Die österreichische Zahlungsbilanz im 1.Quartal 1998

Wien (OTS) - Mit Berichtstermin Jänner 1998 hat die Oesterreichische Nationalbank die Systematik der österreichischen Zahlungsbilanz umgestellt (siehe die OeNB Presseaussendung
"Die österreichische Zahlungsbilanzstatistik ab
Jänner 1998 in neuer Form" vom 29.4.1998).

Mit heutigem Datum liegt wie angekündigt das erste Quartalsergebnis in neuer Form vor und zwar für das 1. Quartal 1998.
Die Quartalsdaten, die mit einer Zeitverzögerung von 3 Monaten publiziert werden, bieten die Grundlage für eine detailliertere
und verbesserte Einschätzung der Zahlungsbilanzsituation Österreichs. Die detaillierten Quartals- bzw. Jahresergebnisse werden
sowie die Monatsergebnisse in den
"Statistischen Monatsheften der OeNB" publiziert.

Da die monatlichen Cashbilanzen Zahlungsströme messen, ist die Summe der Monate Jänner bis März 1998 nicht mit der periodenrichtigen Transaktionsbilanz für das 1. Quartal 1998 vergleichbar.
Auf die wesentlichsten methodologischen Unterschiede
zwischen den beiden Zahlungsbilanzserien wird bei den
entsprechenden Salden hingewiesen.

Die Zahlungsbilanz im 1. Quartal 1998

Im 1. Quartal 1998 zeigte die Leistungsbilanz auf Transaktionsbasis einen Überschuß von etwas über 1 Mrd S gegenüber einem Defizit von rd. 1 ½ Mrd S im 1. Quartal 1997.
Entscheidend für diese Verbesserung war die Verringerung
des Defizits der Güter um rd. 6 Mrd S auf 13 Mrd S.
Darüberhinaus erhöhte sich der Überschuß der Dienstleistungen
um fast 1 Mrd S. In der Cash-Version hatte die Summe der ersten
drei Monate noch einen Trend zur Verschlechterung vermuten lassen.

Die Verringerung des Defizits der Güter im 1. Quartal 1998
im Vergleich zum entsprechenden Vorjahresquartal resultierte
aus einem Anstieg der Güterexporte um 10 % bei
einer gleichzeitigen Erhöhung der Güterimporte um nur 6 %.
Im Gegensatz zur Monatsbilanz werden in der Quartalsbilanz so wie bisher die Außenhandelsdaten des
Österreichischen Statistischen Zentralamts (ÖSTAT) als Ausgangspunkt für die Errechnung der Güter verwendet.
Die Differenz zwischen den Gütern und Warenzahlungen in Höhe von 3,2 Mrd S wird als "Nicht aufteilbare Leistungen" unter den Dienstleistungen ausgewiesen. Eine wesentliche Neuerung ist, daß gemäß internationalen Konventionen sowohl der Warenexport als auch der Warenimport ohne Transport- und Versicherungskomonente dargestellt wird.
Transaktionen, bei denen der Produktions- oder Warencharakter
im Vordergrund steht wie vor allem bei der Lohnveredelung
sind ebenfalls in den Gütern enthalten.

Der Überschuß der Dienstleistungen erhöhte
sich im 1. Quartal 1998 um eine ¾ Mrd S auf 24 Mrd S.
Die stärksten positiven Effekte gingen vom Transport
(inkl. internationalem Personentransport), dem Reiseverkehr,
den Transithandelserträgen sowie vor allem von der
neuen Position "übrige unternehmensbezogene, freiberufliche
und technische Dienstleistungen" aus.
Letztgenannte Position, die z. B. Rechts- und Steuerberatung, Managementconsulting und Engineering enthält, drehte von einem Defizit von rd. 1 ½ Mrd S auf einen Überschuß in fast gleicher Höhe.

Im 1. Quartal 1998 war das Defizit aus der Teilbilanz Einkommen mit etwas über 2 Mrd S etwa doppelt so hoch wie im 1. Quartal 1997, allerdings noch immer weit geringer als im 1. Quartal 1996 (5 Mrd S). Maßgebend waren höhere Nettoabflüsse bei den Einkommen aus Direkt-und Portfolioinvestitionen.
In der Quartalsbilanz werden die Erträge aus Vermögenseinkommen zum Zeitpunkt des Entstehens und nicht zum Zeitpunkt der tatsächlichen Zahlung verbucht.
Zusätzlich sind die reinvestierten Gewinne erfaßt.

Der Abgang unter dem Titel laufende Transfers betrug im
1. Quartal 1998 etwa 7 ½ Mrd S gegenüber nicht ganz 5 Mrd S
im 1. Vierteljahr 1997.

Die Vermögensübertragungen schlossen im Berichtsquartal ausgeglichen, während im 1. Quartal 1997 ein Überschuß von 1 Mrd S zu verzeichnen war.

Die Transaktionen Österreichs mit der EU sind
nicht direkt aus der Zahlungsbilanz ablesbar.
Die Rückflüsse aus der EU beliefen sich im 1. Quartal 1998 so wie im Vergleichsquartal des Vorjahres auf 6 Mrd S, die Beiträge Österreichs waren jedoch mit rd. 10 ½ Mrd S um 1 Mrd S höher als im 1. Quartal 1997.
Die Zahlungen Österreichs an den EU-Hausalt sind so wie bisher in der Transferbilanz enthalten, auch der überwiegende Teil der Rückflüsse; Zuschüsse der EU zu Infrastrukturmaßnahmen werden den Vermögensübertragungen zugerechnet.

Die Kapitalbilanz zeigte im 1. Quartal 1998 einen
Nettokapitalimport in Höhe von 6 ½ Mrd S, während sie in der Vergleichsperiode 1997 so gut wie ausgeglichen war.

Die Direktinvestitionen des Auslandes in Österreich beliefen sich im 1. Quartal 1998 auf netto 11 ½ Mrd S gegenübr 5 ½ Mrd S im entsprechenden Vergleichsquartal 1997.
Grund hierfür war vor allem die Beteiligung eines französischen an einem österreichischen Energieunternehmen.
Die Investitionen Österreichs im Ausland nahmendagegen netto nur
um 3 Mrd S auf 8 Mrd S zu.
Die Direktinvestitionengemäß Quartalsbilanz enthalten bereits erste Hochrechnungen der reinvestierten Gewinne ebenso wie die Kreditbeziehungen zwischen verbundenen Unternehmen.

Im Bereich der Portfolioinvestitionen waren im 1. Quartal 1998
nach wie vor hohe Käufe inländischer Wertpapiere durch Ausländer zu verzeichnen und zwar in Höhe von 61 Mrd S gegenüber 33 Mrd S
im entsprechenden Vorjahresquartal.
Österreicher kauften dagegen ausländische Wertpapiere um 52 Mrd S gegenüber 40½ Mrd S.
Das anhaltende Interesse an ausländischen Wertpapieren ist umso bemerkenswerter, als das hohe Niveau des Vorjahres zum Teil durch Portfolioumschichtungen bedingt war.

Die sonstigen Investitionen schlossen im Berichtsquartal ausgeglichen, während im Vergleichsquartal ein Nettokapialexport
in Höhe von insgesamt 13 ½ Mrd S zu verzeichnen war; die sonstigen Investitionen werden im wesentlichen durch kurzfristige Bankentransaktionen dominiert.

Die offiziellen Währungsreserven erhöhten sich transaktionsbedingt im 1. Quartal 1998 um 7 Mrd S, während sie sich im 1. Quartal 1997 um rd. 20 ½ Mrd S vermindert hatten.

Quartalsweise Transaktionenbilanz
1.Quartal

Credit Debet Netto Credit Debet Netto in Mrd S Leistungsbilanz 288,7 290,2 -1,5 327,2 326,0 1,2 Güter, Dienstleistung
und Einkommen 278,5 275,3 3,2 316,1 307,4 8,7 Güter und Dienstleist-
ungen 249,6 245,3 4,3 285,7 274,7 11,0 Güter 163,0 181,9 -18,8 179,2 192,1 -12,9 Dienstleistungen 86,6 63,5 23,2 106,6 82,6 23,9 davon:
Transport 10,8 7,9 2,9 13,3 9,3 4,0 Reiseverkehr 42,6 23,9 19,1 42,6 22,9 19,7 Bauleistungen 1,6 1,2 0,4 2,2 1,2 1,0 Finanzdienstleistungen 2,1 2,0 0,2 2,4 2,7 -0,3 Patente und Lizenzen 0,4 2,1 -1,7 0,3 2,9 -2,6 Sonstige unternehmens-
bezogene Dienstleist-
ungen 11,7 11,7 0,1 17,1 12,0 5,1 Regierungsleistungen 1,9 0,5 1,5 1,7 0,5 1,3 Nicht aufteilbare
Leistungen 11,8 10,4 1,4 22,1 25,3 -3,2 Einkommen 28,8 30,0 -1,1 30,3 32,6 -2,3 Laufende Transfers 10,2 14,9 -4,7 11,2 18,7 -7,5


Vermögensübertragung
und Kapitalbilanz 1,6 6,6

Vermögensübertragungen 2,2 1,1 1,1 1,3 1,3 -0,1 Kapitalbilanz 0,5 6,7 Direktinvestitionen 0,8 3,8 im Ausland 46,7 51,6 -4,9 9,6 17,5 -7,8 in Österreich 9,9 4,2 5,7 13,1 1,4 11,7 Portofolioinvestitionen -7,3 9,2 ausländische
Wertpapiere -40,5 -51,9 österreichische
Werpapiere 33,2 61,1 Sonstige Investitionen -13,4 0,6 Forderungen -13,8 -59,9 Verpflichtungen 0,4 60,5 Offizielle Währungs-
reserven 1) 20,4 -6,9


Statistische Differenz -0,1 -7,8

1) Zunahme: -; Abnahme:+.

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