Otto Reichelt AG: Paragraph 15 WpHG-Mitteilung

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Otto Reichelt

Aktiengesellschaft

- Vorstand -

Zwischenbericht über das 1. Halbjahr 1998

Otto Reichelt AG reduziert Vorstandsmandate. Lebensmittelhandel leidet weiterhin unter Kaufzurückhaltung und Wettbewerbsdruck.

Veränderungen im Vorstand

Die Otto Reichelt AG, Berlin, teilt nach einer Aufsichtsratssitzung mit, daß die Vorstandsmandate von bisher vier auf nunmehr zwei mit Wirkung ab 1. August 1998 reduziert wurden.

Das für Beschaffung und Vertrieb zuständige Vorstandsmitglied, Holger Wagner, ist im gegenseitigen Einvernehmen ausgeschieden.

Klaas Kuizenga hat sein Mandat niedergelegt und verantwortet mit Wirkung ab 1. Juli 1998 ausschließlich das für die Gesellschaft bedeutsame Fleischwerk und somit die Fleisch- und Wurstwarenproduktion. Das bisher als Sparte geführte Fleischwerk wurde in eine Tochtergesellschaft (ReNo Fleischwaren Handelsgesellschaft mbH) ausgegliedert und öffnet sich damit für eine breiter angelegte Marktbearbeitung. Der Fleischfachmann Kuizenga führt die Gesellschaft als Geschäftsführer zusammen mit dem Fleischermeister Thomas Barnick, welchem Prokura erteilt wurde.

Der bisherige Vorstandsvorsitzende Joachim A. F. Schmidt -gleichzeitig Sprecher der Geschäftsführung des Hauptaktionärs der EDEKA Minden-Hannover (hält 60,15 % am Aktienkapital von Reichelt)-hat sein Mandat zur Verfügung gestellt und damit die Voraussetzung dafür geschaffen, daß der neue Vorstandsvorsitzende der Gesellschaft zeitlich uneingeschränkt zur Verfügung steht, was die sonstigen Verpflichtungen von Schmidt auch innerhalb der EDEKA Gruppe nicht zugelassen hatten.

Uwe-Jens Beister, Vorstand Finanz- und Personalwesen und bisheriger stellvertretender Vorsitzender des Vorstandes, wurde vom Aufsichtsrat per 1. August zum neuen Vorstandsvorsitzenden berufen.

Ebenfalls zum gleichen Stichtag wurde Hans-Ulrich Schlender als zuständiges Vorstandsmitglied für Beschaffung und Vertrieb bestellt.

Der Aufsichtsrat zeigte sich anläßlich seiner Beschlußfassungs-sitzung davon überzeugt, daß die Reduzierung der Vorstandsmandate auch als ein Zeichen der verstärkten Kostenorientierung und -straffung in schwierigen Zeiten verstanden und gewertet wird.

Umsatzentwicklung

Die Otto Reichelt Aktiengesellschaft betreibt ihr Filialnetz mit Schwerpunkt in Berlin, darüber hinaus aber auch in Brandenburg und Sachsen-Anhalt. Sie ist insofern von den im Bundesvergleich gerade in diesen Gebieten besonders negativen Umsatzentwicklungen betroffen. Während das Marktforschungsunternehmen Nielsen für die bundesweite Umsatzentwicklung der Branche aufgelaufen per Mai ein Umsatzminus von 1,7 % ausweist, mußte der Lebensmitteleinzelhandel 'Ost' ein Umsatzminus von 2,8 % hinnehmen. Die bereits in mehr-jähriger Folge besonders negative Umsatzentwicklung in Berlin setzt sich in geradezu dramatischer Weise fort. Der Berliner Markt war lt. Nielsen per Mai sogar um 5,8 % rückläufig.

Diese Entwicklung wird ungeachtet bereits vorhandener Verkaufsflächenüberkapazitäten von einem weiteren Verkaufsflächenzuwachs begleitet, was zu besonders preisaggressiven Bemühungen aller Wettbewerber im Lebensmitteleinzelhandel um die Gunst der Verbraucher führt. Diese üben jedoch nach wie vor Kaufzurückhaltung aus, was angesichts der stagnierenden und zum Teil sogar rückläufigen Realeinkommen sowie der prekären Lage auf dem Arbeitsmarkt und der konsumhemmenden Steuer- und Abgabenlast nicht verwundert. Eine Weiterentwicklung des sog. privaten Verbrauchs ist bei den Ausgaben für Nahrungs- und Genußmittel in gar keiner Weise spürbar.

Die konsolidierten Nettoumsatzerlöse unter Einbeziehung der hundertprozentigen Tochtergesellschaften mit Ergebnisabführungsvertrag lagen in den ersten sechs Monaten 1998 mit 648,6 Mio. DM unter denen des vergleichbaren Vorjahreszeitraumes (669,7 Mio. DM). Das Umsatzminus beträgt 3,2 %.

Per 1. Juli 1998 betrieb die Otto Reichelt AG 111 Filialen (30. Juni 1997: 114 Filialen).

Ertrag

Das Ergebnis der Geschäftstätigkeit vor Steuern mit kalkulierten Normalabschreibungen *) betrug im ersten Halbjahr 1998 3,9 Mio. DM gegenüber 11,1 Mio. DM im ersten Halbjahr 1997. Damit ist das Ergebnis deutlich hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Das ist in erster Linie die Folge der trotz Preisaggressivität sehr unbefriedigenden Umsatzentwicklung. Auch die Mehrwertsteuererhöhung ging - soweit sie die von der Gesellschaft betriebenen Sortimente betraf - überwiegend zu Lasten der Erträge und bestätigt somit die Feststellungen des Statistischen Bundesamtes, wonach es dem Handel nicht gelungen sei, die mehrwertsteuerbedingte Preiserhöhung in vollem Umfang weiterzugeben.

Die expansionsbedingte Ertragsbelastung durch das Ergebnis der Tochtergesellschaft Otto Thuermann GmbH, die Backwaren herstellt und diese u. a. in eigenen Vorkassen- Shops und Backwarenfachgeschäften vertreibt, ist gegenüber dem Vorjahr zwar deutlich zurückgegangen, wurde aber dennoch anteilig wirksam.

Bei nach wie vor guter Liquidität der Otto Reichelt AG lagen die Zinserträge auf Vorjahresniveau.

Kosten- und Preisentwicklung

Durch die vielfältig getroffenen Maßnahmen zur Verbesserung der Kostensituation konnten die vergleichbaren Kosten im ersten Halbjahr 1998 gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum deutlich reduziert werden. Dies bleibt auch Arbeitsschwerpunkt für das zweite Halbjahr. Allerdings ist der Kostendruck - gerade auch im Hinblick auf die unbefriedigende Einnahmeentwicklung - nach wie vor spürbar. Weitere Maßnahmen zur Kostenoptimierung sind somit zwingend. Die Lebensmittelpreise zeigen aufgrund der Wettbewerbssituation seit Jahren eine stagnierende oder sogar rückläufige Tendenz. Dies schließt die Möglichkeit, auf den Kostendruck mit notwendigen Preisanpassungen zu reagieren, praktisch aus. Diese für den Handel beklagenswerte Situation hilft andererseits, die Inflationsrate auf einem niedrigen Niveau zu halten. ___________ *) Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit mit kalkulierten Normalabschreibungen anstelle der planmäßigen und außerplan mäßigen bilanziellen Abschreibungen

Investitionen

Die Investitionen im ersten Halbjahr 1998 lagen mit 10,1 Mio.DM unter denen im ersten Halbjahr des Vorjahres (12,3 Mio. DM). Als größere Positionen sind Investitionen in das Filialnetz, Aufwendungen für die EDV sowie Investitionen in das Fleischwerk der Gesellschaft zu nennen. Im ersten Halbjahr 1998 wurde keine neue Filiale eroeffnet, zwei unrentable Objekte wurden jedoch geschlossen. Für das zweite Halbjahr ist eine Filialneüroeffnung geplant.

Vorgänge von besonderer Bedeutung

Die Otto Reichelt AG hat zum 29. Juni 1998 die unternehmenseigene Fleisch- und Wurstwarenproduktion ausgegliedert und in die ReNo Fleischwaren Handelsgesellschaft mbH eingebracht. Diese Gesellschaft hat alle zuvor im Fleischwerk beschäftigten Mitarbeiter übernommen und wird die Geschäftstätigkeit auf eine breitere Basis stellen. Es ist geplant, daß diese Gesellschaft eigene Fleischfachgeschäfte sowohl als Solitärstandorte als auch in Kombination mit Backwarenfachgeschäften der Schwestergesellschaft Otto Thuermann GmbH betreibt. Eine erste Neueroeffnung ist kürzlich in Berlin-Heiligensee als Pilotprojekt erfolgt. Das traditionell hohe Ansehen der Otto Reichelt AG im Fleischgeschäft bietet eine gute Grundlage für eine aussichtsreiche Expansion.

Die ReNo Fleischwaren Handelsgesellschaft mbH ist eine hundert-prozentige Tochtergesellschaft der AG und dieser durch Ergebnisabführungsvertrag verbunden.

Mitarbeiter

Am 1. Juli 1998 waren bei der Otto Reichelt Aktiengesellschaft 5.005 Mitarbeiter beschäftigt. Im Vergleich zum Vorjahresstichtag (5.820 Beschäftigte) ist die Zahl der Mitarbeiter deutlich zurückgegangen. Dies ist u. a. darauf zurückzuführen, daß durch die Auslagerung des Fleischwerkes 365 Mitarbeiter von der Fleischwaren-Tochtergesellschaft übernommen worden sind. Insofern sind auch die Angaben zur Mitarbeiterzahl, umgerechnet auf Vollzeitarbeitsplätze, zum 1. Juli 1998 nicht vergleichbar. Diese betrug 3.938 gegenüber 4.610 zum Stichtag 1. Juli 1997.

Ausblick

Die bereits eingangs ausgeführten belastenden Rahmenbedingungen werden auch im zweiten Halbjahr 1998 die Geschäftslage im Lebensmitteleinzelhandel prägen. Hinzu kommt ein weiterer Wettbewerbsdruck durch zur Zeit noch im Bau befindliche Großeinkaufszentren im Berliner Raum. Konjunkturelle Belebungen, wie sie in anderen Wirtschaftszweigen zum Teil erkennbar werden, sind für die Lebensmittelbranche nicht zu erwarten.

In dieser Situation kommt es um so mehr darauf an, sich auf die eigenen Stärken zu besinnen und in den Märkten innovativ zu arbeiten. Dazu zählt die Gesellschaft die Aktivität im Internet (Reichelt online: http://www.reichelt-ag.de) wie auch den inzwischen im Stadtgebiet von Berlin getesteten Zustell- Lieferservice. In diesem Zusammenhang werden auch große Erwartungen auf den geschäftlichen Erfolg der Tochter-gesellschaften für Brot- und Back- sowie Fleisch-und Wurstwaren und deren geplante Aktivitäten gesetzt.

Bei der Otto Reichelt AG ist eine Bereinigung des Filialnetzes überall dort unausweichlich, wo ein massiver Wettbewerb und Verkaufsflächenüberbesatz die dauerhaft rentable Betreibung von Filialen nicht mehr zuläßt. Wegen der dadurch entstehenden Aufwendungen, aber auch wegen der weiter erwarteten Schwierigkeiten bei der Stabilisierung der Einnahmeentwicklung schließt der Vorstand aus derzeitiger Sicht einen Dividendenausfall, moeglicherweise sogar einen Verlustausweis für das Jahr 1998, nicht aus. Zeitgleich wird die Otto Reichelt AG das Filialnetz sowohl in Berlin als auch im engeren Umland verdichten.

Ende der Mitteilung

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