Verursachte Erdbeben die Katastrophe von Lassing? - Oberster Bergbaubeamte bestätigt Erdbeben am Tage der Katastrophe

Vorausmeldung zu News Nr. 32/6.8.1998

Wien (OTS) - Wie News in seiner morgen erscheinenden Ausgabe berichtet, dürfte die Katastrophe von Lassing auf ein Erdbeben zurückzuführen sein. Der oberste Bergbaubeamte Österreichs, Sektionschef Dr. Rudolf Wüstrich, bestätigte in einem News-Gespräch, daß am Tage der Katastrophe, am 17. Juli, ein Vorbeben stattgefunden habe. Zwei Tage später, am 19. Juli, kam es dann zu einem kleineren Erdbeben. Die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik stellte als Epizentrum den Ort Stainach fest.

Das Beben sei für die Bewohner nicht wahrnehmbar gewesen, "habe aber", so Wüstrich, "einen Riß verursacht". Diese Kluft habe Wasser ins benachbarte Stollensystem geleitet. Der Spalt sei dabei immer größer und breiter geworden und habe schlagartig die gesamte Grube überflutet. Bei diesem ersten Einbruch sei der Bergmann Georg Hainzl verschüttet worden.

Damit ergibt sich ein weiterer möglicherweise strafrechtlich relevanter Tatbestand im Zusammenhang mit dem Lassinger Grubenunglück. Denn den Behörden war von Anfang an bekannt, daß die Untertaggrube Lassing in einer geologisch sensiblen und erdbebengefährdeten Region liegt. Sektionschef Wüstrich glaubt allerdings nicht an rechtliche Konsequenzen für die Verantwortlichen der Ereignisse rund um das Lassinger Grubenunglück und verteidigt sowohl Betriebs- als auch Einsatzleitung. Wüstrich: "Ich bin überzeugt, daß man weder den Betriebsleiter noch der Berghauptmannschaft und erst recht nicht den Einsatzleitern am Zeug flicken kann. So oder so - das Strafverfahren wird sich totlaufen."

Wüstrich ist skeptisch was die Bergung der Eingeschlossenen betrifft: "Ich weiß nicht, ob man sie bergen kann. Oder soll. Das Ausräumen der Grube ist gefährlich, sie befindet sich im labilen Gleichgewichtszustand und kann jederzeit einstürzen. Jetzt müssen also erst Sachverständige her. Die Gutachten sind aber sicher nicht vor dem Herbst fertig." Nachsatz: "Das alles ist traurig unwirklich."

Rückfragen & Kontakt:

News - Chefredaktion
Tel.: (01) 213 12/101

ORIGINALTEXT-SERVICE UNTER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NEF/OTS