• 17.07.1998, 15:17:44
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  • OTS0235

Bartenstein: Erneuerbare Energieträger könnten in EU 850.000 neue Jobs bringen

Informeller Umweltrat in Graz bindet erstmals Umweltminister aus Osteuropa ein

Graz (OTS) - Ein "starkes Signal" für die verstärkte Nutzung
erneuerbarer Energieträger in der EU erwartet Umweltminister Dr.
Martin Bartenstein vom heute, Freitag, in Graz beginnenden
informellen Rat der EU-Umweltminister. Der verstärkte Umstieg auf
Alternativenergie solle einerseits zur Erfüllung der gemeinsamen
Klimaschutzverpflichtungen beitragen, andererseits könnte er in den
EU-Staaten 850.000 neue Arbeitsplätze auslösen. Zur Finanzierung
sollten auch Mittel aus den Strukturfonds und den
Landwirtschaftsprogrammen der Union umgeschichtet werden, sagte
Bartenstein.

In den kommenden 12 Jahren soll sich laut EU-Energieweißbuch der
Anteil der erneuerbaren Energieträger am gesamten Energieeinsatz der
Union von derzeit sechs auf 12 Prozent verdoppeln. "Ein sehr, sehr
ambitioniertes Programm", so Bartenstein. Nun sollten die einzelnen
Staaten auf nationaler Ebene festlegen, wie sie zur Erreichung dieses
gemeinschaftlichen Zieles beitragen werden. Die Länder sollten dabei
flexibel handeln können und die unterschiedlichen Voraussetzungen wie
die Verfügbarkeit von Biomasse, Wind oder Sonneneinstrahlung auch
unterschiedlich ausnützen. Österreich gewinnt derzeit zwischen 25 und
27 Prozent seines Energieaufkommens aus erneuerbaren Energieträgern.

Bei den Beratungen in Graz werde es auch um die Finanzierungdieses
Programms gehen, kündigte Bartenstein an. Auf 165 Milliarden Ecu
werden die Kosten des gesamten Programms geschätzt, auf 20 Milliarden
die Kosten für die Startphase. Die Ziele: eine Million neue
Photovoltaik-Anlagen, zusätzliche Windkraftanlagen mit einer
Gesamtleistung von 10.000 Megawatt und neue Kraft-Wärme-Kopplungen
auf Biomassebasis mit ebenfalls insgesamt 10.000 Megawatt.
Realistischsei auch die Installierung von 1 Million moderner
Holzeinzelöfen, fügte Bartenstein hinzu.

Die prognostizierten Zuwächse bei den Jobs im
Alternativenergiesektor seien unterschiedlich verteilt. Dänemark etwa
habe bisher schon tausende Jobs in der Windindustrie gewonnen,
Österreich vor allem in der Biomassebranche. Die Umsetzung der
Weißbuchziele werde laut Kommission außerdem den Import fossiler
Energieträger in die EU um 17 Prozent verringern.

Eine immer stärkere Rolle werde die Stromerzeugung aus
erneuerbaren Energieträgern spielen, betonte Bartenstein. Die bis
2010 neu erzeugte Alternativenergiestrom soll zu 61 Prozent aus
Biomasse, zu 22 Prozent aus Windenergie und zu 14 Prozent aus
Wasserkraft erzeugt werden. Der Umweltrat werde daher auch die
geplante Richtlinie zur Einspeisungvon alternativ erzeugtem Strom und
dessen steuerliche Besserstellung diskutieren. Besteuert werden soll
nach Auffassung Bartensteins auch Flugbenzin. "Ohne EU und ohne die
Internationale Luftfahrtverbände geht da allerdings nichts", räumte
der Minister ein. Abblocken würden diese Maßnahme vor allem die USA,
Kanada, Australien und Neuseeland.

Daß am Umweltrat in Graz erstmals auch Umweltminister aus den
mittel- und osteuropäischen Beitrittswerberstaaten und aus Zypern
teilnehmen, sieht Bartenstein als emotionales und politisches Signal.
"Diese Staaten sollen genauso auf erneuerbare Energieträger setzen,
als wären sie schon EU-Mitglieder", sagte Bartenstein. Man dürfe
nicht außer achtlassen, daß in Osteuropa die Potentiale für
Energiesparen und Energieeffizienz um ein Zwei- bis Vierfaches höher
seien als in den EU-Ländern.

Für die Verankerung von Umweltschutzaspekten in die
gemeinschaftliche EU-Politik werde der Umweltrat die weitere
Vorgangsweise beraten. Es sei notwendig, Nachhaltigkeit in der Agenda
2000 und damit in den EU-Strukturfonds, der Landwirtschaftspolitik
und im Zusammenhang mit der geplanten Osterweiterung zu definieren.
Erste Teilberichte seien von den Räten für Landwirtschaft, Verkehr
und Energie bis zum Wiener Gipfelim Dezember vorzulegen.

Von einem gemeinsamen informellen Rat der Umwelt- und
Energieminister hält Bartenstein wenig. "Diese Jumbo-Räte sind nicht
das Gelbe vom Ei. Die formalen Ergebnisse des gemeinsamen Umwelt- und
Verkehrsministerrates von Chester sind beispielsweise hinter den
Resultaten der paneuropäischen Konferenz für Umwelt und Verkehr weit
zurückgeblieben."

Rückfragehinweis: BM für Umwelt

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