Bauwirtschaft weist Vorwürfe der Gewerkschaft entschieden zurück

Wien (PWK) - Die Bundesinnung der Baugewerbe und der Fachverband
der Bauindustrie weisen die Vorwürfe der Gewerkschaft Bau-Holz, bei den jüngsten Kollektivvertragsverhandlungen ein Forderungspaket vorgelegt zu haben, welches einen "Anschlag und Raubzug auf die Bauarbeitereinkommen und das Sozialsystem" darstelle, entschieden zurück. Es gehe nicht darum, den Bauarbeitern etwas wegzunehmen betonen Bundesinnungsmeister Johannes Lahofer und Fachverbandsvorsteher Ernst Nußbaumer. Im Gegenteil haben die Bauverbände in der ersten Kollektivvertagsverhandlung am 5.3.1998 2,7% auf den derzeitigen Kollektivvertragslohn als Paketlösung angeboten. ****

Dieser Prozentsatz setzt sich aus einer mit 1,3% angenommenen Inflationsrate für das Jahr 1997 und einer Abgeltung von der Arbeitgeberseite geforderter Änderungen bzw. Adaptierungen der neuen Arbeitszeitmodelle und einer Reihe von Punkten des Bauarbeiterkollektivvertrages zusammen, die insgesamt mit 1,4% bewertet wurden.

"Was wir vordringlich wollen ist, den Bauarbeitern einen sicheren Arbeitsplatz auch über die Wintermonate zu ermöglichen", betonen Lahofer und Nußbaumer. Voraussetzung ist allerdings, daß seitens der Gewerkschaft die Bereitschaft besteht, die im Jahr 1996 vereinbarten neuen Arbeitszeitmodelle, die sich, wie Umfragen gezeigt haben, grundsätzlich bewährt haben, nachzujustieren. Aufgrund der milden Winter einerseits, in denen gearbeitet werden kann, und eventuellen später nachfolgenden Auftragslücken andererseits, benötigen die Unternehmen ganz einfach mehr Flexibilität.

Darüber hinaus fordert die Bauwirtschaft, nicht mehr zeitgemäße Vergünstigungen und Sonderrechte grundsätzlich zu überdenken, ihre Abgeltung jedoch nach objektiven Kriterien nachprüfbar vorzunehmen.

Dies betrifft vor allem die Angleichung der Basis für die Überstundenberechnung, des Weihnachtsgeldes und des Urlaubsgeldes an die aktuelle Überzahlung von derzeit ca. 15%, die Neudefinition des Anspruches auf Trennungsgeld und die Reduktion der kollektivvertraglich gewährten Weihnachtsfeiertage 24. und 31.12. in 4 Jahresetappen.

Was das Urlaubsrecht betrifft, sei es absolut unlogisch, daß 2/3 der Bauarbeiter über den Winter durchbeschäftigt werden, aber trotzdem bereits nach 46 Wochen einen vollen Jahres-Urlaubsanspruch haben. Dies gäbe es in keiner anderen Branche.

"Wir sind keine Raubritter, die das Einkommen und den Sozialstatus der Bauarbeiter schmälern wollen", unterstreichen Lahofer und Nußbaumer.

Ziel sei es vielmehr, anläßlich der Kollektivvertragsverhandlungen 1998 Einkommensbestandteile, die durch rahmenrechtliche Änderungen des Kollektivvertrages wegfallen, im Gegenzug entsprechend auszugleichen, sodaß sich im Endeffekt für die Bauarbeiter keine Verminderung des Jahreseinkommens ergibt. "Wir nehmen den Bauarbeitern nichts weg".

Falsch sei außerdem, daß nach den Äußerungen der Gewerkschaft Bau-Holz ein Bauarbeiter im Durchschnitt lediglich öS 13.000,-- netto verdient. Nach dem vom Österreichischen Statistischen Zentralamt herausgegebenen Berechnungen (Konjunkturstatistik September 1997) verdient ein Bauarbeiter im Durchschnitt öS 27.712,-- brutto pro Monat.

Die Aussagen der Gewerkschaft Bau-Holz, man wolle Einkommensverluste von im Einzelfall bis zu öS 40.000,-- pro Jahr durch eine Lohnerhöhung von lediglich öS 3.500,-- ausgleichen, sind daher von der Bauwirtschaft nicht nachvollziehbar. Offenbar liegt der Grund darin, daß in der Gewerkschaft Bau-Holz dieses Jahr die Neuwahl des Vorsitzenden ansteht und daher von diesem ungerechtfertigt harte Kampfestöne angeschlagen werden, betonen Lahofer und Nußbaumer.

Auch ist es nicht richtig, daß die Bauwirtschaft alle Forderungen von heute auf morgen durchsetzen will. Bundesinnung und Fachverband haben bereist anläßlich der ersten Kollektivvertragsverhandlung zwei Pakete überreicht, was in der öffentlichen Diskussion außer Acht gelassen wurde. Ein großes Gesamtpaket, das mittel- bis längerfristig zu diskutieren sein wird und unabhängig von der Kollektivvertragsrunde 1998 zu sehen. Davon abgesehen gibt es ein deutlich "abgespecktes" Programm für die Verhandlungen des Jahres 1998, bei dem die geforderten Anpassungen als "conditio sine qua non" für den Abschluß zu verstehen sind.

"In diesem Sinne werden wir die Kollektivvertragsverhandlungen am 31.3. 1998 fortsetzen", merkten Lahofer und Nußbaumer an.
(Schluß) MH

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