• 24.04.1998, 11:25:12
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  • OTS0125

Greenpeace-Studie belegt: PVC-Recycling weltweit ein Flopp

Greenpeace fordert rasche gesetzliche Maßnahmen gegen PVC-Müllberg

Brüssel/Wien (OTS) - Eine heute veröffentlichte Greenpeace-Studie
"PVC - Die drohende Müllkrise" (1) zeigt auf, daß es keine sichere
Entsorgungsmöglichkeit für die weltweit stetig steigenden
PVC-Müllberge gibt. PVC hat mit weniger als 1 Prozent die niedrigste
Recycling-Rate von allen Massenkunststoffen. "Die PVC-Industrie hatte
zehn Jahre Zeit, um das Funktionieren ihres Recycling-Konzepts zu
beweisen. Sie hat versagt. Das von der PVC-Industrie beworbene
Konzept des PVC-Recyclings ist ein Flopp, der die weltweit rapide
steigende PVC-Müllmengen niemals reduzieren kann," sagt
Greenpeace-Chemiker Dr. Thomas Belazzi. "Es ist daher höchste Zeit,
daß die zuständigen Politiker rasch Maßnahmen gegen das
PVC-Müllproblem beschließen und einen PVC-Ausstieg beginnen."

Die Greenpeace-Studie zeigt die Gründe für das Scheitern des
PVC-Recycling-Konzepts auf:

- PVC hat den mit Abstand höchsten Anteil an Zusatzstoffen (z. B.:
Weichmacher, Blei, Cadmium), die eingesetzt werden, um
unterschiedliche PVC-Material-Eigenschaften zu erreichen. Deren
Trennung ist daher sehr aufwendig. Vielfach ist überhaupt kein
'echtes' Recycling möglich und es entstehen daher nur minderwertige
Produkte. ('Downcycling')

- Die Kosten für PVC-Recycling sind zwei- bis dreimal höher als der
Preis von Neu-PVC, der Marktpreis von Alt-PVC liegt jedoch bei nur 70
Prozent gegenüber dem von Neu-PVC. PVC-Recycling ist daher
unwirtschaftlich. Daher werden auch große Mengen von PVC-Abfall der
Industriestaaten in Entwicklungsländer exportiert. Dort enstehen
daraus hauptsächlich billige, minderwertige Produkte.

- PVC stört das Recycling anderer Kunststoffe (z.B. PET) und
kontaminiert das Recycling anderer Abfälle (z. B.: Altautos).

'Die PVC-Müllverbrennung ist keine Lösung. PVC-Verbrennung ist eine
Dioxinquelle. Bei der Verbrennung von einem Kilogramm PVC entstehen
ein bis drei Kilogramm gefährliche Abfälle, da zur Neutralisation der
aus PVC entstehenden ätzenden Salzsäure neue Chemikalien zugesetzt
werden müssen,' zeigt Greenpeace EU-Experte Axel Singhofen auf.
'Außerdem zahlt dann die Allgemeinheit für die PVC-Entsorgung und die
PVC-Industrie privatisiert ihren Profit.'

'Die Tatsache, daß die PVC-Industrie in ihrer politischen
Lobby-Arbeit in der EU und Japan die PVC-Müllverbrennung und in den
USA, Kanada und Australien die Deponierung als 'Lösung' für das
PVC-Müllproblem bewirbt, zeigt klar, daß sie selbst bereits das
Scheitern ihres Recycling-Konzepts erkannt hat,' kritisiert Belazzi.
'Der Öffentlichkeit und den PVC-Kunden gaukelt sie aber in
millionenteuren PR-Kampagnen immer noch vor, daß PVC-Recycling die
Lösung ist.'

Weitere Informationen: Greenpeace Österreich: Dr. Thomas Belazzi,
Tel.: 01/545 45 80/40, Robert Francan, Tel.: 01/545 45 80/26;
Greenpeace International: Axel Singhofen, Tel.: 0032/2/280 1987

(1) Autoren und Titel der Studie: "PVC - Die drohende Müllkrise",
Wytze G.H. van der Naald und Beverley G. Thorpe, Greenpeace
International, April 1998 Die englische Studie ist unter
www.greenpeace.org, eine deutsche Kurz-Zusammenfassung unter
www.greenpeace.at im Internet sowie auf Anfrage bei Greenpeace
Österreich erhältlich
(Schluß)

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