle Schwierigkeiten der niederösterreichischen Partei sowie der Wohnbaugesellschaften bereits im November 1997 informiert worden. Gratzer im NEWS-Interview: "Am 17. November 1997 um 19.30 Uhr gab es eine Sitzung im Parlamentsklub, in der der Landesvorstand Niederösterreich anwesend war. Vom Bund nahmen an dieser Sitzung Haider, Westenthaler, Rumpold, Trattner, Stadler, Petritz, Moser und Brauneder teil. Dabei wurde die Angelegenheit Wohnbau diskutiert und beschlossen, daß sich die Parteigranden aus dem Aufsichtsrat zurückziehen, damit die gemeinnützige Gesellschaft "Freies Wohnen" von der FPÖ entpolitisiert wird."

Ebenso sei in dieser Sitzung die finanzielle Involvierung von Peter Rosenstingl und seiner Firma Omikron zur Sprache gekommen:
"Auch die Angelegenheit Rosenstingl ist im Detail zur Sprache gekommen, da Unterlagen aufgetaucht sind, wonach die Sparkasse Baden einen Kredit fällig gestellt hat, wobei im Kreditakt die Firma Omikron und der RFW verquickt waren. Rosenstingl hat schlüssig dargelegt, daß er über seine Omikron für den RFW bessere Konditionen herausholen kann. Das wurde von allen akzeptiert."

Der niederösterreichische FPÖ-Klub sei laut Gratzer bereits im Sommer 1997 informiert worden, daß Klubgelder bei Rosenstingl veranlagt wurden: "Ich habe den Klub Ende August/Anfang September über die Veranlagung der sechs Millionen Klubgelder und des Zehn-Millionen-Kredites informiert. Das wurde ausdrücklich nicht ins Protokoll aufgenommen. Auch wenn jetzt Aussage gegen Aussage steht und alle behaupten, ich hätte sie nicht informiert, bleibe ich dabei, daß ich den gesamten Klub informiert habe:" Der jetzige niederösterreichische Parteiobmann Hans-Jörg Schimanek sei besonders gut informiert gewesen: "Schimanek wurde nicht nur von mir, sondern auch vom Vorstand von "Die Bank" mehrfach uns sehr konkret informiert. Ich weiß nur, daß er oft mehr Details gewußt hat als ich selbst."

Jörg Haider habe er, Gratzer, am 1. Mai 1998 detailliert über die Causa Rosenstingl informiert: "Dort wurde über die Veranlagungen des Klubs bei Rosenstingl gesprochen und darüber, wie man da wieder herauskommt. Als Vertreter des Bundes war bei dieser Sitzung Bundesgeschäftsführer Gernot Rumpold anwesend. Erst am Nachmittag habe ich bei einem gemeinsamen Essen Jörg Haider informiert.

Nazi-Sammelklagen

US-Anwalt Fagan schießt sich auf Steyr-Daimler-Puch ein

Bereits in seiner vergangenen Sonntag gegen deutsche Konzerne wie VW und Siemens eingebrachten Sammelklage nennt Anwalt Edward Fagan die SDP als weiteres durch Zeugen und Unterlagen belastetes Unternehmen. NEWS veröffentlicht Teile der Sammelklage, in der Fagan unter Punkt 34 die Steyr-Daimler-Puch als "weiteres Unternehmen, das mit den Nazis kooperiert und durch Zwangsarbeiter profitiert" haben soll, angeführt. Fagan wörtlich im NEWS-Interview: "Die Arbeiter wurden dort wie Leibeigene gehalten. Sie wurden gequält, geschlagen, versklavt. Die Nazis haben nicht darauf bestanden, daß die Menschen zur Zwangsarbeit herhalten müssen. Sie haben die Gefangenen den Unternehmen angeboten, aber nicht aufgedrängt. "Für jedes der damaligen Opfer fordert Fagan Lohnnachzahlungen und Schmerzensgeld von 75.000 US-Dollar. Da bei Steyr allein im September 1944 über 25.000 Zwangsarbeiter beschäftigt waren, könnte sich eine entsprechende Klage auf viele Milliarden auswachsen.

Demnächst will Fagan mit seinem Münchner Kollegen Michael Witti eine Sammelklage gegen österreichische Unternehmen einbringen. Der SDP setzt der US-Advokat zuvor noch eine Frist von einer Woche für ein klärendes Gespräch: "Es muß bei Steyr Unterlagen darüber geben. Und ich möchte dem Unternehmen die Möglichkeit bieten, diese auf den Tisch zu legen und in Verhandlungen mit uns einzutreten." Als möglichen Termin nennt Fagan den 9. September 1998, an dem er ohnedies in Sachen Sammelklagen in Wien sein wird.

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