Bewegung im Reich der Immobilität Revolutionen 1848/49 in der Habsburgermonarchie

Ein interdisziplinäres Symposium der Kulturwissenschafltichen Fakultät 6. bis 9. Mai 1998, Universität Klagenfurt

Klagengurt (OTS) - Nationalitätenkonflikte in unmittelbarer Nachbarschaft des heutigen Österreich füllen derzeit weltweit die Medien und mobilisieren breite Massen unterschiedlichster Bevölkerungen. Ohne die Aktualität dieser Konflikte zu vernachlässigen, können die historischen Wurzeln dafür nicht zuletzt bis in die Revolutionen des 19. Jahrhunderts nachverfolgt werden.

Das Institut für Germanistik der Universität Klagenfurt nimmt den 150. Jahrestag der Revolutionen zum Anlaß für ein Symposium mit dem Titel "Bewegung im Reich der Immobilität", das die Rolle der Literatur und Publizistik in der Habsburgermonarchie rund um 1848 herausarbeiten wird.

27 WissenschaftlerInnen aus ganz Europa setzen die Gründungsmythen von Nationalstaaten - beispielhaft verdeutlicht anhand der Nationalitäten innerhalb der Habsburgermonarchie - miteinander ins Gepräch und relativieren damit Absolutheitsansprüche einzelner Staaten: So wie sich das offizielle Österreich auf seine Vergangenheit als Vielvölkermonarchie beruft, von Mal zu Mal auch deren Erbe antritt, tun das andere Nachfolgestaaten der Monarchie mit gleicher Legitimation aber anderen, umgekehrten Vorzeichen. Marojan Bobinac (Zagreb), Tamás Lichtman(Debrecen) u.a. untersuchen in diesem Zusammenhang etwa die Rolle und Nachwirkung Jellaèiæ' auf der kroatischen bzw. Kossuths auf der ungarischen Seite.

Ziel des Symposiums ist es, die Habsburgermonarchie als zentralen Schauplatz der Revolutionen von 1848 zu beschreiben und dabei durchwegs sowohl das staatsbürgerliche, wie auch das nationale und soziale Moment der Revolution im Blickpunkt zu behalten: Speziell die Wiener Aufstände im Sommer und Herbst 1848 vertraten soziale gemeinsam mit staatsbürgerlichen Anliegen.

Aus den einzelnen Referaten geht u.a. auch hervor, inwieweit nationale Perspektiven bürgerlich-ideale Revolutionsideen zu Grabe tragen. Tatsache ist, daß auch nach 1848 der Nationalismus die bürgerlichen Freiheiten am meisten bedroht hat. Folco Portinari (Milano) referiert z.B. über die Entstehung des italienischen Nationalstaates als konservativer Nationalstaat gerade in der Abkehr von den Idealen der Freiheit.

Symposiumsprogramm

Mittwoch, 6. Mai, Universität, HS z-129

15.30 Uhr Eröffnung .

16-16.30 Uhr Ernst Bruckmüller (Wien): Mythisierung und

Verweigerung. Österreichische Geschichte in Literatur und Historiographie.

16.30-17 UhrAndreas Moritsch (Klagenfurt): 1848 - Ein

Völkerfrühling der Slawen in der Habsburgermonarchie?

17-17.30 UhrDiskussion und Pause

17.30-18 UhrGábor Pajkossy (Budapest): Lajos Kossuth, Moses

Ungarns,Dämon Österreichs.

18-18.30 UhrEduard Beutner (Salzburg): Metternich und seine

*elendeUmgebung*. Literarische Strategien der Dämonisierung von
Exponenten des *Systems* im Vorfeld von 1848.

18.30-19 UhrDiskussion.

Donnerstag, 7. Mai, Universität, HS z-129

9-9.30 UhrHarald Schmidt (Gießen): Reise in die Ungeniertheit.

-Adolf Glaßbrenners
*Bilder und Träume aus Wien* (1836).

9.30 -10 UhrMartina Lauster (Keele): Das Lüften des

Schleiers.Gutzkows *Wiener Eindrücke* (1845).

10-10.30 UhrWulf Wülfing (Bochum): Franz Grillparzers

Reiseberichte.

10.30-11 UhrDiskussion und Pause

11-11.30 UhrChristine Haug (Gießen): Verkehr mit

Büchern. Reiseerzählungen als Bestseller der Eisenbahn und Dampfschiffbibliotheken des
19. Jahrhunderts.

11.30-12 UhrChristian Soboth (Gießen): Ungern-Sternbergs Reise-

und Revolutionsschrift *Wiener Fasching* (1852). 12-12.30 UhrDiskussion

15-15.30 UhrChristiane Zintzen (Wien): Ludwig August Frankl,

Reisender, Revolutionär und Kulturbetriebsfunktionär.

15.30-16 UhrWerner Michler (Wien): Wissenschaft und Literatur um

1848.

16-16.30 UhrLászlo Csorba (Budapest): Ferenc Pulszky.

16.30-17 UhrDiskussion und Pause

17-17.30 UhrEckart Früh (Wien): Märzlyrik. .

17.30-18 UhrMichael Perraudin (Birmingham): Nestroys *Freiheit

in Krähwinkel*.

18-18.30 UhrJohann Sonnleitner (Wien): Vorstadt-dramatische

Reflexeauf 1848. Zu Nestroys Revolutionskomödien.

18.30-19 UhrDiskussion

Freitag, 8. Mai, Robert Musil-Institut (Bahnhofstrasse 50)

9-9.30 UhrFolco Portinari (Milano): Carlo Cattaneo

Intellektueller,Poet und Protagonist der
Revolution in Mailand.

9.30-10 UhrPeter Stein (Lüneburg): Figuren des

Abtrünnigen zwischen Vor- und Nachmärz. Mit Anmerkungen zu Karl Beck.

10-10.30 UhrTamás Lichtmann (Debrecen): Kossuth, Görgey und

andere Helden.

10.30-11.30 UhrDiskussion und Pause

11.30-12 UhrMarijan Bobinac (Zagreb): Jellacic, kroatische

Schriftsteller und das Jahr 1848.

12-12.30 UhrHansgeorg Schmidt-Bergmann (Stuttgart):

Nationale Konflikte in Presse und Literatur in der Slowakei.

12.30-13 UhrDiskussion

14-15 UhrFührung im Kärntner Landesarchiv.

17-18 UhrFührung im Robert Musil-Institut, Jause

19-19.30 UhrRitchie Robertson (Oxford): Englische Intellektuelle

und Dichter über den Vormärz und die Revolution in Österreich. 19.30-20 UhrEoin Bourke (Galway):
Moritz Hartmann

und Irland.

20-20.30 UhrDiskussion und Pause

20.30-21.30 UhrLesung: Imre Kertész

Samstag, 9. Mai, Universität, HS z-129

9-9.30 UhrOliver Bruck (Wien): Zensur und Zensoren in

Revolution und Nachmärz.

9.30-10 UhrJane Regenfelder (Klagenfurt): Bernhard Bolzanos

*revolutionäres* Vermächtnis.

10-10.30 UhrHugh Ridley (Dublin): Adolf von Tschabuschnigg -

System und Signifizierung.

10.30-11 UhrDiskussion und Pause

11-11.30 UhrUlrike Tanzer (Salzburg): Von alten

Achtundvierzigern, Gutgesinnten und Wiener Hetären:
1848 und das journalistische WerkFriedrich Schlögls.

11.30-12 UhrMarie Luise Wandruszka (Bologna): Wer hat die

Macht? Radikale Frauengestalten in der österreichischen Literatur von Libussabis Bozena

12-13 UhrSchlußdiskussion .

Rückfragen & Kontakt:

Universität Klagenfurt
Tel.: 0463 2700 296

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