Lesben, Schwule, "Der 13" und das Tierreich

Die skurrile Urteilsbegründung des Richter Bittmann im Prozess - 44 KlägerInnen gegen "Der 13."

Wien (OTS) - Anfang Sommer gingen die medialen Wogen hoch. Nachdem 44 Lesben und Schwule unter der Ägide des ÖLSF (Österreichisches Lesben- und Schwulenforum) gegen den verhetzenden und beleidigenden Artikel Kurt Diemans in der rechtskatholischen Zeitschrift "Der 13." geklagt hatten, kam es zum Prozeß. Nur vier Personen, die auf Fotos klar erkennbar abgebildet waren, bekamen Recht. Die Gruppe der Lesben und Schwulen hingegen darf sich gegen Verhetzung, Bedrohung und Beleidigung nicht zu Wehr setzen denn - sie ist zu groß! Denn Homosexualität sei ja sogar im Tierreich weit verbreitet. Diese skurrile Urteilsbegründung des Richters Dr. Klaus Peter Bittmann erhielten die KlägerInnen kürzlich zugestellt. Sie ist ein trauriges Kabarettstück österreichischer Rechtssprechung.

Richter Bittmann begründet folgendermaßen, warum Kollektivbeleidigung in diesem Fall nicht vorliegt: (ZITAT aus der Urteilsbegründung 24EVr 2326/97 Landesgericht Linz) "Darüber hinaus ist gerichtsbekannt daß der Personenkreis der Homosexuellen naturgemäß ein unüberschaubarer Personenkreis ist ... In Wahrheit schließt Homosexualität aber auch die Welt der lesbischen Frauen und selbstverständlich auch jene der Tiere ein ... Mitglieder jeder höheren Tierart wenden sich zur Paarungszeit Tieren ihres eigenen Geschlechts zu, wenn kein andersgeschlechtlicher Partner verfügbar ist. Kühe reiten aufeinander, stampfen mit den Vorderfüßen, werfen die Erde mit den Hinterfüßen auf und brüllen wie Stiere. Stuten stülpen die Schamlippen auf, bringen die Klitoris vor, entleeren Schleim, blitzen mit den Schamlippen, biegen den Hinterleib ein, wenn eine andere Stute die Flanke berührt, reiten aufeinander und lecken sich gegenseitig die Genitalien. Ähnliches kann man auch bei Kamelhengsten, bei Löwen, bei Hyänen beobachten. Auch auf Hühnerhöfen kann man fast überall lesbische Verhältnisse bei Hühnern, Gänsen, Enten und Fasanen dann beobachten, wenn keine männlichen Tiere zur Verfügung stehen." (ENDE DES ZITATS)

Welche Phantasien und krausen Homosexualitätstheorien da Richter Bittmann geritten haben, mag nicht herauszufinden sein. Daß sie für die Betroffenen nach der Verhetzung und Bedrohung durch einen Artikel wie Kurt Diemans in "Der 13." ein weiterer Schlag ins Gesicht sind, ist offensichtlich. Diese mußten erfahren, daß sie kein Gesetz dieser Republik schützt, daß nicht vorhandener Minderheitenschutz allerdings so begründet wird, stellt nicht nur einen Einzelrichter in ein eigenartiges Licht, sondern die Republik an den Pranger.

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