- 16.07.1998, 11:56:42
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Tumpel: Kinderbetreuungsscheck bringt Diskriminierung für Frauen am Arbeitsmarkt
AK fordert Maßnahmen, die die Vereinbarkeit von Familie und Beruf verbessern
Wien (OTS) - Minister Bartenstein stelle mit der Idee eines
Kinderbetreuungsscheck keineswegs eine "revolutionäre" Neuerung
zur Diskussion, sondern präsentiere ein Ausstiegsmodell der Marke
"Heim an den Herd", kritisiert AK Präsident Herbert Tumpel jüngste
Verlautbarungen des Familienministers. Dieser Scheck - konzipiert
als "Quasi-Versorgung" - wird eine Verschlechterung für den
Wiedereinstieg in den Beruf bringen, warnt der AK Präsident. Ein
Blick auf den Arbeitsmarkt zeige, wo der tatsächliche Bedarf
bestehe. Gebraucht seien Mittel und Wege, die eine Vereinbarkeit
von Familie und Beruf für Männer und Frauen herstellen. Der
Kinderbetreuungsscheck sei dafür aber das falsche Signal. Vielmehr
müsse alles getan werden, insbesondere den Frauen den Einstieg in
das Erwerbsleben zu erleichtern. Dazu brauche es Rücksichtnahme
auf die Arbeitszeit-Wünsche der Eltern, ausreichend
Kinderbetreuungseinrichtungen, organisierten Kontakt zum Betrieb
und Weiterbildungsmöglichkeiten während der Karenz und ein
sicheres halbes Jahr am alten Arbeitsplatz, erklärt der AK
Präsident.****
Die Verbesserung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf sei
wichtig, damit insbesondere Frauen im Erwerbsleben verbleiben
können. Dies sei auch eine Botschaft des Frauenvolksbegehrens, das
große Unterstützung breiter Teile der Bevölkerung habe. Diese
Forderung spiegle sich auch in der Realität des Lebens wider,
betont Tumpel. Die Einführung eines Kinderbetreuungsschecks stehe
diesen gesellschaftspolitischem Ziel jedenfalls entgegen.
Darüberhinaus sehe er keinen budgetären Spielraum: "Der
Familienminister geht mit ungedeckten Schecks hausieren". Tumpel
erinnert an das im Zuge der Familienförderungsreform angekündigte
Maßnahmenpaket, dessen Verwirklichung die AK wiederholt eingemahnt
habe. Sollten tatsächlich zusätzliche budgetäre Spielräume
vorhanden sein, habe die AK auch Vorschläge für eine sinnvolle
Verwendung. Dazu gehören etwa flächendeckende, hochwertige,
kostengünstige und ganzjährig zur Verfügung stehende
Kinderbetreuungseinrichtungen oder die Valorisierung des
Karenzgeldes, das seit 1996 unverändert ist.
Kritik übt Tumpel auch an der Vorgangsweise. Das Ergebnis der
Studie sollte zunächst mit den Sozialpartnern diskutiert werden,
so hat es Bartenstein jedenfalls angekündigt. An diese Zusage habe
sich der Minister nicht gehalten und sei ohne seriöse Diskussion
der Frage der Machbarkeit an die Öffentlichkeit gegangen.
Rückfragehinweis: AK Wien
Presse Thomas Angerer
Tel.: (01)501 65-2578
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