Gericht weist Klage gegen Sektenbroschüre des Familienministeriums ab

Bartenstein setzt Aufklärungsarbeit unbeirrt fort

Wien (OTS) - Das Handelsgericht Wien hat eine
Unterlassungsklage gegen die vom Bundesministerium für Umwelt, Jugend und Familie herausgegebene Broschüre "Sekten - Wissen schützt" in erster Instanz abgewiesen. Damit wurde die Rechtmäßigkeit der Aufklärungsbroschüre vom Gericht bestätigt. Eingebracht wurde die Klage vom "Meditationsverein Sri Chinmoy Centre", dem in der Publikation eine Viertelseite gewidmet ist. Familienminister Dr. Martin Bartenstein sieht sich durch das
Urteil bestärkt, die Information über Sekten und pseudo-religiöse Organisationen fortzusetzen.

Das Gericht begründet sein Urteil im wesentlichen mit der Tatsache, daß die Broschüre durch das Ministerium "im Bereich der Hoheitsverwaltung" publiziert wurde, konkret in der öffentlichen Jugendwohlfahrt. Herstellung und Verbreitung der Broschüre seien als Akt der hoheitlichen Verwaltung zu sehen, daher in Vollziehung der Gesetze erfolgt. Eine Unterlassung als Naturalersatz wird allerdings ausdrücklich durch das Amtshaftungsgesetz ausgeschlossen.

"Sekten - Wissen schützt" ist die erfolgreichste Publikation, die das Bundesministerium für Umwelt, Jugend und Familie in den vergangenen Jahren publiziert hat. Seit ihrem Erscheinen im
November 1996 wurden 270.000 Exemplare von Bürgern, Schulen, Jugendlichen und Organisationen angefordert, die Nachfrage hält weiter an.

Beratungsangebot wird ausgebaut

Bartenstein, der ein Verfahren gegen das Urteil in zweiter Instanz erwartet, will sich auch durch ein Berufungsverfahren
nicht beirren lassen: "Im Gegenteil: Wir bauen unsere Aufklärungsarbeit immer weiter aus. Seit Jahresbeginn gibt es in jedem Bundesland eine Familienberatungsstelle, die spezielle Information bei Problemen und Konflikten mit Sekten anbietet."

Der Kontakt eines Familienangehörigen zu einer religiösen Sekte kann, wie die Erfahrung zeigt, innerhalb einer Familie oder einer Beziehung ernste Konflikte auslösen: Betroffene können mit Trennungsängsten, Kommunikationsproblemen, Geldsorgen oder Erziehungskonflikten zu kämpfen haben. Um Familien in solchen Situationen zu helfen, stehen die neun Beratungsstellen zur Verfügung. Es handelt sich um folgende Standorte:

Burgenland: Familienberatungsstelle Neusiedl/See, Eisenstädter Straße 1a, 7100 Neusiedl/See
Kärnten: Familienberatung der Landeshauptstadt Klagenfurt, Lidmanskygasse 20 h, 9020 Klagenfurt
Niederösterreich: Familienberatungsstelle des NÖ Hilfswerks, Gröhrmühlgasse 32, 2700 Wiener Neustadt
Oberösterreich: Familienberatung des OÖ Familienbundes, Ferdinand Markl-Straße 4, 4040 Linz
Salzburg: Familienberatungsstelle des Familienreferats das Landes Salzburg, Schwarzstraße 21, 5020 Salzburg
Steiermark: Familien- und Jugendberatung des Steirischen Familienbundes, Mondscheingasse 8/II/5, 8010 Graz
Tirol: Familien- und Schwangerenberatung der Caritas, Wilhelm-Greil-Straße 5, 6020 Innsbruck
Vorarlberg: Familienberatung des Instituts für Sozialdienste, Römerstraße 35, 6900 Bregenz
Wien: Ehe-, Familien- und Lebensberatung, Invalidenstraße 13/3/54, 1030 Wien

Die kostenlose Broschüre "Sekten - Wissen schützt", die als Erstinformation für Interessierte und Betroffene gedacht ist, kann bei der Jugend-Info des Bundesministeriums für Umwelt, Jugend und Familie unter der Ortstarifnummer 0660/1799 telefonisch bestellt werden.

(Schluß)

Rückfragen & Kontakt:

Dr. Ingrid Nemec
Tel.: (01) 515 22 DW 5051

Bundesministerium für Umwelt, Jugend & Familie

ORIGINALTEXT-SERVICE UNTER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | BMU/OTS