OeNB -Disinflation und Fiskalpositionen Eine komparative Analyse der Periode 1970 bis 1996

Nach den hohen und unterschiedlichen Inflationsraten in den siebziger Jahren hat sich der Preisauftrieb in der EU zuletzt auf
einem Niveau von unter 2% eingependelt.
Die Rückführung der Inflation - die Disinflation - war aber zumindest zu Beginn von niedrigem Wirtschaftswachstum und stark steigender Staatschuld begleitet. Seit den achtziger Jahren haben die Regierungen auf die negativen budgetären Entwicklungen mit Konsoliierungsprogrammen reagiert. Allerdings waren diese Bemühungen im allgemeinen erst Mitte der neunziger Jahre - im zeitlichen Zusammentreffen mit den Bemühungen, die Fiskalkriterien von Maastricht zu erreichen - von Erfolg gekrönt.
In der vorliegenden Studie wird der Zusammenhang zwischen Disinflation und der Entwicklung der Budgetsalden und der öffentlichen Verschuldung in den EU-Ländern im Zeitraum 1970 bis 1996 untersucht. Disinflation kann auf die öffentliche Verschuldung direkt
oder indirekt über vier Kanäle wirken, nämlich über die realen Zinssätze, das reale Wirtschaftswachstum, das monetäre Einkommen der Zentralbanken (Seigniorage) sowie über öffentliche
Einnahmen und Ausgaben.
Die Ergebnisse dieser Arbeit deuten darauf hin, daß Disinflation -mit unterschiedlicher Intensität - über alle vier oben angeführten Kanäle gewirkt hat.
1. Disinflation wird von steigenden realen Zinssätzen -
zumindest in den siebziger und achtziger Jahren - begleitet. Allerdings scheint ihr quantitativer Effekt auf das Budget verhältnismäßig gering.
2. Die Seigniorage hat im Untersuchungszeitraum einen
abnehmenden Trend.
Ihr Beitrag zur Verringerung der Budgetdefizite ist aber - mit Ausnahme der siebziger und achtziger Jahre in Griechenland, Irland und Italien, Portugal und Spanien - nicht allzu groß.
3. Der Zusammenhang zwischen Wirtschaftswachstum und Disinflation variiert zwischen den EU-Ländern stark, und es läßt sich statistisch kein systematischer Zusammenhang zwischen Disinflation und Wachstumsverlusten herstellen.
4. Automatische Stabilisatoren in der Fiskalpolitik sind zwar wichtig, können aber allein die Schuldenexplosion nicht ausreichend erklären.
Das deutet darauf hin, daß die in Europa zwischen 1970 und Mitte der neunziger Jahre beobachtete Schuldensteigerung vornehmlich auf diskretionäre fiskalpolitische Maßnahmen zurückzuführen ist. Nähere Details können dem gleichnamigen Beitrag, veröffentlicht in Berichte und Studien, Heft 2/1998, entnommen werden.

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