Gang über die Brücke

Farbholzschnitte von Keisai Eisen

Wien (OTS) - Pressepreview: Dienstag, 17. März 1998, 10.30 Uhr Ausstellungsort: MAK-Kunstblättersaal
MAK - Österreichisches Museum für angewandte Kunst
Stubenring 5, A-1010 Wien
Ausstellungsdauer: 17. März - 17. Mai 1998
Öffnungszeiten: Di-So 10.00 - 18.00 Uhr
Do 10.00 - 21.00 Uhr, Mo geschlossen

Die Ausstellung "Gang über die Brücke", die vom 17. März bis 17. Mai 1998 im MAK-Kunstblättersaal zu sehen ist, zeigt exemplarisch das Werk eines Künstlers, der an einem Wendepunkt in der Geschichte des japanischen Farbholzschnittes steht.

1790 in Edo als Sohn des Kalligraphen Ikeda Shigeharu geboren, erlernte Keisai Eisen zunächst die Malerei bei Kakkeisai, einem Meister der Kano-Schule. Erst relativ spät begann er sich dem Ukiyo-e zuzuwenden, den japanischen Farbholzschnitten, die das Theater und das Leben in den Vergnügungsvierteln zum Thema haben. Er machte eine Lehre bei dem bereits berühmten Ukiyo-e Meister Kikugawa Eizan (1787-1867), dem die vorjährige Holzschnittausstellung im MAK gewidmet war. Eisens erste publizierte Arbeiten werden allerdings erst in die Zeit ab 1820 datiert.

Keisai Eisens vorrangiges Thema war zunächst die Darstellung von Geishas und Kurtisanen. Dieses zeigte er allerdings nicht nur im Ukiyo-e, sondern, um Geld zu verdienen, auch anonym als sogenannter Shunga-Künstler, als Autor eindeutiger erotischer Drucke. Zeitweise besaß Keisai sogar ein Freudenhaus im Vergnügungsviertel Yoshiwara.

Parallel zu den Arbeiten rund um den Yoshiwara war Keisai Eisen auch als Illustrator von Romanen, Schul- und Musterbüchern bekannt. Ausschneidebögen für Kinder stammen ebenso von ihm wie aufwendig hergestellte Privatdrucke Surimono, die als Glückwunsch- oder Ankündigungskarten in kleiner Anzahl aufgelegt wurden.

Ab 1830 entstehen Drucke in Zusammenarbeit mit anderen Holzschnittkünstlern. Hier wäre vor allem die Serie der 69 Poststationen am Kisokaido, der nördlich verlaufenden Handelsroute zwischen Edo und Kyoto, zu nennen. Keisai Eisen begann diese Serie im Jahre 1835 mit 29 Blättern, die dann von Ando Hiroshige, dem Meister der Landschaft, fortgesetzt und vollendet wurde.

Ab ca. 1840 sind von Keisai Eisen kaum mehr weitere Arbeiten bekannt. Das Ende seiner künstlerischen Laufbahn wurde möglicherweise auch durch die sogenannte Tempo-Reform 1841-1843 beschleunigt, da es im Zuge der Reform, einem der letzten Versuche, das Shogunat zu stärken, zu einer Verschärfung von Zensur und Moralvorstellungen kam. Keisai Eisen starb vor 150 Jahren 1848 in Edo.

In Stil- und Themenwahl war Keisai Eisen ein außerordentlich vielseitiger Künstler und ein ebenso guter Kenner der Kunstgeschichte, der mit den Themen und Werken seiner Vorgänger und Zeitgenossen besser vertraut war als viele andere. 1833 publizierte er zum Beispiel die letzte Auflage der Biographen der Holzschnittmeister (Ukiyo-e rui-ko).

Das Thema der Geishas und Kurtisanenen bijin (die Schönheit), welches Kitagawa Utamaro (1750 - 1806) zur Hochblüte gebracht hatte, war inzwischen zur Gebrauchsgraphik verkommen. Keisai Eisen wiederholte alle Varianten, jedoch stets mit einem ironischen Blick auf das inzwischen antiquierte Thema. Nach ihm verfiel dieses über 60 Jahre hinweg wichtigste ikonographische Motiv des Ukiyo-e.

Seine Vielseitigkeit läßt sich darin erkennen, daß kaum ein anderer Holzschnittkünstler, der bijin darstellte, sich der Landschaftsmalerei widmete, in der vor allem Katsushika Hokusai (1760 - 1849) und Ando Hiroshige (1797 - 1858) die großen Meister waren. Hokusai schließt zu Beginn des Jahrhunderts an die traditionelle japanische Landschaftsmalerei an, Hiroshige hingegen nimmt in seinem Werk die westliche Perspektive als wichtiges Thema auf. Als Zeitgenosse Hiroshiges geht Eisen mit diesem konform, fügt aber noch einige traditionelle Stilkomponenten hinzu. Nach ihnen führt bis zum Ende der Edo-Periode niemand mehr dieses Thema fort.

Betrachtet man also den japanischen Farbholzschnitt in seiner Gesamtentwicklung, so ist der große Umschwung nicht erst, wie oft dargestellt, in der auf die Edo-Periode folgenden Meiji-Zeit ab 1868, sondern schon vor 1840 zu beobachten. Keisai Eisen schuf sein vielschichtiges Werk am Wendepunkt dieser künstlerischen Entwicklungslinie, die die politische und ökonomische Krise des Landes wiederspiegelt.

Pressepreview 17. März 1998, 10.30 Uhr

Ausstellungsort MAK-Kunstblättersaal
MAK - Österreichisches Museum für angewandte Kunst
Stubenring 5, A-1010 Wien

Ausstellungsdauer 17. März - 17. Mai 1998

Öffnungszeiten Di - So 10.00 - 18.00 Uhr
Do 10.00 - 21.00 Uhr
Mo geschlossen

MAK-Kurator Johannes Wieninger

Führungen Donnerstag, 19.3.1998, 19.00 Uhr
Sonntag, 22.3.1998, 11.00 Uhr
Mittwoch, 15.4.1998, 15.00 Uhr
(am Mittwoch im Rahmen des Seniorenprogramms, Gesamtpreis öS 95, Anmeldung erforderlich, Tel. 711 36-298) Sonderführungen nach Voranmeldung,
Tel. 711 36-298

Feiertage 10.4. Karfreitag 10.00 - 18.00 Uhr 12.4. Ostersonntag 10.00 - 18.00 Uhr 13.4. Ostermontag 10.00 - 18.00 Uhr
1.5. Staatsfeiertag geschlossen

Freier Eintritt 14.4. Geburtstag Rudolf von Eitelberger
17.5. Internationaler Museumstag

MAK-Eintritt öS 90,-/öS 45,- ermäßigt für Schüler, gesamt Studenten, Senioren ab 60, Soldaten, Zivildiener, Gruppen ab 10 Personen.
Freier Eintritt für Kinder bis 10, Mitglieder der MAK Art Society, Studenten der Hochschule für angewandte Kunst, Museumspaß, Arbeitslose, österr. Schulklassen.

Rückfragen & Kontakt:

MAK
Dorothea Apovnik
Tel.: +43-1-711 36-233
Fax: +43-1-711 36-227
e-mail: presse@mak.at

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