NS-Gedenktafel fur Jehovas Zeugen

Mauthausen (OTS) - Am Samstag, den 8. August erinnert man sich
der Gründung des Konzentrationslagers Mauthausen vor 60 Jahren. Jehovas Zeugen (als Glaubensgemeinschaft eine Opfergruppe des Nationalsozialismus ( enthüllen zu diesem Anlaß eine Gedenktafel.

Im KL Mauthausen und seinen Nebenlagern litten über 300 Zeugen Jehovas, darunter Österreicher, Deutsche, Tschechoslowaken und Polen, Frauen und Männer. Sie alle wurden mit dem "Lila Winkel" stigmatisiert. Am Samstag, den 8. August um 16 Uhr kommt es zur ersten Gedenktafelenthüllung für diese Opfergruppe. Es werden viele Zeitzeugen und Vertreter der Öffentlichkeit erwartet. Heidi Gsell arbeitet seit einem Jahr für das Geschichtsarchiv der Zeugen Jehovas:
"Es erschüttert mich sehr, wieviel Einzelschicksale erst jetzt bekannt werden. Es ist mir ein großes Anliegen, daß die Öffentlichkeit von der grausamen Verfolgung von Frauen und Männern erfahrt, die kraft ihres Glaubens dem Hitlerregime Widerstand leisteten." So wurden am 29.9.1939 ca. 2000 Häftlinge, darunter 144 österreichische und deutsche Zeugen Jehovas vom KZ Dachau nach Mauthausen überstellt. Bei diesem Transport kamen auch die beiden Brüder Hubert und Wilhelm Mattischek aus Attnang-Puchheim in das bereits berühmt berüchtigte "Mordhausen".

Berüchtigt war die Lagerführung und die harte Behandlung durch das Wachpersonal. Wenn Zeugen Jehovas in Mauthausen ankamen und im Steinbruch zu arbeiten begannen, erklärte der gefürchtete Hauptscharführer Spatzenegger den Zeugen, die er auch als "Himmelskomitee" und als "Bibelwürmer" bezeichnete: "Kein Zigeuner und kein Bibelforscher wird hier lebend wieder herauskommen. Höchstens kommt ihr alle nur durch den Kamin des Krematoriums wieder heraus." Jehovas Zeugen verweigerten sich dem Nationalsozialismus konsequent, friedlich und kompromißlos. Die Hitlerregierung verfolgte sie wegen dieser Haltung von Anfang an. Der Nationalsozialismus forderte von ihnen den Hitlergruß, den Wehrdienst und das Aufgeben jeglicher Glaubensaktivitäten.

Immer wieder wurden sowohl Manner als auch Frauen im KZ erpreßt, eine "Erklärung" zu unterschreiben. Dadurch hatten sie ihrem Glauben abgeschworen. Man versprach ihnen dafür die Freiheit. Die meisten blieben standhaft. Denn diese Frauen und Mäner wollten unbedingt ihrem Gott und Schöpfer treu bleiben, auch angesichts des Todes. Diejenigen, die bis zum Tod treu geblieben sind, wurden anderen zum Ansporn dies ebenso zu tun. Der Österreicher Hans Marsalek, ehemalige Lagerschreiber von Mauthausen lernte Zeugen Jehovas im Lager kennen:
"Die Zeugen Jehovas waren im KZ Mauthausen eine Leidensgemeinschaft mit festem Zusammenhalt. Sie waren bescheidene, disziplinierte, fleißige, duldsame, ihrer Internationalen Bibelforschervereinigung und somit auch ihrem Glauben treu ergeben Menschen. Sie übten innerhalb der illegalen politischen Auseinandersetzung im Lager strenge Neutralität." (Marsalek Hans: Die Geschichte des Konzentrationslagers Mauthausen. 3. Auflage. Wien, 1995, S. 282) Hubert und Wilhelm Mattischek überlebten sechs Jahre Konzentrationslager Mauthausen. Ihr Bruder Franz dagegen war dem unbarmherzigen Regime zum Opfer gefallen. Er wurde wegen Wehrdienstverweigerung enthauptet. Doch ihr Glaube blieb ungebrochen.

Sollten Sie weiter Fragen haben oder zusätzliche Unterlagen wie Lebensberichte und Fotos benötigen, wenden Sie sich bitte an:
Informationsdienst der Zeugen Jehovas
Ing. Gsell Bernd
Tel.: (01) 804 53 45/26
Fax: (01) 804 53 45/75

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