- 29.06.1998, 12:03:41
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- OTS0111
OeNB -Disinflation und Fiskalpositionen Eine komparative Analyse der Periode 1970 bis 1996=
Nach den hohen und unterschiedlichen Inflationsraten in den siebziger
Jahren hat sich der Preisauftrieb in der EU zuletzt auf
einem Niveau von unter 2% eingependelt.
Die Rückführung der Inflation - die Disinflation - war aber
zumindest zu Beginn von niedrigem Wirtschaftswachstum und stark
steigender Staatschuld begleitet. Seit den achtziger Jahren haben
die Regierungen auf die negativen budgetären Entwicklungen mit
Konsoliierungsprogrammen reagiert. Allerdings waren diese Bemühungen
im allgemeinen erst Mitte der neunziger Jahre - im zeitlichen
Zusammentreffen mit den Bemühungen, die Fiskalkriterien von
Maastricht zu erreichen - von Erfolg gekrönt.
In der vorliegenden Studie wird der Zusammenhang zwischen Disinflation
und der Entwicklung der Budgetsalden und der öffentlichen Verschuldung
in den EU-Ländern im Zeitraum 1970 bis 1996 untersucht.
Disinflation kann auf die öffentliche Verschuldung direkt
oder indirekt über vier Kanäle wirken, nämlich über die realen
Zinssätze, das reale Wirtschaftswachstum, das monetäre Einkommen der
Zentralbanken (Seigniorage) sowie über öffentliche
Einnahmen und Ausgaben.
Die Ergebnisse dieser Arbeit deuten darauf hin, daß Disinflation -
mit unterschiedlicher Intensität - über alle vier oben angeführten
Kanäle gewirkt hat.
1. Disinflation wird von steigenden realen Zinssätzen -
zumindest in den siebziger und achtziger Jahren - begleitet.
Allerdings scheint ihr quantitativer Effekt auf das Budget
verhältnismäßig gering.
2. Die Seigniorage hat im Untersuchungszeitraum einen
abnehmenden Trend.
Ihr Beitrag zur Verringerung der Budgetdefizite ist aber - mit
Ausnahme der siebziger und achtziger Jahre in Griechenland, Irland
und Italien, Portugal und Spanien - nicht allzu groß.
3. Der Zusammenhang zwischen Wirtschaftswachstum und Disinflation
variiert zwischen den EU-Ländern stark, und es läßt sich statistisch
kein systematischer Zusammenhang zwischen Disinflation und
Wachstumsverlusten herstellen.
4. Automatische Stabilisatoren in der Fiskalpolitik sind zwar
wichtig, können aber allein die Schuldenexplosion nicht ausreichend
erklären.
Das deutet darauf hin, daß die in Europa zwischen 1970 und Mitte der
neunziger Jahre beobachtete Schuldensteigerung vornehmlich auf
diskretionäre fiskalpolitische Maßnahmen zurückzuführen ist.
Nähere Details können dem gleichnamigen Beitrag, veröffentlicht in
Berichte und Studien, Heft 2/1998, entnommen werden.
Rückfragehinweis: Oesterreichische Nationalbank
Sekretariat des Direktoriums/
Öffentlichkeitsarbeit
Tel.Nr.: 404 20 DW 6666
Internet: http://www.oenb.co.at/oenb
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