NITSCH: SECHSTAGESPIEL ALS SYMPHONIE

Präsentation der Partitur des Künstlers

Prinzendorf (OTS) - "Das Sechstagespiel ist eine Komposition von realen Geschehnissen, das über alle fünf Sinne erfahrbar ist", sagt der Wiener Aktionskünstler Hermann Nitsch über das Gestaltungsprinzip seiner bislang größten Aktion, die im Anfang August in Schloß Prinzendorf stattfindet. "Die sechs Tage und sechs Nächte sind vergleichbar einer sechssätzigen Symphonie, in der dramatische und meditative Sätze einander abwecheln und ergänzen."

So soll dem ersten Tag und seiner dramatischen Exposition (Stierschlachtung) ein ruhiger zweiter Tag folgen, an dem zwei große Malaktionen im Mittelpunkt stehen. "Der dritte Tag ist der Tag des Dionysos, der Tag des gebotenen Exzesses", erklärt Nitsch. "An diesem Tag sollen sich, wie in einem Scherzo, Ausgelassenheit und Tragisches vermischen".

Am vierten Tag folgen Ausstellungen und Installationen in allen Räumlichkeiten und im Park von Schloß Prinzendorf. Der fünfte Tag entspricht der Katastrophe des klassischen Dramas, dem "Abstieg in den Grundexzeß", wie Nitsch das nennt: auf die Schlachtung eines Stieres folgen Aktionen mit Fleisch, mit Gedärmen, mit Obst, Gemüse und Blumen. Der letzte Tag schließlich soll nach Willen des Künstlers mit Musik und Prozessionen in die unbeschwerte Stimmung eines Volksfests münden.

Die Nächte seines Orgien Mysterien Theaters vergleicht Hermann Nitsch, der seit den 60er-Jahren alle seine Aktionen wie ein Komponist in Partituren genau festlegt, mit dem meditativen Adagio einer Symphonie: "Während ein Streichquartett unter dem nächtlichen Sternhimmel in der Kastanienallee spielt, verarbeiten die Zuhörer ihre Sinneseindrücke und versuchen Zugang zum Ganzen zu finden." (Schluß)

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