Greenpeace-Studie belegt: PVC-Recycling weltweit ein Flopp

Greenpeace fordert rasche gesetzliche Maßnahmen gegen PVC-Müllberg

Brüssel/Wien (OTS) - Eine heute veröffentlichte Greenpeace-Studie "PVC - Die drohende Müllkrise" (1) zeigt auf, daß es keine sichere Entsorgungsmöglichkeit für die weltweit stetig steigenden PVC-Müllberge gibt. PVC hat mit weniger als 1 Prozent die niedrigste Recycling-Rate von allen Massenkunststoffen. "Die PVC-Industrie hatte zehn Jahre Zeit, um das Funktionieren ihres Recycling-Konzepts zu beweisen. Sie hat versagt. Das von der PVC-Industrie beworbene Konzept des PVC-Recyclings ist ein Flopp, der die weltweit rapide steigende PVC-Müllmengen niemals reduzieren kann," sagt Greenpeace-Chemiker Dr. Thomas Belazzi. "Es ist daher höchste Zeit, daß die zuständigen Politiker rasch Maßnahmen gegen das PVC-Müllproblem beschließen und einen PVC-Ausstieg beginnen."

Die Greenpeace-Studie zeigt die Gründe für das Scheitern des PVC-Recycling-Konzepts auf:

- PVC hat den mit Abstand höchsten Anteil an Zusatzstoffen (z. B.:
Weichmacher, Blei, Cadmium), die eingesetzt werden, um unterschiedliche PVC-Material-Eigenschaften zu erreichen. Deren Trennung ist daher sehr aufwendig. Vielfach ist überhaupt kein 'echtes' Recycling möglich und es entstehen daher nur minderwertige Produkte. ('Downcycling')

- Die Kosten für PVC-Recycling sind zwei- bis dreimal höher als der Preis von Neu-PVC, der Marktpreis von Alt-PVC liegt jedoch bei nur 70 Prozent gegenüber dem von Neu-PVC. PVC-Recycling ist daher unwirtschaftlich. Daher werden auch große Mengen von PVC-Abfall der Industriestaaten in Entwicklungsländer exportiert. Dort enstehen daraus hauptsächlich billige, minderwertige Produkte.

- PVC stört das Recycling anderer Kunststoffe (z.B. PET) und kontaminiert das Recycling anderer Abfälle (z. B.: Altautos).

'Die PVC-Müllverbrennung ist keine Lösung. PVC-Verbrennung ist eine Dioxinquelle. Bei der Verbrennung von einem Kilogramm PVC entstehen ein bis drei Kilogramm gefährliche Abfälle, da zur Neutralisation der aus PVC entstehenden ätzenden Salzsäure neue Chemikalien zugesetzt werden müssen,' zeigt Greenpeace EU-Experte Axel Singhofen auf. 'Außerdem zahlt dann die Allgemeinheit für die PVC-Entsorgung und die PVC-Industrie privatisiert ihren Profit.'

'Die Tatsache, daß die PVC-Industrie in ihrer politischen Lobby-Arbeit in der EU und Japan die PVC-Müllverbrennung und in den USA, Kanada und Australien die Deponierung als 'Lösung' für das PVC-Müllproblem bewirbt, zeigt klar, daß sie selbst bereits das Scheitern ihres Recycling-Konzepts erkannt hat,' kritisiert Belazzi. 'Der Öffentlichkeit und den PVC-Kunden gaukelt sie aber in millionenteuren PR-Kampagnen immer noch vor, daß PVC-Recycling die Lösung ist.'

Weitere Informationen: Greenpeace Österreich: Dr. Thomas Belazzi, Tel.: 01/545 45 80/40, Robert Francan, Tel.: 01/545 45 80/26; Greenpeace International: Axel Singhofen, Tel.: 0032/2/280 1987

(1) Autoren und Titel der Studie: "PVC - Die drohende Müllkrise", Wytze G.H. van der Naald und Beverley G. Thorpe, Greenpeace International, April 1998 Die englische Studie ist unter www.greenpeace.org, eine deutsche Kurz-Zusammenfassung unter www.greenpeace.at im Internet sowie auf Anfrage bei Greenpeace Österreich erhältlich
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