- 07.08.1998, 08:35:08
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NS-Gedenktafel fur Jehovas Zeugen
Mauthausen (OTS) - Am Samstag, den 8. August erinnert man sich
der Gründung des Konzentrationslagers Mauthausen vor 60 Jahren.
Jehovas Zeugen (als Glaubensgemeinschaft eine Opfergruppe des
Nationalsozialismus ( enthüllen zu diesem Anlaß eine Gedenktafel.
Im KL Mauthausen und seinen Nebenlagern litten über 300 Zeugen
Jehovas, darunter Österreicher, Deutsche, Tschechoslowaken und Polen,
Frauen und Männer. Sie alle wurden mit dem "Lila Winkel"
stigmatisiert. Am Samstag, den 8. August um 16 Uhr kommt es zur
ersten Gedenktafelenthüllung für diese Opfergruppe. Es werden viele
Zeitzeugen und Vertreter der Öffentlichkeit erwartet. Heidi Gsell
arbeitet seit einem Jahr für das Geschichtsarchiv der Zeugen Jehovas:
"Es erschüttert mich sehr, wieviel Einzelschicksale erst jetzt
bekannt werden. Es ist mir ein großes Anliegen, daß die
Öffentlichkeit von der grausamen Verfolgung von Frauen und Männern
erfahrt, die kraft ihres Glaubens dem Hitlerregime Widerstand
leisteten." So wurden am 29.9.1939 ca. 2000 Häftlinge, darunter 144
österreichische und deutsche Zeugen Jehovas vom KZ Dachau nach
Mauthausen überstellt. Bei diesem Transport kamen auch die beiden
Brüder Hubert und Wilhelm Mattischek aus Attnang-Puchheim in das
bereits berühmt berüchtigte "Mordhausen".
Berüchtigt war die Lagerführung und die harte Behandlung durch das
Wachpersonal. Wenn Zeugen Jehovas in Mauthausen ankamen und im
Steinbruch zu arbeiten begannen, erklärte der gefürchtete
Hauptscharführer Spatzenegger den Zeugen, die er auch als
"Himmelskomitee" und als "Bibelwürmer" bezeichnete: "Kein Zigeuner
und kein Bibelforscher wird hier lebend wieder herauskommen.
Höchstens kommt ihr alle nur durch den Kamin des Krematoriums wieder
heraus." Jehovas Zeugen verweigerten sich dem Nationalsozialismus
konsequent, friedlich und kompromißlos. Die Hitlerregierung
verfolgte sie wegen dieser Haltung von Anfang an. Der
Nationalsozialismus forderte von ihnen den Hitlergruß, den Wehrdienst
und das Aufgeben jeglicher Glaubensaktivitäten.
Immer wieder wurden sowohl Manner als auch Frauen im KZ erpreßt,
eine "Erklärung" zu unterschreiben. Dadurch hatten sie ihrem Glauben
abgeschworen. Man versprach ihnen dafür die Freiheit. Die meisten
blieben standhaft. Denn diese Frauen und Mäner wollten unbedingt
ihrem Gott und Schöpfer treu bleiben, auch angesichts des Todes.
Diejenigen, die bis zum Tod treu geblieben sind, wurden anderen zum
Ansporn dies ebenso zu tun. Der Österreicher Hans Marsalek, ehemalige
Lagerschreiber von Mauthausen lernte Zeugen Jehovas im Lager kennen:
"Die Zeugen Jehovas waren im KZ Mauthausen eine Leidensgemeinschaft
mit festem Zusammenhalt. Sie waren bescheidene, disziplinierte,
fleißige, duldsame, ihrer Internationalen Bibelforschervereinigung
und somit auch ihrem Glauben treu ergeben Menschen. Sie übten
innerhalb der illegalen politischen Auseinandersetzung im Lager
strenge Neutralität." (Marsalek Hans: Die Geschichte des
Konzentrationslagers Mauthausen. 3. Auflage. Wien, 1995, S. 282)
Hubert und Wilhelm Mattischek überlebten sechs Jahre
Konzentrationslager Mauthausen. Ihr Bruder Franz dagegen war dem
unbarmherzigen Regime zum Opfer gefallen. Er wurde wegen
Wehrdienstverweigerung enthauptet. Doch ihr Glaube blieb
ungebrochen.
Sollten Sie weiter Fragen haben oder zusätzliche Unterlagen wie
Lebensberichte und Fotos benötigen, wenden Sie sich bitte an:
Informationsdienst der Zeugen Jehovas
Ing. Gsell Bernd
Tel.: (01) 804 53 45/26
Fax: (01) 804 53 45/75
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