Mühl: "Peter Sichrovsky war unser Medienberater"

"Spiegel"-Redakteur: "Sichrovsky wollte mich im Sinne der Kommunenpropaganda beeinflussen"

Wien (OTS) - Was FP-Politiker Peter Sichrovsky mehrmals (zuletzt
in der ORF-Sendung "Zur Sache") vehement bestritten hat, wird von Zeugen ganz anders gesehen. Das berichtet das Wochenmagazin NEWS in seiner morgen erscheinenden Ausgabe.

Unter Berufung auf ein Buch des Ex-Kommunarden Andreas Schlothauer hatte VP-Mann Franz Morak, dem heftig gegen Mühl polemisierenden Sichrovsky vorgeworfen, 1989 Berater der Mühl-Kommune gewesen zu sein, einen geschönten "Standard"-Bericht verfaßt und den Versuch unternommen zu haben, die Berichterstattung eines "Spiegel"-Redakteurs zu beeinflussen. Das war bereits nach Aufnahme der gerichtlichen Untersuchungen gegen den Friedrichshof.

In NEWS meldet sich nun Otto Mühl zu Wort. "Ja, freilich, Peter Sichrovsky hat uns im Umgang mit den Medien beraten." Zwei weitere Kommunarden bestätigen dies ausdrücklich. Einer präzisiert:
"Sichrovsky hat uns damals in Medienangelegenheiten beraten. Das Bild der Kommune in der Öffentlichkeit war verheerend, das gerichtliche Verfahren war seit einem Jahr im Laufen. Sichrovsky war oft bei uns, und es war vorgesehen, ihm für die Tätigkeit 100.000 Schilling zu bezahlen." Da es für die Image-Korrektur aber letztlich zu spät und die Summe zu hoch gewesen sei, habe man von der Überweisung Abstand genommen.

Allerdings verfaßte Sichrovsky, so NEWS, für den Katalog einer Mühl-Ausstellung ein Frage-Antwort-Interview im Umfang von zwei Seiten mit dem Künstler (Spitzenhonorar für Leistungen dieses Umfangs nach Fach-Auskunft: 5.000 Schilling). Dafür bekam er von Mühl ein Ölgemälde (Wert von Mühl-Gemälden damals laut Galerie Klocker: von 70.000 Schilling aufwärts).

Sichrovsky in NEWS zur Causa: "Ich war aus Sorge in der Kommune Gomera, wo mein heute längst ausgetretener Bruder Thomas Koch war. Aber ich war nie Berater - das wäre mir seitens meines Arbeitgebers "Standard" gar nicht erlaubt gewesen. Im Gegenteil: Mein "Standard"-Artikel war sogar der erste kritische."

Die Behauptung, er habe einen "Spiegel"-Artikel manipulieren wollen, bezeichnet Sichrovsky in NEWS als "absurde Lüge". Ich habe den Kollegen nur gebeten, meinen Bruder herauszulassen."

"Spiegel"-Redakteur Bernd Dörler, der sich 1989 in die Kommune einschlich, erinnert sich im NEWS-Interview anders: Er habe Mühl mit seinen alarmierenden Recherchen konfrontiert. "Kurz danach rief mich zu meinem Erstaunen Peter Sichrovsky an, um meinen Artikel im Sinne der offiziellen Kommunenpropaganda zu beeinflussen. Ich habe mich aber nicht darum gekümmert."

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