NÖ Ärztekammer sendet S.O.S. Gesundheit

Landesräte Bauer und Sobotka stellten sich öffentlicher Diskussion

St.Pölten (NLK) - Im Rahmen des gestrigen Aktionstages der NÖ Ärzte fand am Abend in St.Pölten eine von der NÖ Ärztekammer organisierte öffentliche Diskussion zum Thema "Medizin in Not/Bedrohungen im Gesundheitswesen" statt. Seitens der NÖ Landesregierung stellten sich dabei der für das Gesundheitswesen zuständige Landesrat Dr. Hannes Bauer und Finanz-Landesrat Mag. Wolfgang Sobotka dem bis in die Nachtstunden geführten hitzigen Meinungsaustausch.

Die Hauptforderungen der Standesvertreter bei der von Elmar Oberhauser moderierten Veranstaltung lauteten dabei in gewichteter Reihenfolge auf die Vermeidung von Einkommensverlusten durch den Anschluß der Sozialversicherung der Bauern an das GKK-System und auf eine Sicherung des Bestandes der von Schließungen bedrohten Hausapotheken. Im weiteren wären demgemäß die niedergelassenen Ärzte durch vernünftige Kassenverträge für Gruppenpraxen zu fördern, der Ausbau von Kassenambulatorien zu verhindern und die Kostenerstattung bei Wahlärzten anzuheben. Auch die Bürokratie durch die leistungsorientierte Krankenanstalten-Finanzierung (LKF) und der Umstand, daß in Niederösterreich die Spitalsärzte bundesweit am schlechtesten bezahlt seien, waren Gegenstand der Kritik.

Landesrat Bauer unterstrich in seinen Stellungnahmen seine Gesprächsbereitschaft, betonte aber, daß man nicht erwarten dürfe, alle Forderungen in vollem Ausmaß erfüllt zu bekommen. Schließlich handle es sich bei Punkten wie der Frage der Schließung von Hausapotheken zugunsten öffentlicher Apotheken um einen Verteilungskampf innerhalb einer Gruppe, bei dem die Politik in jedem Fall auf Seiten der Patienten stehe, innerhalb ökonomischer Grenzen seien Hausapotheken für den ländlichen Raum aber sicher vernünftig.

Fragen des zu gewährleistenden Höchststandes der Ausbildung und des Arbeitszeitgesetzes für Spitalsärzte seien schwierig und jedenfalls nicht aus dem Stand zu lösen. In NÖ sei man an einer breiten Diskussion von der Definition von Leistungsumfängen bis zu jener über regionale und überregionale Kooperationsmodelle interessiert, um Effizienzsteigerung und damit Leistungserbringung zu gewährleisten.

Notwendig dazu sei aber, so Bauer weiter, ein kooperatives Grundverhalten sowie Augenmaß für gesamtwirtschaftliche Lösungen, das auch die Einkommensentwicklung anderer Bevölkerungsgruppen nicht aus den Augen verliert. In erster Linie gehe es darum, den ländlichen Raum lückenlos versorgt und den Patienten in Sicherheit zu wissen. Niemand wolle eine Zweiklassen-Medizin, die dieses hochentwickelte System nicht mehr allen gleich zur Verfügung stellt.

Landesrat Sobotka meinte, er persönlich könne sich eine Ausweitung der Ambulatorien nicht vorstellen, bei dieser Schnittstelle müsse man Ambulatorien und niedergelassene Ärzte wie kommunizierende Gefäße betrachten. Beim Bereitschaftsdienst, zu dem er sich bekenne, müsse eine finanzielle Abgeltung paktiert werden, Gehaltsmißstände im Turnusarzt-Bereich seien in offener Diskussion zu lösen. Das auf dem Wunsch nach mehr Transparenz aufgebaute LKF-Finanzierungsmodell habe zumindest das Bewußtsein geweckt, wo die Mittelsubstanz effizienter eingesetzt werden kann und habe sich so als richtiger Weg erwiesen.

In Fragen der Spitalsärzte-Bezahlung müsse man sich zwar die Probleme genau ansehen, die Politik sei aber auch dem Blick auf
den Landeshaushalt verpflichtet, wobei auch festzuhalten sei, daß das Land ohne eigenes Steuerfindungsrecht nur auf der
Ausgabenseite die Maastricht-Kriterien erfüllen könne.

Es gelte, so Sobotka abschließend, ein vernünftiges Dreiecksverhältnis zwischen Ärzten, Spitalserhaltern und Kassen aufzubauen. Das Gesundheitssystem könne man als Tanker sehen, der keine plötzlichen Kehrtwendungen schaffe, aber sehr wohl Spielraum für die stückweise Realisierung von Visionen lasse.

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