- 12.05.1998, 14:30:01
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NITSCH: SECHSTAGESPIEL ALS SYMPHONIE
Präsentation der Partitur des Künstlers
Prinzendorf (OTS) - "Das Sechstagespiel ist eine Komposition von
realen Geschehnissen, das über alle fünf Sinne erfahrbar ist", sagt
der Wiener Aktionskünstler Hermann Nitsch über das Gestaltungsprinzip
seiner bislang größten Aktion, die im Anfang August in Schloß
Prinzendorf stattfindet. "Die sechs Tage und sechs Nächte sind
vergleichbar einer sechssätzigen Symphonie, in der dramatische und
meditative Sätze einander abwecheln und ergänzen."
So soll dem ersten Tag und seiner dramatischen Exposition
(Stierschlachtung) ein ruhiger zweiter Tag folgen, an dem zwei große
Malaktionen im Mittelpunkt stehen. "Der dritte Tag ist der Tag des
Dionysos, der Tag des gebotenen Exzesses", erklärt Nitsch. "An diesem
Tag sollen sich, wie in einem Scherzo, Ausgelassenheit und Tragisches
vermischen".
Am vierten Tag folgen Ausstellungen und Installationen in allen
Räumlichkeiten und im Park von Schloß Prinzendorf. Der fünfte Tag
entspricht der Katastrophe des klassischen Dramas, dem "Abstieg in
den Grundexzeß", wie Nitsch das nennt: auf die Schlachtung eines
Stieres folgen Aktionen mit Fleisch, mit Gedärmen, mit Obst, Gemüse
und Blumen. Der letzte Tag schließlich soll nach Willen des Künstlers
mit Musik und Prozessionen in die unbeschwerte Stimmung eines
Volksfests münden.
Die Nächte seines Orgien Mysterien Theaters vergleicht Hermann
Nitsch, der seit den 60er-Jahren alle seine Aktionen wie ein
Komponist in Partituren genau festlegt, mit dem meditativen Adagio
einer Symphonie: "Während ein Streichquartett unter dem nächtlichen
Sternhimmel in der Kastanienallee spielt, verarbeiten die Zuhörer
ihre Sinneseindrücke und versuchen Zugang zum Ganzen zu finden."
(Schluß)
Rückfragehinweis: Wolfgang Koch, Tel. 0663 08 12 66
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