• 02.07.1998, 14:15:00
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  • OTS0162

Die österreichische Zahlungsbilanz im 1.Quartal 1998=

Wien (OTS) - Mit Berichtstermin Jänner 1998 hat die
Oesterreichische Nationalbank die Systematik der österreichischen
Zahlungsbilanz umgestellt (siehe die OeNB Presseaussendung
"Die österreichische Zahlungsbilanzstatistik ab
Jänner 1998 in neuer Form" vom 29.4.1998).

Mit heutigem Datum liegt wie angekündigt das erste Quartalsergebnis
in neuer Form vor und zwar für das 1. Quartal 1998.
Die Quartalsdaten, die mit einer Zeitverzögerung von 3 Monaten
publiziert werden, bieten die Grundlage für eine detailliertere
und verbesserte Einschätzung der Zahlungsbilanzsituation Österreichs.
Die detaillierten Quartals- bzw. Jahresergebnisse werden
sowie die Monatsergebnisse in den
"Statistischen Monatsheften der OeNB" publiziert.

Da die monatlichen Cashbilanzen Zahlungsströme messen, ist die
Summe der Monate Jänner bis März 1998 nicht mit der periodenrichtigen
Transaktionsbilanz für das 1. Quartal 1998 vergleichbar.
Auf die wesentlichsten methodologischen Unterschiede
zwischen den beiden Zahlungsbilanzserien wird bei den
entsprechenden Salden hingewiesen.

Die Zahlungsbilanz im 1. Quartal 1998

Im 1. Quartal 1998 zeigte die Leistungsbilanz auf Transaktionsbasis
einen Überschuß von etwas über 1 Mrd S gegenüber einem Defizit von
rd. 1 ½ Mrd S im 1. Quartal 1997.
Entscheidend für diese Verbesserung war die Verringerung
des Defizits der Güter um rd. 6 Mrd S auf 13 Mrd S.
Darüberhinaus erhöhte sich der Überschuß der Dienstleistungen
um fast 1 Mrd S. In der Cash-Version hatte die Summe der ersten
drei Monate noch einen Trend zur Verschlechterung vermuten lassen.

Die Verringerung des Defizits der Güter im 1. Quartal 1998
im Vergleich zum entsprechenden Vorjahresquartal resultierte
aus einem Anstieg der Güterexporte um 10 % bei
einer gleichzeitigen Erhöhung der Güterimporte um nur 6 %.
Im Gegensatz zur Monatsbilanz werden in der Quartalsbilanz so wie
bisher die Außenhandelsdaten des
Österreichischen Statistischen Zentralamts (ÖSTAT) als
Ausgangspunkt für die Errechnung der Güter verwendet.
Die Differenz zwischen den Gütern und Warenzahlungen in Höhe von
3,2 Mrd S wird als "Nicht aufteilbare Leistungen" unter den
Dienstleistungen ausgewiesen. Eine wesentliche Neuerung ist, daß
gemäß internationalen Konventionen sowohl der Warenexport als auch
der Warenimport ohne Transport- und Versicherungskomonente
dargestellt wird.
Transaktionen, bei denen der Produktions- oder Warencharakter
im Vordergrund steht wie vor allem bei der Lohnveredelung
sind ebenfalls in den Gütern enthalten.

Der Überschuß der Dienstleistungen erhöhte
sich im 1. Quartal 1998 um eine ¾ Mrd S auf 24 Mrd S.
Die stärksten positiven Effekte gingen vom Transport
(inkl. internationalem Personentransport), dem Reiseverkehr,
den Transithandelserträgen sowie vor allem von der
neuen Position "übrige unternehmensbezogene, freiberufliche
und technische Dienstleistungen" aus.
Letztgenannte Position, die z. B. Rechts- und Steuerberatung,
Managementconsulting und Engineering enthält, drehte von einem
Defizit von rd. 1 ½ Mrd S auf einen Überschuß in fast gleicher Höhe.

Im 1. Quartal 1998 war das Defizit aus der Teilbilanz Einkommen mit
etwas über 2 Mrd S etwa doppelt so hoch wie im 1. Quartal 1997,
allerdings noch immer weit geringer als im 1. Quartal 1996 (5 Mrd S).
Maßgebend waren höhere Nettoabflüsse bei den Einkommen aus
Direkt-und Portfolioinvestitionen.
In der Quartalsbilanz werden die Erträge aus Vermögenseinkommen
zum Zeitpunkt des Entstehens und nicht zum Zeitpunkt der
tatsächlichen Zahlung verbucht.
Zusätzlich sind die reinvestierten Gewinne erfaßt.

Der Abgang unter dem Titel laufende Transfers betrug im
1. Quartal 1998 etwa 7 ½ Mrd S gegenüber nicht ganz 5 Mrd S
im 1. Vierteljahr 1997.

Die Vermögensübertragungen schlossen im Berichtsquartal ausgeglichen,
während im 1. Quartal 1997 ein Überschuß von 1 Mrd S zu
verzeichnen war.

Die Transaktionen Österreichs mit der EU sind
nicht direkt aus der Zahlungsbilanz ablesbar.
Die Rückflüsse aus der EU beliefen sich im 1. Quartal 1998 so wie
im Vergleichsquartal des Vorjahres auf 6 Mrd S, die Beiträge
Österreichs waren jedoch mit rd. 10 ½ Mrd S um 1 Mrd S höher als
im 1. Quartal 1997.
Die Zahlungen Österreichs an den EU-Hausalt sind so wie bisher in
der Transferbilanz enthalten, auch der überwiegende Teil der
Rückflüsse; Zuschüsse der EU zu Infrastrukturmaßnahmen werden
den Vermögensübertragungen zugerechnet.

Die Kapitalbilanz zeigte im 1. Quartal 1998 einen
Nettokapitalimport in Höhe von 6 ½ Mrd S, während sie in der
Vergleichsperiode 1997 so gut wie ausgeglichen war.

Die Direktinvestitionen des Auslandes in Österreich beliefen sich
im 1. Quartal 1998 auf netto 11 ½ Mrd S gegenübr 5 ½ Mrd S im
entsprechenden Vergleichsquartal 1997.
Grund hierfür war vor allem die Beteiligung eines französischen an
einem österreichischen Energieunternehmen.
Die Investitionen Österreichs im Ausland nahmendagegen netto nur
um 3 Mrd S auf 8 Mrd S zu.
Die Direktinvestitionengemäß Quartalsbilanz enthalten bereits
erste Hochrechnungen der reinvestierten Gewinne ebenso wie die
Kreditbeziehungen zwischen verbundenen Unternehmen.

Im Bereich der Portfolioinvestitionen waren im 1. Quartal 1998
nach wie vor hohe Käufe inländischer Wertpapiere durch Ausländer
zu verzeichnen und zwar in Höhe von 61 Mrd S gegenüber 33 Mrd S
im entsprechenden Vorjahresquartal.
Österreicher kauften dagegen ausländische Wertpapiere um 52 Mrd S
gegenüber 40½ Mrd S.
Das anhaltende Interesse an ausländischen Wertpapieren ist umso
bemerkenswerter, als das hohe Niveau des Vorjahres zum Teil durch
Portfolioumschichtungen bedingt war.

Die sonstigen Investitionen schlossen im Berichtsquartal
ausgeglichen, während im Vergleichsquartal ein Nettokapialexport
in Höhe von insgesamt 13 ½ Mrd S zu verzeichnen war; die sonstigen
Investitionen werden im wesentlichen durch kurzfristige
Bankentransaktionen dominiert.

Die offiziellen Währungsreserven erhöhten sich transaktionsbedingt
im 1. Quartal 1998 um 7 Mrd S, während sie sich im 1. Quartal 1997
um rd. 20 ½ Mrd S vermindert hatten.

Quartalsweise Transaktionenbilanz
1.Quartal

Credit Debet Netto Credit Debet Netto
in Mrd S
Leistungsbilanz 288,7 290,2 -1,5 327,2 326,0 1,2
Güter, Dienstleistung
und Einkommen 278,5 275,3 3,2 316,1 307,4 8,7
Güter und Dienstleist-
ungen 249,6 245,3 4,3 285,7 274,7 11,0
Güter 163,0 181,9 -18,8 179,2 192,1 -12,9
Dienstleistungen 86,6 63,5 23,2 106,6 82,6 23,9
davon:
Transport 10,8 7,9 2,9 13,3 9,3 4,0
Reiseverkehr 42,6 23,9 19,1 42,6 22,9 19,7
Bauleistungen 1,6 1,2 0,4 2,2 1,2 1,0
Finanzdienstleistungen 2,1 2,0 0,2 2,4 2,7 -0,3
Patente und Lizenzen 0,4 2,1 -1,7 0,3 2,9 -2,6
Sonstige unternehmens-
bezogene Dienstleist-
ungen 11,7 11,7 0,1 17,1 12,0 5,1
Regierungsleistungen 1,9 0,5 1,5 1,7 0,5 1,3
Nicht aufteilbare
Leistungen 11,8 10,4 1,4 22,1 25,3 -3,2
Einkommen 28,8 30,0 -1,1 30,3 32,6 -2,3
Laufende Transfers 10,2 14,9 -4,7 11,2 18,7 -7,5
_____________________________________________________________________
Vermögensübertragung
und Kapitalbilanz 1,6 6,6
_____________________________________________________________________

Vermögensübertragungen 2,2 1,1 1,1 1,3 1,3 -0,1
Kapitalbilanz 0,5 6,7
Direktinvestitionen 0,8 3,8
im Ausland 46,7 51,6 -4,9 9,6 17,5 -7,8
in Österreich 9,9 4,2 5,7 13,1 1,4 11,7
Portofolioinvestitionen -7,3 9,2
ausländische
Wertpapiere -40,5 -51,9
österreichische
Werpapiere 33,2 61,1
Sonstige Investitionen -13,4 0,6
Forderungen -13,8 -59,9
Verpflichtungen 0,4 60,5
Offizielle Währungs-
reserven 1) 20,4 -6,9
________________________________________________________________________
Statistische Differenz -0,1 -7,8
________________________________________________________________________

1) Zunahme: -; Abnahme:+.

Rückfragehinweis: Oesterreichische Nationalbank

Sekretariat des Direktoriums/
Öffentlichkeitsarbeit
Tel.Nr.: 404 20 DW 6666
Internet: http://www.oenb.co.at/oenb

ORIGINALTEXT-SERVICE UNTER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | ONB/

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