• 07.05.1998, 11:10:31
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  • OTS0124

NÖ Ärztekammer sendet S.O.S. Gesundheit

Landesräte Bauer und Sobotka stellten sich öffentlicher Diskussion

St.Pölten (NLK) - Im Rahmen des gestrigen Aktionstages der NÖ
Ärzte fand am Abend in St.Pölten eine von der NÖ Ärztekammer
organisierte öffentliche Diskussion zum Thema "Medizin in
Not/Bedrohungen im Gesundheitswesen" statt. Seitens der NÖ
Landesregierung stellten sich dabei der für das Gesundheitswesen
zuständige Landesrat Dr. Hannes Bauer und Finanz-Landesrat Mag.
Wolfgang Sobotka dem bis in die Nachtstunden geführten hitzigen
Meinungsaustausch.

Die Hauptforderungen der Standesvertreter bei der von Elmar
Oberhauser moderierten Veranstaltung lauteten dabei in gewichteter
Reihenfolge auf die Vermeidung von Einkommensverlusten durch den
Anschluß der Sozialversicherung der Bauern an das GKK-System und
auf eine Sicherung des Bestandes der von Schließungen bedrohten
Hausapotheken. Im weiteren wären demgemäß die niedergelassenen
Ärzte durch vernünftige Kassenverträge für Gruppenpraxen zu
fördern, der Ausbau von Kassenambulatorien zu verhindern und die
Kostenerstattung bei Wahlärzten anzuheben. Auch die Bürokratie
durch die leistungsorientierte Krankenanstalten-Finanzierung (LKF)
und der Umstand, daß in Niederösterreich die Spitalsärzte
bundesweit am schlechtesten bezahlt seien, waren Gegenstand der
Kritik.

Landesrat Bauer unterstrich in seinen Stellungnahmen seine
Gesprächsbereitschaft, betonte aber, daß man nicht erwarten dürfe,
alle Forderungen in vollem Ausmaß erfüllt zu bekommen. Schließlich
handle es sich bei Punkten wie der Frage der Schließung von
Hausapotheken zugunsten öffentlicher Apotheken um einen
Verteilungskampf innerhalb einer Gruppe, bei dem die Politik in
jedem Fall auf Seiten der Patienten stehe, innerhalb ökonomischer
Grenzen seien Hausapotheken für den ländlichen Raum aber sicher
vernünftig.

Fragen des zu gewährleistenden Höchststandes der Ausbildung und
des Arbeitszeitgesetzes für Spitalsärzte seien schwierig und
jedenfalls nicht aus dem Stand zu lösen. In NÖ sei man an einer
breiten Diskussion von der Definition von Leistungsumfängen bis zu
jener über regionale und überregionale Kooperationsmodelle
interessiert, um Effizienzsteigerung und damit Leistungserbringung
zu gewährleisten.

Notwendig dazu sei aber, so Bauer weiter, ein kooperatives
Grundverhalten sowie Augenmaß für gesamtwirtschaftliche Lösungen,
das auch die Einkommensentwicklung anderer Bevölkerungsgruppen
nicht aus den Augen verliert. In erster Linie gehe es darum, den
ländlichen Raum lückenlos versorgt und den Patienten in Sicherheit
zu wissen. Niemand wolle eine Zweiklassen-Medizin, die dieses
hochentwickelte System nicht mehr allen gleich zur Verfügung
stellt.

Landesrat Sobotka meinte, er persönlich könne sich eine
Ausweitung der Ambulatorien nicht vorstellen, bei dieser
Schnittstelle müsse man Ambulatorien und niedergelassene Ärzte wie
kommunizierende Gefäße betrachten. Beim Bereitschaftsdienst, zu
dem er sich bekenne, müsse eine finanzielle Abgeltung paktiert
werden, Gehaltsmißstände im Turnusarzt-Bereich seien in offener
Diskussion zu lösen. Das auf dem Wunsch nach mehr Transparenz
aufgebaute LKF-Finanzierungsmodell habe zumindest das Bewußtsein
geweckt, wo die Mittelsubstanz effizienter eingesetzt werden kann
und habe sich so als richtiger Weg erwiesen.

In Fragen der Spitalsärzte-Bezahlung müsse man sich zwar die
Probleme genau ansehen, die Politik sei aber auch dem Blick auf
den Landeshaushalt verpflichtet, wobei auch festzuhalten sei, daß
das Land ohne eigenes Steuerfindungsrecht nur auf der
Ausgabenseite die Maastricht-Kriterien erfüllen könne.

Es gelte, so Sobotka abschließend, ein vernünftiges
Dreiecksverhältnis zwischen Ärzten, Spitalserhaltern und Kassen
aufzubauen. Das Gesundheitssystem könne man als Tanker sehen, der
keine plötzlichen Kehrtwendungen schaffe, aber sehr wohl Spielraum
für die stückweise Realisierung von Visionen lasse.

Rückfragehinweis: Niederösterreichische Landesregierung

Pressestelle
Tel.: 02742/200/2312

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