• 04.05.1998, 13:36:01
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  • OTS0144

Hoechst AG: Aktionärsbrief (Teil 1/2)=

(Teil 1/2)

Frankfurt am Main (ots) -
Vorbereitungen für einen gemeinsamen Börsengang von Celanese und
Ticona
Hoechst Marion Roussel durch Strukturmaßnahmen und
Wettbewerbsdruck belastet
Gute Saison für AgrEvo und Hoechst Roussel Vet
Industriegeschäfte insgesamt verbessert

Bericht über das 1. Quartal 1998

Sehr geehrte Damen und Herren Aktionäre,

in Amerika und Europa setzt sich das Wirtschaftswachstum fort. Die
Folgen der Asienkrise werden im Industriegeschäft insbesondere bei
organischen Basischemikalien spürbar. Unser Pharmageschäft ist durch
Strukturmaßnahmen und scharfen Wettbewerb belastet. Auf den
Agro-Märkten verzeichnen wir eine lebhafte Nachfrage. Vor diesem
Hintergrund hat sich das operative Geschäft von Hoechst in den ersten
drei Monaten 1998 erwartungsgemäß verhalten entwickelt.

Umsatzrückgang durch Ausgliederung von Arbeitsgebieten

Der Umsatz des Hoechst Konzerns erreichte im ersten Quartal 11,3
Milliarden DM, nach 13,2 Milliarden DM im Vorjahr. Durch
Veränderungen im Konsolidierungskreis hat sich der Umsatz um 17
Prozent verringert. Mitte 1997 wurde das Spezialchemikalien-Geschäft
von Hoechst in die Schweizer Clariant eingebracht, und mit BASF wurde
das Gemeinschaftsunternehmen Targor für Polypropylen-Kunststoffe
gegründet. Zum 1. Oktober 1997 wurde Behring Diagnostics mit der
amerikanischen Dade International in der Gesellschaft Dade Behring
zusammengeführt.
Ohne Veränderungen im Konsolidierungskreis nahm der Umsatz um 3
Prozent zu; der Anstieg ist allein auf Währungseinflüsse
zurückzuführen, insbesondere auf die Höherbewertung des US-Dollar.
Absatzmengen und Verkaufspreise lagen im Durchschnitt aller Geschäfte
auf Vorjahresniveau.

Operatives Ergebnis vor Sondereinflüssen auf Höhe des Vorjahres

Im Hoechst Konzern konnten wir in den ersten drei Monaten 1998 ein
Betriebsergebnis von 888 Millionen DM erwirtschaften, 14 Prozent
weniger als im Vorjahreszeitraum. Darin sind Aufwendungen für
Strukturmaßnahmen in Höhe von 259 Millionen DM berücksichtigt, nach
195 Millionen DM im Vorjahr. Vergleichbar lag das Betriebsergebnis
auf Vorjahresniveau. Die Einflußgrößen sind aus der Tabelle
ersichtlich.

Das Beteiligungsergebnis ist kräftig gestiegen und erreichte 233
Millionen DM. Dazu trugen die erstmalige Einbeziehung von Clariant
und der durch den Verkauf des PVC-Hartfolien-Herstellers Kalle
Pentaplast entstandene Buchgewinn bei. Der Netto-Zinsaufwand nahm
wegen der gestiegenen Verschuldung und infolge der Währungskomponente
- gut die Hälfte der Finanzschulden lautet auf US-Dollar - auf 254
Millionen DM zu.
Der Gewinn vor Ertragsteuern beträgt im ersten Quartal 849 Millionen
DM; er liegt damit um 6 Prozent über Vorjahr.

Konzerngesellschaften

Der Umsatz von Hoechst Marion Roussel nahm leicht zu, wobei sich
insbesondere die neuen Präparate AllegraÄRÜ/TelfastÄRÜ gegen
Heuschnupfen und AmarylÄRÜ zur Diabetesbehandlung sowie das
Herz-Kreislauf-Medikament DelixÄRÜ erfolgreich entwickelten. Das
Betriebsergebnis ging um 63 Prozent zurück, vergleichbar nahm das
Ergebnis um 19 Prozent ab. Dieser Rückgang ist auf den verschärften
Wettbewerb von Generikaanbietern bei dem Herz-Kreislauf-Mittel
CardizemÄRÜ CD in Kanada und bei TrentalÄRÜ zur Behandlung von
Gefäßkrankheiten in Nordamerika zurückzuführen sowie auf den
Gewinnausfall bei dem Antiallergikum SeldaneÄRÜ, das wegen möglicher
Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln aus dem amerikanischen
Markt zurückgezogen wurde. Mit Allegra/Telfast steht ein
Nachfolgepräparat ohne dieses Nebenwirkungsrisiko zur Verfügung, das
den ursprünglichen Umfang des Seldane-Geschäfts noch nicht erreicht
hat, aber wegen des guten Nebenwirkungsprofils ein hohes
Marktpotential besitzt.

Von den Aufwendungen für Strukturmaßnahmen in Höhe von rund 700
Millionen DM in 1998 wurden im ersten Quartal 219 Millionen DM
berücksichtigt. Die Forschungskosten lagen mit 561 Millionen DM um 54
Millionen DM höher als im Vorjahr.

AgrEvo setzte die erfreuliche Entwicklung fort. Insbesondere in
Nord- und Lateinamerika, aber auch in Europa wurden die Verkäufe von
Pflanzenschutzmitteln und Saatgut ausgeweitet. Umsatz und Ergebnis
konnten im Vergleich zur guten Vorjahresperiode weiter gesteigert
werden.

Hoechst Roussel Vet hat den Umsatz vor allem in Europa erhöht;
erfolgreich entwickelte sich insbesondere der Absatz des
Antiinfektivums CobactanÄRÜ. Zusätzlich profitierte Hoechst Roussel
Vet von Währungseinflüssen. Das Ergebnis stieg überproportional; dazu
tragen Erfolge bei der Kostensenkung bei.

Bei Celanese sank der Umsatz infolge des letztjährigen Rückzugs
aus Arbeitsgebieten der anorganischen Chemie. Das Ergebnis war
rückläufig, weil die Asienkrise zu niedrigeren Umsätzen in der Region
und zu weltweitem Druck auf die Verkaufspreise führte; betroffen
waren in erster Linie die Produktgruppen Essigsäure und Folgeprodukte
sowie Acrylate. Das Geschäft mit Celluloseacetat-Produkten litt unter
weltweitem Überangebot; auch die Methanolpreise gaben im Verlauf des
ersten Quartals nach.

Trevira konnte bei sinkenden Rohstoffpreisen den Ertrag im
Vergleich zum schwachen Vorjahresniveau deutlich steigern. Bei
Polyester-Flaschenrohstoff PET hielt die gute Mengennachfrage an; die
Preise konnten leicht angehoben werden, sind aber nach wie vor
unbefriedigend.

Ticona konnte ihr Geschäft mit Technischen Kunststoffen kräftig
ausweiten. Das größte Produkt Polyacetal verzeichnete vor allem in
Europa eine hohe Nachfrage, insbesondere aus der Automobilindustrie.
Erfolgreich entwickelte sich auch das flüssigkristalline Polymer
VectraÄRÜ.

Bei Messer setzte sich die gute Absatzentwicklung im Kerngeschäft
Industriegase fort. In Deutschland hält der Preis- und
Wettbewerbsdruck an.

Bei Herberts haben sich alle Geschäftseinheiten erfreulich
entwickelt. Der Lackhersteller profitiert von günstigen
Marktbedingungen, insbesondere in der europäischen
Automobilindustrie, und weltweitem Wachstum bei Pulverlacken. Das
Ergebnis konnte durch die Verlagerung des Sortiments zu
ertragstärkeren Produkten überproportional verbessert werden.

Neue Perspektiven für das Industriegeschäft

Hoechst entwickelt sich zu einem Life Sciences Unternehmen. Die
strategische Neuausrichtung ist verbunden mit dem schrittweisen
Ausstieg aus dem Industriegeschäft, für das wir die jeweils beste
Entwicklungsmöglichkeit wahrnehmen wollen. Auf diesem Weg haben wir
weitere, entscheidende Schritte beschlossen:
Das europäische Trevira-Textilfasergeschäft wird mehrheitlich an ein
Unternehmen der internationalen Multikarsa-Gruppe abgegeben. Die
Verhandlungen sind erfolgreich abgeschlossen.
Auf dem Polyesterfolien-Sektor ist vorgesehen, daß unser Joint
Venture-Partner Mitsubishi Chemical die von Hoechst gehaltenen
Anteile an Hoechst Diafoil in Europa und Amerika beziehungsweise
Diafoil Hoechst in Asien übernimmt.

Die verbleibenden weltweiten Polyester-Aktivitäten wollen wir an
ein amerikanisch-mexikanisches Konsortium der Unternehmer Koch und
Saba veräußern; eine entsprechende Absichtserklärung wurde im April
unterzeichnet. Im Rahmen dieser Transaktion überträgt der Partner
Saba seine Minderheitsanteile am Chemiegeschäft der Celanese Mexicana
(Celmex) auf Hoechst.

Für Celanese und Ticona sehen wir in einem gemeinsamen Börsengang
eine attraktive Möglichkeit. Wir haben beschlossen, einen solchen
Börsengang vorzubereiten.

ots tm32119 (Teil 1/2)

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